Beachvolleyball-Duo Wickler/Thole:Keine Panik bei fast 40 Grad

Beachvolleyball-Duo Wickler/Thole: Julius Thole baggert den Ball aus dem Sand.

Julius Thole baggert den Ball aus dem Sand.

(Foto: Loic Venance/AFP)

Clemens Wickler und Julius Thole erreichen unter schwierigen Umständen das Olympia-Achtelfinale. Sie sind angekommen in diesem Turnier, weil sie mit den Gegebenheiten und mit Rückschlägen gelassen umgehen.

Von Jürgen Schmieder

Clemens Wickler und Julius Thole hätten durchaus nervös werden können im ersten Satz gegen das japanische Duo Ishijima/Shiratori. 13:12 stand es nur noch, der DJ im Shiokaze Park spielte tatsächlich das Lied einer Band, in deren Name der Begriff "Panik" vorkommt. Statt Panic at the Disco hätte es Panik im Sand geben können - doch das tat es nicht. Wickler und Thole blieben gelassen, grinsten selbst nach Fehlern, und am Ende, da gewannen sie diese wichtige Partie souverän mit 21:16, 21:11. Sie haben damit als Gruppenzweite das Achtelfinale im Beachvolleyball erreicht und gehen der Play-In-Situation (Gruppendritte mit schlechterer Bilanz spielen um die verbliebenen Plätze in der K.o.-Runde) aus dem Weg.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl, bei unseren ersten Olympischen Spielen gleich im Achtelfinale zu stehen. Das ist richtig cool", sagte Thole in der Mixed Zone. "Wir sind jetzt im Achtelfinale und haben nicht viel Kapazität frei, um uns auf mehr zu konzentrieren. Damit fahren wir nicht schlecht", so Thole.

Eins der wichtigeren Dinge, die einen das Leben so lehrt - neben der Tatsache, dass die Liebe ein seltsames Spiel ist und alles Streben letztlich nur Haschen nach dem Wind: keine Panik. Die meisten Dinge sind nun mal so, wie sie sind, es wäre völlig unsinnig, sich aufzuregen oder sich überhaupt Gedanken zu machen. Thole und Wickler haben genau diese Einstellung verinnerlicht.

Über die fehlenden Zuschauer in Tokio sagt Wickler: "Wir haben keinen Vergleich, also wissen wir nicht, was wir verpassen." Über die schwierige Vorbereitung wegen Verletzungen: "Katastrophenjahr, aber hilft ja nichts." Und über die Niederlage zu Beginn des olympischen Turniers: "Da mussten wir uns halt ein bisschen aufrappeln."

Sie hatten ja tatsächlich befürchtet, früh auszuscheiden. Gegen das italienische Duo Nicolai/Lupo, Silbermedaillen-Gewinner 2016 in Rio, hatten sie knapp (21:19, 19:21, 13:15) verloren, deshalb standen sie gegen das polnische Team Kantor/Losiak, gegen das sie in vier Partien vier Mal verloren hatten, bereits unter Druck. Sie gewannen nach nervösem Beginn mit 22:20, 21:15; Wickler sagte danach: "Wir hatten an der Niederlage im ersten Spiel definitiv zu knabbern. Wir haben aber gezeigt, dass wir mental und körperlich auf der Höhe sind. Es hat Spaß gemacht." Also: keine Panik, locker bleiben.

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Seit 2018 spielen die beiden zusammen, ein Jahr später gewannen sie WM-Silber in Hamburg; 2021 dagegen war für sie bislang, wie Wickler sagte, "ein Katastrophenjahr". Im März wurde sein Blinddarm entfernt; als er genesen war, zog sich Thole einen Bänderriss im Fußgelenk zu. Sie sind deshalb nicht so eingespielt, wie sie das gern wären - aber Rückschläge können natürlich auch motivieren. Es hilft dem deutschen Duo, dass der olympische Zeitplan in dieser Disziplin außergewöhnlich luftig ist, Thole nach Partien regenerieren kann und sie nun den Umweg über das Play-In vermieden haben.

Thole blockt mit seinen 2,06 Metern - Wickler ist der Wühler

Sie sind ein ungleiches Paar, so wie übrigens auch Julius Brink und Jonas Reckermann, Olympiasieger 2012 in London, ein ungleiches Paar gewesen sind. Der 2,06 Meter große Thole gibt den Blocker am Netz, Wickler dagegen ist auf dem Platz der Wusler und Wühler. Aber, und das war auch bei dieser Partie gegen Japan zu sehen: Sie sind nicht festgenagelt auf den Positionen und können Gegner mit improvisierten Aktionen auch mal verblüffen. So wie im ersten Durchgang, als Wickler eben nicht für den größeren Thole auflegte, sondern mit dem zweiten Kontakt direkt übers Netz schmetterte. Oder im zweiten Satz, als sich Thole hin und wieder zurückfallen ließ bei Angriffen der Gegner.

Thole, 24, und der zwei Jahre ältere Wickler sind nun so richtig angekommen in diesem Turnier. Die Hitze in Tokio (das Thermometer neben dem Netz zeigte knapp 40 Grad) scheint ihnen nicht viel auszumachen - sie können nichts dagegen tun, also nehmen sie es hin und gehen damit um. Sie können, auch das ist bedeutsam bei diesem Turnier, bei dem Wickler tatsächlich 16 Favoriten ausgemacht hat (und Experten nicht viel weniger genannt hatten), im Achtelfinale am Montag nicht auf ein Team treffen, das die Gruppenphase als Erster beendet. Der Gegner steht noch nicht fest, wohl aber die Einstellung des deutschen Teams.

© SZ/schm
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