Olympia:Die Risse in der Schwimmwelt werden noch größer

Olympia: Das Lächeln der einsamen Silber-Gewinnerin: Julia Jefimowa.

Das Lächeln der einsamen Silber-Gewinnerin: Julia Jefimowa.

(Foto: Gabriel Bouys/AFP)

Julia Jefimowa holt Silber, Sun Yang gewinnt Gold: Beiden haftet das Etikett des Dopings an, beide werden von anderen Schwimmern heftig kritisiert.

Von René Hofmann, Rio de Janeiro

Die Nacht zum Dienstag war eine denkwürdige Nacht für den Schwimmsport. Es war die Nacht, in der bei den Olympischen Spielen in Rio der Sieger über 200 Meter Freistil gekürt wurde und die Siegerin über 100 Meter Brust.

Der Sieger über 200 Meter Freistil heißt Sun Yang, ist 24 Jahre alt und kommt aus China. Die erste Frage, die ihm nach dem Erfolg gestellt wurde, lautete: "Spornt es Sie noch mehr an, dass Sie ein 'Doping-Betrüger' genannt werden?"

Das Wichtigste zu Olympia 2016 in Rio

Die Siegerin über 100 Meter Brust heißt Lilly King. Einer der ersten Sätze der 19 Jahre alten Amerikanerin, nachdem sie sich aus dem Pool gezogen hatte, war: Sie hoffe, dass ihr Sieg ein Signal sende, "dass wir sauber antreten und trotzdem gewinnen können". Der Satz zielte direkt auf die Zweitplatzierte.

Die Zweitplatzierte über 100 Meter Brust heißt Julia Jefimowa. Sie kommt aus Russland. Und sie darf bei diesen Spielen starten, obwohl sie im Oktober 2013 mit dem Steroid Dehydroepiandrosteron erwischt worden war, danach mit dem seit Anfang 2016 verbotenem Mittel Meldonium auffällig wurde und obwohl sie mit dem russischen Staatsdoping-Programm in Verbindung gebracht wird.

Drei dunkle Spuren in der Biografie reichten nicht, um sie auszuschließen. Jefimowa klagte sich nach Brasilien. Der Internationale Sportgerichtshof Cas gewährte ihr eine späte Eintrittskarte. Und in der Nacht zum Dienstag kam es zum Showdown.

Dass sie zuverlässig ausgepfiffen wird, ficht Jefimowa äußerlich kaum an

Bereits nach dem Halbfinale hatte es gekracht. Als Jefimowa im Ziel freudig den Zeigefinger in die Luft gereckt hatte, lief King gerade an einem TV-Monitor vorbei. Als sie die Geste ihrer Rivalin sah, reckte sie ihren Zeigefinger ebenfalls in die Luft und sagte: "Du hebst den Finger für die Nummer eins, dabei bist du mit Doping erwischt worden. Ich bin kein Fan von dir." Viele Fans hat Jefimowa in Rio offenbar eh nicht. Bei ihren Auftritten gibt es zuverlässig Pfiffe. Aber äußerlich ficht das Jefimowa kaum an. "Ich bin glücklich, hier zu sein. Ich denke nur von Rennen zu Rennen." Mit dieser Einstellung zog sie ins Finale ein.

Als sie das als Zweite beendet hatte und ihr Dutzende kritische Fragen gestellt wurden, kamen ihr dann doch die Tränen. Trotzdem sagte sie: "Ich bin einfach nur glücklich, hier zu sein. Vor einer Woche wusste ich noch nicht, ob ich antrete. Weil ich Russin bin." Es klang wie eine Klage gegen eine ungerechte Diskriminierung. Eine recht eigenwillige Deutung.

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