Olympiabewerbung 2024:Berlin droht ins Hintertreffen zu geraten

Doch nicht nur auf dieser großen sportpolitischen Linie, sondern auch auf der konkreten Ebene des Wettkampfes zwischen Hamburg und Berlin hakt es. Neben der generellen Zustimmung zu einer Olympia-Bewerbung beschloss der DOSB in Dresden auch den weiteren Zeitplan: Im Februar soll es noch einmal eine repräsentative Umfrage in beiden Städten geben, die letzten Erhebungen hatten Zustimmungswerte von 48 (Berlin) beziehungsweise 53 Prozent (Hamburg) ergeben. Am 16. März will das Präsidium eine Empfehlung formulieren, am 21. März sollen die DOSB-Mitglieder auf einer außerordentlichen Versammlung in Frankfurt am Main dieser Empfehlung zustimmen. Laut Hörmann soll die Umfrage "sehr, sehr, sehr" entscheidend sein für die Wahl; manchen Beteiligten stößt sauer auf, dass eine Meinungsumfrage unter ein paar Tausend Personen einen solchen Stellenwert erhält.

Die Mitglieder sind zudem irritiert über die geplante Vorauswahl durchs Präsidium: Wenn es schon ein Jahr lang diesen Wettkampf-Charakter zwischen den Städten gibt, den viele für unnötig halten, der aber von der DOSB-Spitze so initiiert wurde, dann wollen die Delegierten am Ende wenigstens wählen können. DOSB-Präsident Hörmann sagte dazu: "Wir können keinem Mitgliedsverband verbieten, Anträge zu stellen. Ob das dann sinnvoll ist, ist etwas anderes."

Im internen Wettkampf droht dabei Berlin etwas ins Hintertreffen zu geraten. Zwar punktet die Hauptstadt mit ihrer internationalen Bekanntheit sowie mit der Unterstützung diverser Spitzenverbände und Landessportbünde. Dafür wirkt die Lobbyarbeit der Hamburger gerade etwas überzeugender; und zudem heißt es, dass die DOSB-Spitze in Hamburg das Risiko für ein Nein bei dem versprochenen Bürgerbegehren als geringer ansieht.

Gute Nachricht für die Strippenzieher

Zum Thema Bürgerbegehren wiederum gab es für die Strippenzieher des DOSB am Wochenende eine gute Nachricht. Das IOC teilte mit, dass die Abgabe der Bewerbung nicht wie bisher kommuniziert und analog zum gewohnten Verfahren im Herbst 2015 erfolgen muss, sondern erst im Januar 2016. Das klingt nach einer kleinen redaktionellen Änderung, hat aber zufälligerweise weitere Auswirkungen. Bei einem Bewerbungsschluss irgendwann zwischen September und November hätte das Bürgerbegehren relativ zeitnah zur Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 stattfinden müssen - wo nur noch die Autokraten-Regimes China (mit Peking) und Kasachstan (mit Almaty) im Rennen sind.

Dass unter dem unmittelbaren Eindruck einer solchen Kür die Antipathien gegenüber dem IOC in kritischen Milieus wie Hamburg oder Berlin nicht abnehmen würden, ist absehbar. Indem die Anmeldefrist für die Spiele 2024 nun verlängert wird, sind die deutschen Sportmacher deutlich flexibler mit der Datierung des Bürgerentscheids. Und können hoffen, dass er dann stattfindet, wenn die Entscheidung über die Frage Peking oder Almaty vielleicht nicht mehr gar so unmittelbar wirkt.

© SZ vom 08.12.2014
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