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Putin-Begleiterin Skworzowa im Interview:"Manchmal hat er auch gelacht"

Sotschi 2014 - Eröffnungsfeier

Zu Besuch beim Präsidenten: Irina Skworzowa bei der Eröffnungsfeier in Sotschi.

(Foto: dpa)

Die 2009 verunglückte Bobfahrerin Irina Skworzowa muss immer noch unzählige Operationen über sich ergehen lassen. Jetzt saß die Russin bei der Eröffnungsfeier neben Wladimir Putin. Im Gespräch erzählt sie vom Plausch mit dem Präsidenten, ihren Eindrücken aus dem Stadion und ihrer bewegenden Leidensgeschichte.

Von Johannes Aumüller, Sotschi

Bei den Olympischen Spielen zu starten, das war der Traum der russischen Bobfahrerin Irina Skworzowa. Doch dann kam es 2009 im Eiskanal am Königssee zu einem schrecklichen Unfall: Skworzowa und ihre Pilotin waren losgeschickt worden, obwohl es keine Freigabe gegeben hatte - und als sie stürzten, raste ein anderer Bob in sie hinein. Wochenlang lag Skworzowa in einem Münchner Krankenhaus im Koma, danach musste sie befürchten, für immer gelähmt zu bleiben. Nach zahlreichen Operationen geht sie heute meist an Krücken. Sie studiert in Moskau Sportpsychologie. Nach Sotschi schaffte sie es nun doch noch - und das an prominenter Stelle: Während der Eröffnungsfeier saß sie neben Staatspräsident Wladimir Putin. Beim Gespräch danach ist sie immer noch aufgeregt.

SZ: Frau Skworzowa, wie kam es dazu, dass Sie direkt neben Putin saßen?

Irina Skworzowa: Eine Woche vor der Feier habe ich die Einladung bekommen, bei der Feier auf der Tribüne zu sitzen. Mehr habe ich da nicht gewusst. Am Freitagmorgen bin ich nach Sotschi geflogen, und dann hieß es irgendwann, dass wir in der Loge des Präsidenten sitzen. Und so 20 Minuten vor Beginn habe ich gehört, dass ich direkt neben dem Präsidenten sitze.

Und was haben Sie da gedacht?

Fantastisch. Ich habe noch mal schnell geschaut, ob mit der Frisur und der Kleidung alles in Ordnung ist. Das Ganze war für mich wie ein Märchen, sogar mehr als ein Märchen. Ich war während der Woche noch mal für ein paar Tage im Krankenhaus. Erst am Donnerstagabend wurde ich entlassen, am Freitagmorgen bin ich geflogen, am Abend saß ich dann schon neben dem Präsidenten.

Als die Übertragung losging, haben viele gerätselt, wer die Frau neben Putin ist. Viele dachten zum Beispiel, das sei Putins Tochter Jekaterina.

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Ja, das habe ich auch gehört. Auch ein paar andere Namen waren im Gespräch. Ich glaube, mich haben wirklich nur Freunde und ein paar Journalisten erkannt.

Als Sie in Deutschland im Krankenhaus lagen, hat Sie mal Außenminister Sergej Lawrow besucht. Hatten Sie auch schon Kontakt zu Putin?

So direkt nicht. Ich habe ihn nur einmal persönlich gesehen, als er einen Auftritt in der Universität in Sotschi hatte und ich im Saal war.

Wie war es denn neben Putin? Haben Sie sich ein bisschen mit ihm unterhalten?

Ja, nicht so ausführlich, aber ein bisschen über die Formen der Athleten und die Darstellung der Geschichte. Ganz normale menschliche Fragen hat er gestellt.

Im Fernsehen hat es manchmal so ausgesehen, als sei Putin ein bisschen langweilig. Er hat so streng dreingeschaut.

Ja? Ich weiß nicht, mich haben auch ein paar Freunde gefragt, warum ich immer so streng geschaut habe. Also, ich kann sagen, dass er manchmal auch gelacht hat.

Was hat Ihnen am besten gefallen?

Alles war wunderbar, aber am besten hat mir gefallen, wie sich die großen Maskottchen beim Eislauf bewegt haben. Das war unglaublich.

Wie verbringen Sie jetzt die Zeit während der Spiele. Sie hatten den Plan, als Expertin fürs russische Fernsehen zu arbeiten.

Ja, das habe ich aber abgesagt, weil ich kürzlich noch eine Operation hatte und ich nicht wusste, wie ich das verkrafte. Jetzt fliege ich zurück, vielleicht komme ich am 16. Februar wieder, um unsere Bob-Mannschaft anzufeuern. Aber ich habe ein bisschen die Befürchtung, wenn ich wieder nach Sotschi fahre und die Journalisten das erfahren, dass ich es dann nicht bis zu den Wettkämpfen schaffe.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nach der 50. Operation aufgehört hätten, die Operationen zu zählen. Ende 2013 haben Sie sich mit den Bob-Verbänden geeinigt und 650.000 Euro Entschädigung bekommen. Wie geht es jetzt weiter?

Ich war im Dezember noch einmal für einen Monat in Deutschland, um mich operieren zu lassen. Circa fünf Operationen sind noch notwendig, haben mir die Ärzte gesagt. Die nächste ist wahrscheinlich schon Ende März. Was ansonsten sein wird in Zukunft, keine Ahnung.

© SZ vom 10.02.2014/jbe

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