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Olympia:Begleitschutz auch für ARD-Mann Seppelt

In diesem Milieu spielt ein Vorgang, der Beobachter in Rio "fassungslos" (Clemens Prokop, Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes) macht. Am Donnerstag teilte die Wada Stepanowa mit, dass Hacker in das Adams-Meldesystem (Anti-Doping Administration and Management System) der Weltagentur eingedrungen seien - um nur einen Account zu öffnen: den der Whistleblowerin. Kurz zuvor hatten die Stepanows bemerkt, dass auch ihre persönliche E-Mail gehackt worden war.

Im Adams-System sind ihre Aufenthaltsdaten und Bewegungsmuster gespeichert, damit sie stets für Dopingtests erreichbar ist. Adams sei ein Weg, um sie aufzuspüren, sagte Stepanowa Montagabend in einem Videogespräch. Sie hätten "Angst, gerade um unseren kleinen Sohn. Falls uns etwas zustößt, sollte jeder wissen, dass es kein Unfall war". Sie hätten Vorsorge getroffen, das Kind käme bei Freunden unter.

Stepanowa klagt an, das IOC habe "sich nie für unsere Situation und Beweggründe interessiert". Witali Stepanow sieht "das IOC auf Seiten der korrupten russischen Funktionäre, wir haben wenigstens Wada und IAAF". Die Flucht geht also weiter, die Stepanows haben ihren Aufenthaltsort verlassen. In ihrem Umfeld heißt es, ein persönlicher Begleitschutz sei für die kleine Familie veranlasst worden. Rund um die Uhr bewacht wird in Rio übrigens auch der ARD- Reporter Hajo Seppelt, der Stepanowas Beichte 2014 publik gemacht hatte.

Die neue Wendung im Fall Klischina verdankt sich den anhaltenden Ermittlungen des unabhängigen Wada-Inspektors Richard McLaren. Der Kanadier hatte Enthüllungen des ebenfalls in die USA geflohenen Leiters der Anti-Doping-Labore in Moskau und Sotschi gegengecheckt und einen Bericht erstellt, der ein staatlich orchestriertes Systemdoping in Russland "jenseits allen Zweifels" darlegt. Dabei wurde mit Experten auch eine von Rodschenko dargelegte Praxis überprüft, wie versiegelte Dopingproben russischer Sportler geöffnet, mit neutralem Urin befüllt und wieder verschlossen wurden.

Das Prozedere, das der russische Geheimdienst erfunden haben soll, konnte über Kratzspuren in den Glasbehältern nachgewiesen werden. Seitdem werden kontinuierlich eingelagerte Proben russischer Athleten überprüft; dabei fielen auch zwei Proben Klischinas auf. Ein DNA-Abgleich soll überdies ergeben haben, dass der eingefüllte Urin in einer Probe von zwei Personen stammen soll.

Ist Sportminister Mutko verwickelt?

Die Grundlage, um Klischina als einzige Russin in Rio starten zu lassen, wäre mit diesem Befund entfallen. Indes befand das Cas-Schnellgericht, sie habe nachgewiesen, dass sie im "relevanten Zeitraum" außerhalb Russlands getestet worden sei - dies sei das Zulassungskriterium der IAAF gewesen, die auch in Rio nicht die Probenbehälter vorzeigen konnte. Zu den Vorwürfen im McLaren-Report, auf die sich das IAAF-Verbot stützte, oder zur Authentizität der manipulierten Proben, die von der WM 2013 in Moskau und einem Trainingstest stammen sollen, äußerte sich der Cas nicht; seine Begründung steht aus.

Sollten manipulierte Klischina-Proben vorliegen, für ihren Rio-Start aber irrelevant sein, wäre dies erneut ein pro-russisches Signal. Die IAAF erwog am Montag, ein Dopingverfahren gegen Klischina zu eröffnen. Fahnder McLaren ließ eine SZ-Anfrage zu Klischina unbeantwortet. Jedoch sichte sein Stab nun auch das Material, das eine Verwicklung des russischen Sportministers Mutko in die Staatsaffäre beträfen. Das habe er dem Ethikkomitee des Fußball-Weltverbands Fifa mitgeteilt, das die Akte anfordert; Mutko sitzt auch im Fifa-Vorstand. Laut McLaren soll er einen Dopingfall im Fußball vertuscht haben.

Zur Frage der Herausgabe der Akte teilt der Kanadier mit: "Wir müssen das Material prüfen und danach entscheiden, was wir machen." Seine Skepsis gilt offenbar auch den Ethikgremien der Verbände. Das IOC setzte einen Stab unter dem Franzosen Guy Canivet ein, der McLarens Schlussreport aufarbeiten soll. Canivet ist Vize-Chef der IOC-Ethiker, die Stepanowa die ethische Eignung für Rio absprachen. In bemerkenswerter Linientreue.