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Olympia:Hacker im Account von Julia Stepanowa

Athletics - European championships - Amsterdam

Auf der Flucht: Julia Stepanowa.

(Foto: Michael Kooren/Reuters)

Die Doping-Kronzeugin aus Russland benötigt Begleitschutz, in ihrem Wada-Account ist ihr Aufenthaltsort hinterlegt. Die Familie hat "Angst, gerade um unseren kleinen Sohn".

Wieder beherrscht Russland die Debatten bei den Spielen in Rio. Die Staatsdoping- Affäre und der Umgang damit bekommen endgültig Züge eines Krimis - mit beklemmenden Folgen für eine der Beteiligten, die Whistleblowerin Julia Stepanowa. Am Wochenende wurden in Rio alarmierende Vorgänge um die zwei einzigen russischen Leichtathletinnen bekannt, die hier hätten starten sollen: Weitspringerin Darja Klischina und eben Stepanowa. Letztere hatte mit weitreichenden Enthüllungen zum Staatsdoping in der Heimat Ermittlungen in Gang gesetzt, die zum Ausschluss aller russischen Leichtathleten in Rio durch den Weltverband IAAF führte.

Ausnahme: Klischina, die seit 2013 in den USA trainiert und daher nicht unter den Kollektiv-Bann fiel. Doch am Samstag entzog die IAAF Klischina das Sonderstartrecht, auch gegen sie liege jetzt ein Dopingverdacht vor. Am Montag allerdings hob der oberste Sportgerichtshof Cas diesen Bann wieder auf, Klischina darf nun doch starten.

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Das Urteil ist so undurchsichtig wie der ganze Fall. Stepanowa traf es schlimmer. Sie musste mit Mann und Kind aus Russland fliehen, tauchte erst in Europa unter, dann in den USA. Zur Ikone der globalen Dopingbekämpfung wurde sie, als das Internationale Olympische Komitee sie fallen ließ. Obwohl Stepanowa startberechtigt ist und Empfehlungen der IAAF und der Anti- Doping-Agentur Wada für die Teilnahme in Rio hatte, schlug sich das IOC unter Thomas Bach auf die Seite der Kreml-Politik.

Die sieht in der Whistleblowerin eine Verräterin. Über einen bizarren Prozess durch seine hausinterne Ethikkommission ließ der Ringe-Clan die Aufklärerin sperren: Stepanowa sei "ethisch ungeeignet" für Olympia, sie habe einst ja selbst im russischen Betrugssystem gesteckt.

Gewichtheber-Dopingtrainer aus Kasachstan jubelt in Rio

Ethisch weitaus geeigneter als die Whistleblowerin sind nun allerlei Dopingsünder, die in Rio das Publikum beglücken und nie Aufklärung betrieben haben; vorbestrafte Russen und Chinesen, aber auch Leute wie Kasachstans Gewichtheber-Coach, der es allein auf rund 20 gedopte Athleten bringt. Zuletzt wurden vier Hebern des Landes die Goldplaketten von London 2012 aberkannt; bei Nachtests wurden sie entlarvt. In Rio legte der Supertrainer jetzt mit dem nächsten Senkrechtstarter, Nijat Rachimow, einen Freudentanz auf die Matte. Der 22-Jährige verbesserte den 15 Jahre alten Weltrekord im Stoßen. Für die deutsche Equipe um Bundestrainer Oliver Caruso ist Rio längst zur Farce geworden.

Stepanowa hielt dem Ethik-Verdikt des IOC ein Cas-Urteil entgegen: Olympische Nachbestrafungen für Athleten, die ihre Sperre verbüßt haben, sind unzulässig. Das IOC konterte trickreich mit einem angeblichen Formfehler, der ihr bei der (auf Französisch mit Russisch-Übersetzer abgehaltenen) Anhörung unterlaufen sei.

Olympia Das IOC will Stepanowa verhindern - egal wie
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Der Internationale Sportgerichtshof entscheidet, dass auch russische Ex-Doper bei Olympia starten dürfen. Der Whistleblowerin Julia Stepanowa wird das kaum helfen.   Von Thomas Hummel

Seitdem havariert der Bach-Verband in einem Sturm der Empörung von Betrugsbekämpfern sowie großen Teilen der Athleten und der Öffentlichkeit. Stepanowas Ausschluss konnte er nie nachvollziehbar begründen. Dies und die freihändigen Beschlüsse zugunsten eines starken russischen Rio-Kontingents werden zum Menetekel für die Ära des Ringe-Chefs, auch der deutsche Innenminister Thomas de Maizière sieht die olympische Bewegung als "nicht unerheblich" beschädigt, wie er dem sid sagte.