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Peter Stöger beim BVB:Ehrenkodex für den Trainerwechsel

FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund

Dortmunds neuer Trainer mit dem Know-how aus Köln: Peter Stöger.

(Foto: dpa)

Heute Köln, morgen Dortmund: Blitzartige Vereinswechsel wie von Peter Stöger gefährden die Glaubwürdigkeit des Geschäfts.

Im Süden, in Spanien, machen sie es anders. Dort ist das Job-Hopping den leitenden Angestellten des Fußballs untersagt. Für die Profis gibt es mehrere Transferfenster, den Trainern hingegen steht nur ein Fenster vor jeder Saison offen, und das wird pünktlich mit Ende der Sommerpause verriegelt. Grundlage dafür ist die Regel 162 des spanischen Fußball-Verbandes, die unmissverständlich formuliert ist: "Wenn eine vertragliche Bindung zwischen einem Klub und einem Trainer aufgelöst werden sollte, darf jener, unabhängig von den Gründen (für das Ende des Kontrakts), im Laufe der selben Saison nicht für einen anderen (Verein) arbeiten."

Ein blitzartiger Tapetenwechsel, wie ihn Peter Stöger binnen nur zehn Tagen in der Bundesliga vollzog - aus dem Kölner Rot ins Dortmunder Schwarz-Gelb - kommt also in der Primera Divisíon des FC Barcelona und von Real Madrid nicht vor. So gibt es durchaus noch Regeln innerhalb des EU-Binnenmarktes, die überhaupt nicht synchronisiert sind.

Es wäre an der Zeit, über Pietätsfristen und Karenzzeiten zu diskutieren

Für ihre Festlegung kennen die Spanier gute Gründe, mit denen sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) perspektivisch befassen sollte. Und dies, obwohl diese Gründe beim Transfer von Peter Stöger nicht gar so offensichtlich wurden. Denn beide Klubs spielen zwar in der selben Liga, liegen aber in der Tabelle himmelweit auseinander. Der Drei-Punkte-Stöger hatte mit dem 1. FC Köln an den ersten 14 Spieltagen exakt so viele Zähler erobert wie mit den Dortmundern jetzt beim 2:0 in Mainz an einem einzigen Dienstagabend.

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Nebenbei hat sich Stöger auch international verbessert. Mit seinen Sturzflug-Kölnern ist er in der Vorrunde der Europa League gegen Borissow und Belgrad ausgeschieden, mit dem neuen Arbeitgeber darf er im kommenden Februar in der nächsten Runde gegen Atalanta Bergamo coachen. Einem Profi hingegen ist ein Doppelstart für zwei Klubs im selben Wettbewerb verboten, wenn dieser einmal läuft.

Um nun an den Punkt zu gelangen, an dem die Kritik greift, vergleicht man den Fußball am besten mit der Politik. Dort kommt es immer mal wieder zu Blitz-Transfers hinüber in die Wirtschaft, der Aufschrei ist groß, die rechtliche Handhabe dünn. Meist wird dann mit Begriffen wie Ehrenkodex, Karenzzeiten und Verschwiegenheitspflichten jongliert - eine verbindliche Regel aber gibt es bis heute trotz aller Empörung nicht.

Beide, Politiker wie Trainer, nehmen ihr Know-how mit, nur wechselt der Trainer oft nicht einmal den Wettbewerb. Er kann zentrale Betriebsgeheimnisse zur Konkurrenz überführen, über Dribbelkünstler oder Millionentransfers. In Spanien sind sie vor Debatten gefeit, die die Glaubwürdigkeit ihres Geschäft zumindest an dieser Stelle gefährden können.

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Nun ist die freie Wahl des Arbeitsplatzes ein hohes Gut. Doch nicht nur das hohe Schmerzensgeld, das im Fußball bei Entlassung ausgehändigt wird, fordert es heraus, über Pietätsfristen und Karenzzeiten zu diskutieren. Schon allein, damit die Fans noch mitkommen. Und nicht irritiert sind, wie jetzt in Köln, wenn sie sehen, wie ihr Peter aus Wien, der bis gestern unter der roten Kappe litt, plötzlich unter einer gelben jubelt.