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Philipp Petzschner in Wimbledon:Einer spielt noch!

The Championships - Wimbledon 2013: Day Two

Die letzte Hoffnung in Wimbledon: Philipp Petzschner (Archivbild).

(Foto: Getty Images)

Alle Deutschen sind raus in Wimbledon? Eine glatte Falschmeldung. Philipp Petzschner spielt im Halbfinale gegen Murray.

Auch die SZ fiel am Wochenende auf die Falschmeldung aus Wimbledon herein. "Ab jetzt spielt kein Deutscher mehr mit", stand geschrieben: "Seit 2006 schnitten die Spieler des Deutschen Tennisbundes nicht mehr so schlecht ab." Das sei wirklich "frustrierend", kommentierte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner.

Doch dann betrat am Dienstagnachmittag ein Mann mit Dreitagebart den Court Nummer 18. Die Basketballkappe hatte er verkehrt herum aufgesetzt wie einst Marc-Kevin Goellner. Nach zwei Stunden und zehn Minuten ballte er die Faust, jubelte laut. Der 31-Jährige hatte tatsächlich das Halbfinale von Wimbledon erreicht. Sein Name: Philipp Petzschner, geboren in Bayreuth, wohnhaft in Pulheim bei Köln.

Gemeinsam mit seinem Partner Jonathan Erlich aus Israel hatte er sich im Doppel zuerst durch die Qualifikation gekämpft und dann Runde für Runde gesteigert. Am Dienstag besiegten die beiden die French-Open-Sieger Ivan Dodig und Marcelo Melo in vier Sätzen. In der Einzel-Weltrangliste taucht Petzschner erst an Position 352 auf. Im Doppel ist er erfolgreicher. Mit dem Österreicher Jürgen Melzer gewann er zwei Grand-Slam-Turniere: 2010 in Wimbledon und 2011 bei den US Open.

Doch seit die beiden nicht mehr gemeinsam spielten, lief es nicht mehr für Petzschner. 2015 nahm der Deutsche an elf Turnieren teil - vor allem an Challenger-Wettbewerben. Er stürzte in der Weltrangliste ab. Auf der ATP-Tour gelang ihm vor Wimbledon nicht ein einziger Sieg.

Petzschner erwies sich zudem als extrem unsteter Partner. Er probierte es in dieser Saison mit acht unterschiedlichen Spielern: Tim Puetz, Hong Kit Wong, Benjamin Becker, Janko Tipsarevic, Dustin Brown, Malek Jaziri, Jan-Lennard Struff und Dominik Meffert. Es lief mit keinem von ihnen. Seinem aktuellen Partner Jonathan Erlich sollte er nun eine Weile lang treu bleiben. In der nächsten Runde trifft das Qualifikanten-Duo auf Andy Murrays großen Bruder Jamie und John Peers.

Ein deutscher Tennisspieler tritt also im Wimbledon-Halbfinale gegen Murray an. Hätte diese Konstellation jemand vor dem Turnier vorhergesagt, die deutsche Tennisszene wäre ausgeflippt.

© Süddeutsche.de/sonn/ebc
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