Deutsche Hockeyfrauen:"Wir machen es unnötig spannend"

Hockey - Olympics: Day 5

Nike Lorenz steht mit dem deutschen Hockey-Team im Viertelfinale.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die deutschen Hockeyfrauen erreichen gegen Irland das Viertelfinale - doch das Spiel wird nach einer 3:0-Führung unerwartet zu einer echten Prüfung.

Von Jürgen Schmieder

Erfreut, verzückt, beruhigt - und erleichtert. Das waren die Reaktionen der deutschen Hockeyfrauen bei der Partie gegen Irland, und sie deuten an, wie dieses Spiel gelaufen ist. Sie waren in der zehnten Spielminute in Führung gegangen, durch eine feine Einzelleistung von Lisa Altenburg, die eine Gegnerin überlief und dann den Ball von Kreisrand aus argentinisch, also gegen die Laufrichtung, ins rechte untere Eck schlug. Sie hatten die zunächst fahrige Partie danach weitgehend dominiert und im zweiten Spielabschnitt mit einem zauberhaften Treffer erhöht: Kira Horn hatte schön in den Strafkreis auf Cécile Pieper gespielt, und die lenkte den Ball mit einer leichten Berührung ins Tor.

Im dritten Viertel dann berechtigter Siebenmeter nach einer Strafecke: Altenburg verwandelte sicher, die Partie schien gelaufen, das Viertelfinale vorzeitig erreicht - doch das stimmte nicht.

"Die Irinnen sind ganz schwer zu greifen, spielen extrem unorthodox, sehr physisch", hatte Pieper vor diesem Spiel gesagt, und das zeigte sich von Mitte des dritten Viertels an, als die deutschen Frauen den Gegnerinnen ein klein wenig mehr Raum und viel mehr Zeit ließen. Die Irinnen sind bekannt für solche Aufholjagden und kleine Hockey-Wunder, 2018 zum Beispiel wurden sie, damals auf Platz 16 der Weltrangliste geführt, WM-Zweite. Sie waren nun also plötzlich am Drücker und kamen durch Treffer von Elena Tice und Hannah McLoughlin (jeweils nach einer Strafecke) auf 2:3 heran, und auf einmal wurde ein Spiel, das längst entschieden war, zu einem echten Test.

Nächste Gegnerinnen sind Südafrika und die Niederlande

"Es gab zu viele Ecken gegen uns. Wir machen es dadurch unnötig spannend, lassen Irland zu leicht wieder ins Spiel kommen", sagte Bundestrainer Xavier Reckinger danach. Pia Maertens ergänzte: "Wir haben zu viel zugelassen und denen zu viele Ecken gegeben, welche sie zwei Mal auch gut angeführt haben. Es spricht für unsere Defensive, dass wir immer noch kein Feldtor zugelassen haben."

Es gibt solche Momente, gerade bei Turnieren mit einer Gruppenphase, die können den weiteren Verlauf einer Veranstaltung entscheidend prägen. Die Hockey-Männer zum Beispiel zogen aus der Aufholjagd nach verpenntem Start gegen Belgien die Kraft, die überaus knifflige Partie gegen Großbritannien mit 5:1 zu gewinnen und wieder zu den Favoriten auf eine Medaille zu gehören. Die Frauen hatten ihre erste Partie gegen Großbritannien gedreht und 2:1 gewonnen, danach hatten sie Indien mit 2:0 besiegt - und nun gab es diese Prüfung gegen die immer forscher und galliger agierenden Irinnen.

Um es kurz zu machen: Sie bestanden diese Prüfung, weil sie das Spiel wieder an sich rissen und durch einen schönen Treffer von Franzisca Hauke nach einer Strafecke den 4:2-Sieg sicherten. Es war ihnen aber deutlich anzumerken, wie erleichtert sie danach waren, dass sie diese 3:0-Führung nicht verschenkt hatten.

Nach drei Siegen in drei Spielen sind die deutschen Frauen fürs Viertelfinale qualifiziert, die Partien gegen Südafrika (Freitag) und die Niederlande (Samstag) dienen der Setzliste für die K.-o.-Runde - und natürlich weiteren Tests. Oder, wie Trainer Reckinger sagt: "Wir haben jetzt mit Südafrika einen Vorrundengegner, dem wir vermutlich überlegen sein werden, und mit dem Top-Favorit Niederlande einen, der uns Fragen stellen wird und wo wir unsere Abwehr und Aufbauspiel noch mal deutlich verbessern können und müssen." Klingt nach einer optimalen Vorbereitung fürs Viertelfinale.

© SZ
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