Olympia-Stadt Rio de Janeiro Miami Beach am Zuckerhut

In Rio gibt es bereits zwei große Golfplätze. Die Anlage des Golfclubs Itanhangá beispielsweise, die laut "Golf Digest" zu den hundert besten außerhalb der USA zählt. Sie liegt etwa zwanzig Autominuten vom künftigen olympischen Dorf entfernt. Trotzdem hat die Stadt Rio offenbar nie ernsthaft in Erwägung gezogen, Itanhangá für den olympischen Wettbewerb zu nutzen. Es musste unbedingt in Barra de Tijuca ein neues Grün entstehen. Dort, wo ohnehin die meisten olympischen Wettbewerbe stattfinden. Das wundert nicht nur die organisierten Olympiagegner.

Es wundert aber ein bisschen weniger, wenn man bedenkt, dass Barra einer der am schnellsten wachsenden Stadtteile Rios ist. Eine Art Miami Beach am Zuckerhut. Ein Traum für Grundstücks- und Immobilienspekulanten. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Zunft ist der italienischstämmige Pasquale Mauro. Er startete einst als Bananenhändler in Rio. Heute, knapp 90 Jahre alt, gehört ihm angeblich halb Barra, unter anderem der Golfplatz. Und die Spötter sagen, Mauro sei der erste Olympiasieger von 2016.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, ob Bürgermeister Paes daran beteiligt war, dass das ehemalige Naturschutzgebiet Marapendi verfassungswidrig in Baugelände umgewandelt wurde, und ob es Mauro zum Discountpreis überschrieben wurde. Der Unternehmer hat angeblich 60 Millionen Reais investiert, rund 20 Millionen Euro. Als Bauland dürfte das knapp 100 Hektar große Gelände, auf dem auch Luxuswohnungen entstehen sollen, aber ein Vielfaches davon wert sein. Mauro wird vorgeworfen, im Gegenzug den Wahlkampf von Bürgermeister Paes finanziert haben.

Der Biologe Mello meint: "Wir haben es hier mit zwei offensichtlichen Verbrechen zu tun, mit einem an der Umwelt und einem am Steuerzahler." Er spricht von "mafiösen Strukturen."

Eduardo Paes hat sich dieser Tage öffentlich so verteidigt: Es gebe nun mal einige Dinge, die man tun müsse, wenn man Olympische Spiele ausrichten wolle. Und neuerdings gehöre eben auch der Bau eines Golfplatzes dazu. Dass Golf in Brasilien nicht einmal eine Randsportart ist, das sieht auch der Bürgermeister ein. Gerade deshalb befürwortet er ja den Deal, den er als "Public Private Partnership" bezeichnet. Immerhin müsse auf diese Weise kein öffentliches Geld verwendet werden, um den Rasen zu pflegen.

Wasser wird allerdings verwendet - und das ist auch ein knappes Gut in Rio. Die Stadt erlebt gerade eine der gravierendsten Trockenperioden seit Jahren. Anwohner angrenzender Bezirke beschweren sich, dass bei ihnen stundenlang nichts aus dem Hahn kommt. Ihr Wasser liefern Tanklaster an. Der Golfrasen aber ist besonders durstig. Die Aktivisten von Ocupa Golfe behaupten, dass dort täglich etwa 1,5 Millionen Liter versprenkelt werden. An der Avenida des las Américas haben sie auch ein Banner aufgehängt mit der Aufschrift: "Es gibt Wasser für Golf, aber nicht für die Bevölkerung." An der Stelle wird besonders oft gehupt.