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Schwimmen:Staunen über die Schwimm-Rekorde

Swimming - Olympics: Day 2

Schwimmerin Ledecky: 1,9 Sekunden in vier Jahren

(Foto: Getty Images)

Simpel erklären die Schwimmer die neuen Bestleistungen bei den Olympischen Spielen. Selbst Zeiten aus der Hightech-Anzug-Ära sind nicht mehr sicher.

Schon nach 50 Metern war das Rennen gelaufen, was bei einem Olympiafinale über 400 Meter Freistil dann doch recht früh ist. Die gesamte Zeit über schwamm Katie Ledecky auf Weltrekordkurs, was über 400 Meter Freistil dann doch recht lange ist. Aber so macht man das, will man im Ziel den großen Auftritt für sich haben: Katie Ledecky aus den USA konnte jubeln und staunen, die Arme hochreißen und durchschnaufen, bevor die Zweitplatzierte Jazz Carlin überhaupt an der Beckenwand anschlug. Sie hatte den Weltrekord gebrochen, war in 3:56,46 Minuten fast zwei Sekunden unter der alten Bestmarke, aufgestellt im August 2014. Damals von: einer gewissen Katie Ledecky.

Die Schwimmwettbewerbe dieser Olympischen Spiele haben sich früh zu einem Ereignis entwickelt, bei dem ein Goldmedaillengewinner fast ein kleines Manko trägt, wenn er ohne das Kürzel "WR" neben seinem Namen auf der Anzeigetafel ins Ziel kommt - "World Record" oder eben: Weltrekord. Gleichermaßen beginnt das Staunen über die Flut an Rekorden: Sollte so eine historische Marke nicht etwas Besonderes sein, das nicht ständig umgeschrieben wird? In Rio sieht es mit den Weltrekorden so aus: Gleich am ersten Tag gab es drei, danach bald weitere. Wie kann das sein?

Das Wichtigste zu Olympia 2016 in Rio

"Weil es die Olympischen Spiele sind", erklärte Katie Ledecky: "Jeder versucht, sein Bestes zu geben." Nach der WM 2013 habe sie sich mit ihrem Trainer ein Ziel gesetzt, das sie in den nächsten vier Jahren erreichen wollte. Das Ziel lautete: eine Zeit von 3:56 Minuten. Das glückte ihr nun. Der Sprung, der damit verbunden ist, ist allerdings gewaltig. Von 3:58,37 auf 3:56,46 - das sind 1,91 Sekunden. Derlei hat es über diese Strecke seit 1976 nicht mehr gegeben, als die DDR-Schwimmerin Petra Thümer ihrer Landsfrau Barbara Krause den Weltrekord abjagte. Thümer räumte später ein, im Zuge des DDR-Staatsdopingsystems leistungssteigernde Mittel bekommen zu haben.

Der Zweifel schwimmt mit

Die Vergangenheit bietet Anlass für Zweifel. Die Protagonisten wollten unmittelbar nach ihren Rekorden nicht in die Details gehen. Adam Peaty, der über 100 Meter Brust erst im Vorlauf (57,55 Sekunden) und dann im Finale (57,13) noch einmal Weltrekord schwamm, sah es wie Ledecky: "Wir versuchen, mit unserer Leistung voranzukommen", sagte der Brite, "und dann fallen die Weltrekorde."

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(Foto: Süddeutsche Zeitung)

Der Reflex greift schnell, bei diesen hochpolitischen Spielen auch beim Schwimmen Schlimmstes zu vermuten. Der Zweifel schwimmt mit, vor allem wenn Weltrekorde angegriffen werden, die aus der Zeit der Hightech-Anzüge stammen. Nach 2009 glaubten viele, sehr lange keine Weltrekorde mehr zu sehen.

Damals purzelten bei den Weltmeisterschaften in Rom an einem Tag schon mal sechs Höchstmarken. Die Erklärung fiel dann so simpel wie offensichtlich aus: Die erlaubte Badeklamotte verschaffte den Athleten so viel Auftrieb, dass sie fast gar nicht anders konnten, als schnell zu schwimmen. Von 2010 an verordnete der Weltverband Fina die Rückkehr zur klassischen Badehose.