Olympia:«Dumm gelaufen»: Keine Medaillen für Slalom-Kanuten

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Rio de Janeiro (dpa) - Auch die letzten Joker der deutschen Slalom-Kanuten stachen in Rios Wildwasserkanal nicht. Zwei vierte Plätze, aber keine einzige Medaille - die erfolgsverwöhnten Stangen-Paddler haben bei den Olympischen Spielen ihre eigenen Ziele verfehlt.

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Rio de Janeiro (dpa) - Auch die letzten Joker der deutschen Slalom-Kanuten stachen in Rios Wildwasserkanal nicht. Zwei vierte Plätze, aber keine einzige Medaille - die erfolgsverwöhnten Stangen-Paddler haben bei den Olympischen Spielen ihre eigenen Ziele verfehlt.

Nach den Podestanwärtern Sideris Tasiadis und Hannes Aigner paddelten am Donnerstag die Weltmeister Franz Anton und Jan Benzien im Canadier-Zweier ebenfalls knapp an einer Medaille vorbei. Die Weltmeister aus Leipzig mussten sich wie tags zuvor Aigner mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Europameisterin Melanie Pfeifer kam im Kajak-Einer der Frauen nicht über Rang sieben hinaus.

„Das ist dumm gelaufen“, bilanzierte Verbandschef Thomas Konietzko, der ursprünglich zwei Plaketten in den vier Disziplinen als Ziel ausgegeben hatte. „Wir dürfen nicht drumherum reden: Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, leider nicht erreicht“, befand er. Über Gold jubelten am letzten Slalom-Wettkampftag stattdessen andere: bei den Canadiern die Cousins Ladislav und Peter Skantar aus der Slowakei, bei den Kajak-Frauen die Spanierin Maialen Chourraut.

Ein kleiner Fehler an Tor 22 kostete Anton und Benzien die mögliche Medaille, nachdem die beiden Sachsen zuvor bei der Zwischenzeit noch vorn gelegen hatten. „Es war ein einziges Tor, wo wir die Drehung nicht gut hinbekommen haben und schlecht weggekommen sind“, schilderte Benzien enttäuscht. Das ist schon bitter, da drei Sekunden zu verlieren.

Noch im Halbfinale hatten die beiden die Gesamt-Bestzeit aufgestellt und ihre hohen Ambitionen unterstrichen. Auch im Endlauf lief es bestens - bis zum letzten Aufwärtstor. „Ich dachte, dass es trotz des Fehlers vielleicht noch zum zweiten oder dritten Platz reicht“, sagte Benzien. Doch das war nicht der Fall, am Ende fehlten etwas mehr als drei Zehntelsekunden zu Bronze. Bei Pfeifer fielen die Zeitunterschiede deutlicher aus. „Ich habe überall so ein kleines bisschen verloren“, haderte die Augsburgerin später.

Spätestens seit ihrem Weltmeistertitel vergangenes Jahr auf der Olympia-Strecke von 2012 in der Nähe von London zählen Benzien und Anton zur Weltspitze, doch mit dem größten Erfolg ihrer Karriere konnten sie sich in einem historischen Rennen nicht belohnen: Es war nämlich der letzte olympische Slalom-Wettkampf der Canadier-Zweier.

Nach dem Rio-Großereignis wird die traditionsreiche Wildwasser-Disziplin aus dem olympischen Programm gestrichen und zugunsten der Geschlechtergerechtigkeit durch einen weiteren Frauen-Wettbewerb ersetzt. Der „Gender equality“ haben sich sowohl der Kanu-Weltverband ICF als auch das Internationale Olympische Komitee unterworfen - somit müssen möglichst gleich viele Männer- und Frauenwettbewerbe innerhalb einer Sportart ausgetragen werden.

„Da nimmt man natürlich auch Abschiedsschmerz bei den Sportlern wahr“, hatte der deutsche Verbandschef Konietzko im Vorfeld gesagt. „Die Sportler wissen, dass sie ein historisches Rennen vor Augen haben.“ Anton hatte von einem „Kindheitstraum“ gesprochen, der mit der Olympia-Teilnahme in Rio in Erfüllung gehe. „Jahrelang habe ich drauf hingearbeitet, jetzt hab ich's geschafft.“ Nur das Happy End blieb aus.

Jetzt liegt es an den Rennkanuten, die Bilanz des Verbandes noch aufzupolieren. Insgesamt haben sich die Paddler acht Plaketten in den 16 Kanu-Disziplinen vorgenommen.

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