Olympia:Der Chinese Sun Yang wird auf offener Bühne angefeindet

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Lilly Kings Freude über den Sieg in ihrem ersten großen Finale war offensichtlich. Im Ziel würdigte sie Jefimowa, die direkt neben ihr geschwommen war, keines Blickes. Stattdessen wandte King sich der Bronze-Gewinnerin zu, ihrer Landsfrau Catherine Meili. Die beiden herzten sich ausgiebig und innig. So ausgiebig und innig, dass es wie eine absichtliche Geste aussah: Wir halten zusammen!

Und Michael Phelps, der Dominator der Sportart, sagte an Jefimowa gerichtet: "Das ist gegen alle Werte des Sports und das kotzt mich an."

Doch auch Jefimowa konnte sich auf ihre Unterstützer verlassen. "Wir stehen zu Julia, egal wie es ausging", twitterte die russische Tennisspielerin Swetlana Kusnezowa, da waren die Haare der Schwimmerin noch nicht trocken. Die Reihen schließen sich also. Die Gräben werden größer. Die Risse, die die Schwimmwelt durchziehen, sie wurden noch größer in dieser Nacht.

Sun Yang ist ebenfalls ein wenig umjubelter und höchst umstrittener Sieger. Im Mai 2014 war er bei den chinesischen Meisterschaften mit der Stimulanz Trimetazidin erwischt worden. Nicht so schlimm, fand der chinesische Schwimmverband. Er sperrte Sun Yang gerade einmal für zwölf Wochen.

Doch schlimm, findet der Australier Mack Horton. Bevor er Sun Yang am Samstag über 400 Meter Freistil auf den Silber-Rang verwies, nannte er den Gegner einen "Doping-Betrüger" - "weil er positiv getestet wurde". Seitdem läuft Sun Yang nicht nur mit einer Akkreditierung durchs Olympic Aquatics Stadion, sondern auch mit einem wenig schmeichelhaften Etikett.

Nicht so viele Pfiffe wie gegen Jefimowa

Horton hat angedeutet, dass ihm das durchaus bewusst war. Dass er es durchaus beabsichtigte, den Rivalen abzustempeln. Horton findet, es sei endlich an der Zeit, dass Missstände offen angesprochen werden. Lilly King findet das auch. Sie ist der Meinung, wer einmal erwischt wurde, sollte nie mehr starten dürfen.

Auf den Tribünen sitzen offenbar auch nicht wenige, die sich das wünschen. Sun Yang erntete zwar nicht so viele Pfiffe wie Julia Jefimowa, aber herzlich war der Empfang für ihn auch nicht. Was er nicht ganz verstehen kann. Auf die Frage, ob es ihn ansporne, als "Betrüger" bezeichnet zu werden, antworte Sun Yang: Im Becken konzentriere er sich ausschließlich auf seine Rennen. Generell aber sei er der Meinung: Asiatische Schwimmer sollten einfach mehr respektiert werden.

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