Olympia-Bewerbung:Auf ins nächste Scheitern

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Olympia-Bewerbung: Düstere Symbiose: Eine der jüngsten deutschen Olympiabemühungen für die Spiele 2024 in Hamburg und Kiel (im Bild der Kieler Rathausturm) scheiterte an einem Referendum.

Düstere Symbiose: Eine der jüngsten deutschen Olympiabemühungen für die Spiele 2024 in Hamburg und Kiel (im Bild der Kieler Rathausturm) scheiterte an einem Referendum.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Und die Sommerspiele 2036 gehen nach ... Katar? Jedenfalls eher nicht nach Deutschland. Es ist bitter, wie sich der Sport trotz so vieler gescheiterter Versuche gerade ins nächste Olympia-Abenteuer stürzen.

Kommentar von Johannes Aumüller

Also, erste Nachricht von der Olympia-Front: Deutschland ist wieder Olympia-Bewerber. Das heißt, so richtig offiziell noch nicht. Im DOSB-Sprech heißt es ja: Nach einem einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung beginnt ein Prozess, in dem abgeklopft wird, ob, und falls ja, wann und mit wem man sich eine Kandidatur vorstellen könne, um nach einem erfolgreichen Referendum im Herbst 2024 eine offizielle Kandidatur beim IOC einzureichen. Oder so ähnlich. Frei übersetzt: Deutschland hätte gerne die Sommerspiele 2036.

Und damit zur zweiten Nachricht von der Olympia-Front: Auch Katar ist Olympia-Bewerber. Das heißt, richtig offiziell auch nicht. Aber nicht von ungefähr forcieren geneigte Kreise das Thema gerade. Seit zwei Jahrzehnten wird an der Bewerbung gebastelt. Jetzt lässt sich die Fußball-WM als Erfolg verkaufen, organisierter Sport und weltpolitische Realität stehen an der Seite der Gas-Autokratie. Dass noch einmal, wie in den Nullerjahren, in Jacques Rogge ein IOC-Präsident das Ansinnen rechtzeitig stoppt, ist ausgeschlossen. Der aktuelle Ringe-Chef Thomas Bach war erst im Frühjahr beim Emir. Anschließend jubelten Katars Vertreter, der Olympia-Traum sei näher als je zuvor.

Einmal Hände hoch, wer an Deutschland als Ausrichter der Spiele 2036 glaubt? Und die Gegenprobe: Wer glaubt an Katar als Ausrichter?

Der deutsche Sport hat in der olympischen Welt erfahren, wie gering sein Stellenwert ist

Es ist bitter zu sehen, wie sich das berüchtigte "Sportdeutschland" gerade ins nächste Olympia-Abenteuer stürzt. Sieben Anläufe sind gescheitert, der letzte erst im Vorjahr, doch es geht schon wieder los. Erst das "Heimspiel" gewinnen (die eigene Bevölkerung überzeugen), dann das "Auswärtsspiel" (das IOC gewinnen), lautet die Devise. Man weiß gar nicht, welches dieser beiden Unterfangen absurder erscheint.

Das Publikum hat zuletzt zweimal Nein gesagt zu Spielen, zu München 2022 wie zu Hamburg 2024. Das war in Zeiten, als noch nicht Energiekrise und Inflation die politische Agenda beherrschten. Jetzt passt eine Olympia-Bewerbung (mitsamt ihren hohen Kosten) noch weniger ins Bild - übrigens, abseits der kritischen Gesamtgesellschaft, auch nicht im eigentlichen Sportbereich. An der Basis bangen Vereine um ihre Existenz, und der DOSB? Investiert ordentlich in eine Stabsstelle für Olympia. Was sich seit den Neins aus dem Volk hingegen nicht geändert hat: das fragwürdige Gebaren des IOC, ein Kernargument für die Ablehnung.

In der olympischen Welt wiederum hat der deutsche Sport erfahren, wie gering sein Stellenwert ist. Das ist eher kein Zufall, denn jahrzehntelang waren deutsche Interessen in der Ringe-Welt gleichbedeutend mit dem Karriereplan des Thomas Bach - der, so ein Zufall, wirklich IOC-Boss wurde. Auch wäre spätestens im Zuge der internationalen Werbekampagne nicht mehr darstellbar, wie der DOSB vermitteln will, warum es just 100 Jahren nach den Nazi-Spielen von Berlin wieder deutsche Sommerspiele geben sollte. Jeder katarische (oder sonstige) Rivale wäre zu Recht empört. Die Goldmedaille in der Disziplin "gescheiterte Olympiabewerbungen" macht Deutschland so schnell keiner streitig.

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