Pferdebesitzer Paul Schockemöhle "Fehlinvestition" namens Totilas

Pferdegroßhändler, dessen Hengst Totilas nun in den Ruhestand muss: Paul Schockemöhle.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)
  • Mit 18 war man zu seiner Zeit noch minderjährig, aber Paul Schockemöhle ließ sich vorzeitig für geschäftsfähig erklären. Bald darauf besaß er ein Eier-Imperium.
  • Als Reiter wurde er drei Mal Europameister. Aber er war auch Ausbilder und Geschäftsmann - beides brachte ihn vor Gericht.
  • Totilas hat er angeblich für zehn Millionen Euro gekauft. Dass sich der Hengst nun aus dem Sport zurückzieht, kann Schockemöhle finanziell verschmerzen.
Von Claudio Catuogno

In seinem ersten Stall standen Hühner. Hühner können nicht tanzen und bringen keine Menschen zum Träumen - sie legen Eier und bringen Geld. Sie waren der erste Baustein eines Firmenimperiums, zu dem später Immobilien und Lastwagen gehören sollten, Fahrräder und Sportveranstaltungen; vor allem aber die größte Pferdezucht Europas mit tausend Mutterstuten und jährlich 700 Fohlen. Und schließlich, seit 2010: das teuerste Sportpferd der Welt. Totilas.

Paul Schockemöhle hat früh angefangen mit dem Kaufen und Verkaufen: Am Gymnasium in Vechta kaufte er den Mitschülern alte Lehrbücher ab, das Stück eine Mark, und nach den Sommerferien verkaufte er sie weiter. Für zwei Mark. Seither weiß er, was eine Gewinnmarge ist. Mit 18 war man zu seiner Zeit noch minderjährig, aber er ließ sich vorzeitig für geschäftsfähig erklären, bald darauf besaß er ein Eier-Imperium. Die Pferde kamen erst später.

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Alwin Schockemöhle war 1960 Olympiasieger im Springreiten geworden, acht Jahre später begleitete Paul den älteren Bruder zu den Spielen nach Mexiko, als Pfleger. Erst mit 23 stieg Paul Schockemöhle selbst in den Sattel, dreimal hintereinander wurde er Europameister. Mit Deister - dieser Wallach war für ihn wohl tatsächlich mehr als ein Investment.

Wegen Steuerhinterziehung elf Monate auf Bewährung

Aber nur als Reiter hat sich Schockemöhle nie begriffen, er war immer auch Ausbilder und Geschäftsmann. Beides brachte ihn vor Gericht. Anfang der Neunziger war auf einem Video zu sehen, wie er Springpferden Stangen gegen die Beine schlug, und auch wenn das "Barren" weit verbreitet war: Schockemöhle stand nun stellvertretend für eine skrupellose Branche. Schwierig war auch sein Geschäftsgebaren: Wegen Steuerhinterziehung bekam er elf Monate auf Bewährung.

Dem Imperium hat es nicht geschadet. Schockemöhle trainierte Chinesen, Saudis, Südkoreaner, er ließ sich seine Dienste gut bezahlen - und verkaufte zugleich seine Pferde in alle Welt. Auch Haya lebte und lernte eine Zeitlang auf seinem Hof in Niedersachsen, die Prinzessin von Jordanien, und als 1998 Hayas Vater vorbeikam, König Hussein von Jordanien, servierte Schockemöhle im Stall Würstchen mit Pommes. Die personifizierte Bodenständigkeit: Auch mit 70 Jahren wohnt er in einer Doppelhaushälfte und trägt eine überschaubare Auswahl an Rollkragenpullis.

Aber dagegen, dass Pferde Emotionen wecken, ist auch Paul Schockemöhle nicht gefeit. Als er dem Niederländer Edward Gal vor fünf Jahren den Hengst Totilas unter dem Sattel wegkaufte, angeblich für zehn Millionen Euro, stand dahinter auch der Wunsch, den größten Tänzer der Dressur-Welt zu besitzen, das Wunderpferd. Einerseits. Andererseits brachte jede Portion Tiefkühlsamen 8000 Euro, und Totilas beglückte damit etwa 200 Stuten im Jahr. Nun, da sich der Hengst nach einer Reihe von Verletzungen aus dem Sport zurückziehen muss, spricht Schockemöhle von einer "Fehlinvestition". Finanziell kann er sie verschmerzen.

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