Paralympics:Weltrekordler Johannes Floors gewinnt Gold über 400 Meter

Tokyo 2020 Paralympic Games - Athletics

Der schnellste Mann auf zwei Prothesen: Johannes Floors ist Weltmeister, Europameister, Weltrekordler - und nun auch Paralympicssieger

(Foto: REUTERS)

Seit Oscar Pistorius gilt die Distanz bei den Paralympics als besonderes Event. Irmgard Bensuan holt über 100 Meter Silber - zum fünften Mal.

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Leichtathletik: Weltmeister, Weltrekordler, Europameister - und nun auch Paralympicssieger: Johannes Floors hat seinen Ruf als schnellster Mann auf zwei Prothesen unterstrichen und in der einst durch "Blade Runner" Oscar Pistorius bekanntgewordenen Klasse nun alle Ehren auf sich vereint. Der Leverkusener gewann am Freitag bei den Paralympics in Tokio über 400 Meter und blieb in 45,85 nur sieben Hundertstelsekunden unter seinem Weltrekord. Für Deutschland ist es das elfte Gold in Japan, für Floors die dritte Paralympics-Medaille nach Staffel-Gold 2016 und Bronze über 100 Meter in Japan.

Der südafrikanische Prothesen-Sprinter Pistorius, der wegen Totschlags seiner Freundin im Gefängnis sitzt, hatte durch seine Teilnahme bei Olympia 2012 den gesamten Para-Sport bekanntgemacht. Seitdem gilt seine Klasse und vor allem seine Lieblingsstrecke über die Stadionrunde im Para-Bereich als besonderes Event.

Erneut knapp an ihrem ersten Paralympics-Sieg vorbei schrammte Irmgard Bensusan. Die 30-Jährige wurde über die 100 Meter wie schon über die doppelte Distanz in der Startklasse T64 Zweite hinter Marlene van Gansewinkel. Mit einer Zeit von 12,89 Sekunden war die Leverkusenerin elf Hundertstel langsamer als die siegreiche Niederländerin. Für Bensusan war es die insgesamt fünfte Silbermedaille, schon in Rio war sie dreimal Zweite.

Das dritte Edelmetall innerhalb weniger Minuten gewann dann der oberschenkelamputierte Sprinter Ali Lacin über 200 Meter. Der beidseitige Prothesen-Läufer wurde am Freitag im Olympiastadion von Tokio in 24,64 Sekunden Dritter und holte bei seinem Paralympics-Debüt gleich die erste Bronzemedaille. Gold gewann der Südafrikaner Ntando Mahlangu (23,59) vor dem Briten Richard Whitehead (23,99).

Schießen: Sportschützin Natascha Hiltrop hat bei den Paralympischen Spielen in Tokio ihre zweite Goldmedaille ganz knapp verpasst. Die Siegerin mit dem Luftgewehr leistete sich im Dreistellungskampf mit dem Kleinkaliber mit dem letzten Schuss einen Patzer und rutschte so trotz 0,8 Ringen Vorsprung noch hinter Rio-Siegerin Zhang Cuiping (China) auf Rang zwei ab. Mit Silber rettete sie aber immerhin die zweite Medaille der deutschen Sportschützen in Japan.

"Der letzte Schuss hätte besser laufen können. Aber ich bin vollauf zufrieden", sagte Hiltrop: "Ich hatte keine Probleme meine Konzentration während des langen Wettkampfes aufrechtzuerhalten. Bei den letzten Schüssen war der Pulsschlag dann aber ein wenig zu hoch. Ich konnte das Gerät dadurch nicht ganz ruhig halten." Bereits in Rio hatte Hiltrop mit Silber mit dem Luftgewehr für das einzige deutsche Edelmetall gesorgt. Ihr Sieg mit dem Luftgewehr am Mittwoch war das erste Gold für die deutschen Para-Sportschützen seit Athen 2004. In der Qualifikation im Dreistellungskampf hatte sich die inkomplett querschnittsgelähmte Athletin des SV Lengers als Sechste ins Finale gezittert.

Schwimmen: Schwimmerin Verena Schott hat ihre Bronzemedaillensammlung bei den Paralympics in Tokio vergrößert. Über 100 Meter Rücken schlug die 32 Jahre alte Berlinerin am Freitag in einer Zeit von 1:21,16 Minuten als Dritte an und freute sich über ihre dritte Bronzemedaille in der japanischen Hauptstadt. "Jetzt freue ich mich, nach Hause zu kommen", sagte Schott, die sich zuvor über 200 Meter Lagen und 100 Meter Brust ebenfalls Platz drei gesichert hatte. Paralympicssiegerin wurde Elizabeth Marks (1:19,57) aus den USA vor der Chinesin Yuyan Jiang (1:20,65). Alle drei Medaillengewinnerinnen blieben unter dem vorherigen Weltrekord.

Tischtennis: Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle haben die große Chance auf ihr erstes Tischtennis-Gold bei Paralympics vergeben. Durch ein 1:2 verloren die beiden querschnittsgelähmten Athleten zum dritten Mal nacheinander im Endspiel des Teamwettbewerbs gegen China. Beim Stand von 1:1 schien der Sieg diesmal griffbereit, als die deutsche Nummer eins Schmidberger gegen die chinesische Nummer zwei Xiang Zhai antrat und mit 2:0 Sätzen vorne lag. Doch der 29 Jahre alte Düsseldorfer verlor die Partie noch mit 2:3 (11:7, 12:10, 4:11, 7:11, 4:11).

Schon 2012 in London und 2016 in Rio hatten Schmidberger und Brüchle jeweils das Finale gegen die Chinesen verloren. Schmidberger unterlag zudem in Rio und nun auch in Tokio im Einzelfinale gegen Panfeng Feng. Es ist somit seine fünfte Silbermedaille bei Paralympics, auf Gold wartet er noch, alle Endspiele verlor er gegen China.

Im Doppel hatte das deutsche Duo zunächst Zhai und Feng mit 3:2 niedergerungen (11:8, 15:13, 4:11, 7:11, 11:9). Anschließend hielt der 45 Jahre alte Brüchle aus Frickenhausen gegen Ausnahmespieler Feng gut mit, musste sich aber mit 1:3 (13:11, 3:11, 8:11, 9:11) geschlagen geben.

Rollstuhlbasketball: Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen sind auf ihrer Gold-Mission bei den Paralympics in Tokio im Halbfinale gescheitert. Die Mannschaft von Trainer Dennis Nohl verlor gegen Welt- und Europameister Niederlande mit 42:52 (25:26). Im Spiel um Bronze trifft das deutsche Team nun auf China oder die USA.

Beste Werferin gegen den Erzrivalen war Katharina Lang mit 18 Punkten, Fahnenträgerin Mareike Miller gelangen in einer lange Zeit umkämpften Partie 14 Zähler. Es war nach einer Gruppenphase mit vier Siegen und dem Erfolg im Viertelfinale gegen Spanien die erste Niederlage in Tokio. Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen hatten 2008 in Peking und 2016 in Rio jeweils Silber gewonnen, 2012 in London wurden sie Paralympics-Sieger. Die Männer waren am Mittwoch im Viertelfinale wie 2016 an Spanien gescheitert.

Radsport: Die Dreirad-Fahrerinnen Jana Majunke und Angelika Dreock-Käser haben bei den Paralympics einen deutschen Doppelerfolg gefeiert. Die 31 Jahre alte Majunke gewann am Donnerstag nach dem Zeitfahren auch das Straßenrennen über 26,4 Kilometer in Oyama und holte die zehnte deutsche Goldmedaille in Japan. Die an spastischen Bewegungsstörungen leidende Cottbuserin dominierte von Beginn an das Feld, konnte sich schnell absetzen und siegte in 1:00:58 Stunden. Ihre 23 Jahre ältere Vereinskollegin Angelika Dreock-Käser, die nach einem Schlaganfall erstmals bei Paralympics startete, kam nach 1:03:40 Stunden als Zweite ins Ziel und jubelte nach Bronze im Zeitfahren ebenfalls über ihr zweites Edelmetall.

Leichtathletik: Markus Rehm hat bei den Paralympics in Tokio erwartungsgemäß zum dritten Mal in Folge Gold im Weitsprung geholt. Mit 8,18 Metern siegte der Leverkusener bei Regen mit 79 Zentimetern Vorsprung vor dem Franzosen Dimitri Pavade. Seine Hoffnung, erneut seinen zwei Monate alten Weltrekord anzugreifen (8,62) oder weiter zu springen als der Grieche Miltiadis Tentoglou bei dessen Olympiasieg (8,41) erfüllten sich aber nicht. Der weiteste Sprung - der letzte - war am Mittwoch ungültig.

Seit seinem internationalen Debüt bei der WM 2011 ist Rehm nun 15 Mal im Weitsprung bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei Paralympics gestartet und hat immer Gold geholt. Der 34-Jährige hatte außer Konkurrenz auch bei den Olympischen Spielen starten wollen. Sein Start war aber trotz Normerfüllung vom Leichtathletik-Weltverband abgelehnt worden, der Internationale Sportgerichtshof Cas hatte dies bestätigt.

Schwimmen: Doppelgold in nur sechs Minuten: Taliso Engel und Elena Krawzow haben den deutschen Schwimmern bei den Paralympics in Tokio einen goldenen Abend beschert. Welt- und Europameister Engel siegte über 100 m Brust in Weltrekordzeit von 1:02,97 Minuten und verwies David Henry Abrahams (USA) mit knapp anderthalb Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz. Bereits im Vorlauf am Morgen hatte der sehbehinderte 19-Jährige in 1:03,53 Minuten in der Startklasse SB13 die alte Weltbestzeit geknackt.

Auch Krawzow ließ der Konkurrenz über die gleiche Distanz keine Chance. Die 27-Jährige gewann bei den Frauen in der Startklasse SB13 nach einer starken Aufholjagd in 1:13,46 Minuten und krönte sich nach Silber in London und einem enttäuschenden fünften Platz in Rio erstmals zur Paralympics-Siegerin. Es waren die ersten deutschen Goldmedaillen der Schwimmer seit London 2012, in Rio hatte es keinen Triumph gegeben.

Engel schaffte gleich bei seiner ersten Teilnahme den Sprung auf den Thron. Trotz seines Weltrekordes im Vorlauf hatte er sich mit Kampfansagen zurückgehalten. "Ziel ist immer noch eine Medaille. Hauptsache irgendeine Medaille, welche ist mir im Moment relativ egal", sagte er. Es wurde Gold und das mit einer Fabelzeit von mehr als sechs Zehntelsekunden unter dem alten Weltrekord.

© SZ/dpa/sid/and/tblo
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