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Olympia:Olympia als Werbeplattform

Es könnten zwei Modelle sein, die nebeneinander funktionieren, ohne sich in die Quere zu kommen. Anna und Lisa Hahner sind nicht schnell genug, um in der erweiterten internationalen Spitze mitzulaufen. Aber dann kam in diesem Jahr die Geschichte mit der Marathon-Norm dazu. Die Hahners waren eigentlich zu langsam, um nach DLV-Maßstäben in Rio starten zu dürfen. Der deutsche Verband setzte aber die Norm höher, als er zwingend gemusst hätte.

Das hat er schon immer so gemacht, weil er auf eine sogenannte "Endkampf-Chance" des Athleten besteht und die geforderte Marathon-Zeit dann im Verhältnis etwa an die Zeiten im Hürdenlauf anpasst. In dieser Disziplin muss man sich bei den Spielen im Gegensatz zum Marathon über Vorläufe für das Finale, den Endkampf, qualifizieren. Andere Länder sind da nicht so streng. Das führte dann zum Beispiel zu der Situation, dass beim Berlin-Marathon der Regensburger Philipp Pflieger zeitgleich mit einem Belgier ins Ziel lief, der Belgier freute sich über die Rio-Qualifikation. Pflieger nicht. Er und Julian Flügel, der in der gleichen Situation war, drohten, dagegen zu klagen und am Ende wurde die Norm aus verschiedenen Gründen (große Empörung, neue Doping-Enthüllungen, angedrohte Klage) runtergesetzt. Der DLV musste Pflieger, Flügel, Scherl und eben die Hahners für Rio nominieren.

Und natürlich nutzten die Hahner-Zwillinge Olympia, um für sich zu werben. Auf ihrer Facebook-Seite, ihrem Hauptmitteilungskanal, inszenierten sie ihr Training für die olympischen Spiele, sie präsentierten ihre Sponsoren, auch zwei Tage vor dem Marathon hatten die Zwillinge noch einen großen PR-Termin mit Fotoshooting und Film-Aufnahmen. Dann liefen sie den Marathon zu langsam, trabten aber mit einem Zahnpasta-Lächeln über die Ziellinie - und dem DLV platzte der Kragen.

Bei Olympia dürfe "die PR-Strategie nicht über den Interessen" einer Nationalmannschaft stehen, sagte Kurschligen. Ihre Zeit von 2:45,32 Stunden begründeten sie unspezifisch. "Kleine Wehwehchen entwickeln sich über die Dauer zu Beschwerden und irgendwann gewöhnt man sich an die Schmerzen", stand im Eintrag auf ihrer Facebook-Seite. Indirekt schrieben sie zur Kritik von Funktionären und auch von anderen Sportlern wie ihrer Laufkollegin Sabrina Mockenhaupt, die ihnen vorwarf, nicht authentisch zu sein: "Wir wollen euch an unseren Lauferlebnissen teilhaben lassen. Alle, die kein Interesse daran haben, dürfen die Seite gerne disliken."

© Sz.de/fued/mane
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