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Reaktionen zum Phantomtor:"Ich habe gedacht, irgendwas stimmt mit meinen Augen nicht"

1899 Hoffenheim v Bayer Leverkusen - Bundesliga

"Ich gehe davon aus, dass das Spiel wiederholt wird": Andreas Beck (re.)

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Andreas Beck zweifelt an seiner Sehkraft. Der einstige Phantomschütze Thomas Helmer nimmt seinen Nachfolger in Schutz. Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel spricht sich für die Torlinientechnologie aus. Und Rudi Völler empfiehlt den Hoffenheimern Investitionen in bessere Netze. Die Reaktionen im Überblick.

Thomas Helmer, Schütze des Phantomtors 1994: "Es geht um Sekunden, und du weißt als Schütze selbst nicht so genau, ob er drin war. Kießling wird auch überlegt haben: Was mach' ich jetzt, was ist passiert. Und diese Sekunden entscheiden darüber, bist du jetzt der liebe Junge oder der böse Bube. Das Spiel muss wiederholt werden, keine Frage."

Herbert Fandel, Schiedsrichter-Chef im DFB: "Felix Brych ist einer der weltbesten Schiedsrichter. Jeder kann sich vorstellen, dass diese Entscheidung ihn ganz besonders ärgert und beschãftigt. Aber es war eine Verkettung unglücklicher Umstände und am Ende bleibt bedauerlicherweise stehen, dass ein Tor gegeben wurde, welches keines gewesen ist. Ich habe immer gesagt, dass wir für eine Torlinien-Technologie sind, weil sie unsere Arbeit unterstützt. Sie muss aber hundertprozentig funktionieren."

Alexander Rosen, Sportlicher Leiter TSG Hoffenheim: "Das ist skandalös. Es war kein Tor. Es gibt keine zwei Meinungen über diese Szene. Das war mehr als skurril. Wir werden definitiv Protest einlegen. Die relevante Regel ist die, dass das Spielresultat entscheidend beeinflusst wurde. Wir werden am Samstagfrüh alles einleiten. Es geht jetzt alles seinen Weg. Es gab bisher einen vergleichbaren Fall in der Bundesliga. Und es ist ja bekannt, wie das ausgegangen ist. Der Schiedsrichter muss sich nicht bei mir entschuldigen. Er hat es ja ganz sicher nicht absichtlich gemacht. Das ist doch klar."

Schiedsrichter Felix Brych: "Ich hatte leichte Zweifel, aber die Reaktionen der Spieler waren eindeutig, es gab kein Kontra. Es hat mir keiner gesagt, dass der Ball nicht im Tor war. Für mich ist das jetzt auch keine tolle Situation, ein Tor zu geben, das keins war. Ich habe mich mit Stefan Kießling ausgetauscht. Aber niemand, auch er nicht, hat mir gesagt, dass es kein Tor war. Der Ball lag im Netz, für alle auf dem Platz war es ein regulärer Treffer. Jetzt weiß ich auch, dass es nicht so war."

Bernd Heynemann, ehemaliger Schiedsrichter: "Man kann ja nicht von Wahrnehmungsfehler sprechen, weil der Ball eindeutig am Pfosten vorbei gegangenen ist. Die Sache hätte man anders lösen müssen. Er (Brych, Anm. d. Red.) dreht sich ja schon so weg zum Abstoß. Die ganze Gestik deutet auf Abstoß, und Kießling fast sich an den Kopf, dass er den nicht verwandelt hat. Plötzlich kommen die Spieler von der rechten Seite, die das ganze vielleicht wirklich nicht sehen konnten, und gratulieren ihm."

Hans-Joachim Osmers, ehemaliger Schiedsrichter: "Für mich hat Kießling ganz klar erkannt, dass der Ball nicht ins Tor gegangen ist. Da wäre Fairplay Kießlings Pflicht und Schuldigkeit gewesen. Er hätte es Schiedsrichter Felix Brych sagen müssen. Brych hätte in dieser Situation die Unterstützung von Kießling und anderen Spielern gebraucht, die auch gesehen haben, dass es kein Tor war. Aber da sieht man, dass die ganzen Fairplay-Kampagnen der Verbände wohl nichts wert sind.

Stefan Kießling, Bayer Leverkusen: "Ich habe im ersten Moment gedacht, der Ball geht nicht rein. Dann kamen alle auf mich zugestürmt und haben mich umarmt. Ich habs nicht genau gesehen, aber ich war überrascht, dass es gezählt hat. Das habe ich dem Schiedsrichter auch gesagt. Das ist eine blöde Situation für mich. Ich wurde von den Zuschauern richtig übel beleidigt, obwohl ich persönlich nicht wirklich was dafür kann."

Andreas Beck, Kapitän TSG Hoffenheim:"Ich dachte, irgendwas stimmt mit meinen Augen nicht. Ich gehe davon aus, dass das Spiel wiederholt wird. Ich habe vor dem Wiederanpfiff den Kontakt zum Schiedsrichter gesucht, der hat aber gesagt, dass er keinen Kommentar dazu abgeben will. Er blieb stur, schien aber auch in Gedanken versunken zu sein."

Markus Gisdol, Trainer TSG Hoffenheim: "Es ist unglaublich viel, was wir dieses Jahr alles wegstecken müssen. Ich stehe total unter dem Eindruck dieses Tores, das keines war. Es ist schon bitter für uns, weil wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, es ist schwer zu akzeptieren, dass das Spiel so entschieden wird. Es gab ja schon mal diesen Fall, da gab es ein Wiederholungsspiel. Ich denke, das Spiel werden wir noch mal sehen. Alles andere wäre ein Witz. Wir können ja nicht ein Spiel von Bayern München wiederholen und von Hoffenheim nicht."

Sami Hyypiä, Trainer Bayer Leverkusen: "Ich habe nach dem Spiel gesehen, dass der Ball neben dem Pfosten war. Während des Spiels habe ich gejubelt, weil ich den Ball im Netz gesehen habe. Natürlich ist es ein bisschen unangenehm, so zu gewinnen. Ich kann da nichts dran machen, der Schiedsrichter fällt die Entscheidungen."

Rudi Völler, Sportchef Bayer Leverkusen: "Für uns war es unangenehm. So wollten wir das Spiel nicht gewinnen. Ein guter Tipp an Hoffenheim: Sie haben so viel Geld ins Stadion gesteckt, sie sollten auch was in ordentliche Netze investieren."

© SZ.de/sid/dpa/sky/ska/jkn
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