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Premier League:Spieler, die keine Laborratten sein wollen

FILE PHOTO: Premier League - Manchester United v Watford

Troy Deeney: Kann nicht unbeschwert zum Training zurückkehren

(Foto: Action Images via Reuters)

Der Weg zurück zum Fußball gestaltet sich für die Premier League beschwerlich. Watford-Kapitän Troy Deeney will aus Angst vor dem Virus dem Training fernbleiben - später meldet der Klub drei positive Tests.

Von Saskia Aleythe

Die Laborergebnisse waren noch nicht da, als Troy Deeney einen Entschluss gefasst hatte. Deeney ist Kapitän des FC Watford in der englischen Premier League, und als die Liga entschied, dass in dieser Woche ab Dienstag wieder eine Art Training in den Klubs stattfinden soll, wusste er: ohne ihn. Gesundheit sei ihm wichtiger als "ein paar Pfund in der Tasche", sagte der 31-Jährige in dem Podcast "Talk Talk Talk". Sein fünfmonatiger Sohn habe Atemprobleme, er wolle nicht nach Hause kommen und ihn "in noch größere Gefahr bringen", sagte Deeney.

So deutlich hatte sich bisher kein Erstliga-Profi gegen den Wiederbeginn des Profifußballs positioniert. Am Dienstagabend schließlich meldete die Premier League die Ergebnisse der in den vergangenen 48 Stunden durchgeführten Corona-Tests: Sechs der 748 Tests seien positiv ausgefallen, und wie der Klub am Mittwoch selber bestätigte, traf es dabei am stärksten: den FC Watford. Drei Personen hätten sich mit Corona infiziert, davon ein Spieler, der Verteidiger Adrian Mariappa. Alle befänden sich nun sieben Tage in Quarantäne bevor die nächsten Tests anstünden, die Mannschaft soll wie geplant ins Training zurückkehren. Das Gelände sei "virus-free" und eine sichere Umgebung für die Spieler, schreibt der Klub in einem Statement.

Doch der Kapitän wird fehlen und wie Reporter des Sportmagazins "The Athletic" berichten, sollen sich mehrere Teammitglieder ihm angeschlossen haben. Es ist ein Vorgang, der in dieser Corona-Krise bisher einmalig ist.

Auch andere Profis äußern Bedenken am Re-Start

Großbritannien hat das Virus nach Infektionen und Todeszahlen in Europa am stärksten getroffen, am Montag verständigten sich die 20 Profiklubs einstimmig darauf, das Training wieder aufzunehmen. Man starte nun mit Phase Eins, in der fünf Spieler gleichzeitig auf dem Rasen sein können, es ist Fußball ohne Körperkontakt. Es gibt regelmäßige Tests und Sicherheitsvorkehrungen, "die Trainingszentren der Vereine werden die sichersten Orte sein, da wird sich niemand anstecken", meinte Jürgen Klopp kürzlich in einem von der DFB-Akademie veröffentlichen Gespräch; er hofft auf den Titel mit Liverpool. Doch Deeney vom Tabellen-17. Watford ist von den angeblichen Garantien nicht überzeugt.

Als das Konzept den Spielern vorgestellt wurde, habe er Fragen angebracht, die nicht beantwortet werden konnten. "Für Schwarze, Asiaten und gemischte Ethnien ist das Risiko vier mal höher, die Krankheit zu bekommen und doppelt so wahrscheinlich, einen langen Krankheitsverlauf zu haben", sagte Deeney, "wird es ein zusätzliches Screening geben? Herzuntersuchungen, um zu sehen, ob jemand Probleme hat?" Niemand habe diese Fragen beantworten können. "Ich kann bis Mitte Juli nicht zum Friseur", erklärte Deeney, "aber in einem Strafraum mit 19 Personen um einen Kopfball kämpfen. Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll." Dass die Spieler regelmäßig getestet werden, reicht ihm nicht als Versicherung.

Bedenken am Re-Start der Premier League äußern auch andere Profis: Nationalspieler Danny Rose, derzeit von Tottenham Hotspur an Newcastle United ausgeliehen, sagte im Podcast "Lockdown Tactics", mit den Überlegungen zum Weiterspielen behandele man die Fußballer, als seien sie Laborratten oder Meerschweinchen. "Womöglich riskiere ich meine Gesundheit für die Unterhaltung von anderen. Um ehrlich zu sein, will ich das nicht", sagte Rose. Sergio Aguero von Manchester City hatte schon Anfang Mai in einem Interview mit der Fußballshow "El Chiringuito" betont, "die Mehrheit der Spieler hat Angst, weil sie Kinder und Familien haben".

Wann der Ball in der Premier League erstmals nach dem 13. März wieder rollen kann, ist noch völlig offen. Bisher ist der 12. Juni als möglicher Termin für den Wiederanpfiff in Visier genommen worden, doch eine finale Abstimmung über Fortführung oder Abbruch der Liga ist noch nicht erfolgt. Am kommenden Dienstag wollen sich die Premier-League-Klubs in einem Telefonmeeting darüber austauschen, mit welchen Hygiene-Konzepten man in ein Kontakttraining zurückkehren kann. Bis dahin stehen noch einige Tests aus.

© SZ.de/ebc
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