Olympia 2010: Curling:Der Herr der Besen

Andreas Kapp, 42, Kapitän der deutschen Curling-Nationalmannschaft und Tiefkühlkostgroßhändler über den Lärm in der Curling-Halle und Wischbefehle.

Michael Neudecker

SZ: Herr Kapp, das olympische Curling-Turnier ist eine Woche alt. Wie hat's Ihnen - mal abgesehen von den sportlichen Resultaten - bisher gefallen?

Olympia 2010: Curling: Zwischen Schrubbern: Curling-Kapitän Andreas Kapp.

Zwischen Schrubbern: Curling-Kapitän Andreas Kapp.

(Foto: Foto: AFP)

Kapp: Gut! Die Halle ist sagenhaft, da geht die Post ab. Und es sind viele Junge im Publikum, das ist toll, normalerweise hat man im Curling eher ältere Zuschauer. Das Eis ist auch gut, nur die Steine sind gewöhnungsbedürftig. In manchen Sets sind unterschiedliche Steine, da haben wir manchmal noch Probleme.

SZ: Es heißt, manche Spieler hätten sich über die Lautstärke in der Halle beschwert, die mit 5600 Zuschauern immer ausverkauft ist.

Kapp: Für manche ist das sicherlich ungewohnt. Wir haben schon öfter in Kanada bei Weltmeisterschaften gespielt, da sind zwischen 5000 und 14.000 Zuschauer drin, und da geht die Halle halt mal hoch, wenn Kanada gewinnt. Das musst du akzeptieren, du kannst ja nicht 5000 Leuten sagen, hey, seid mal leise.

SZ: Brauchen Sie beim Curling Ruhe?

Kapp: Normalerweise sollte es schon ruhig sein, wenn man sich konzentriert, erst wenn der Stein gespielt ist, kann es laut werden. Aber hier schauen halt 90 Prozent der Leute auf die Bahn, auf der Kanada spielt, und schreien dann, egal, was auf anderen Bahnen passiert. Deswegen muss man immer ein Auge auf Kanada haben, ob da jetzt gleich die Halle hochgeht oder nicht, und dann wartet man vielleicht noch zehn Sekunden.

SZ: Fußballer oder Eishockeyspieler brauchen die Anfeuerung ihrer Fans. Wie ist das bei Ihnen?

Kapp: Anfeuerung brauchen wir eigentlich nicht. Aber es ist schon angenehm, wenn ein Stadion tobt. Es macht einfach mehr Spaß, wenn die Halle scheppert, und du stehst da auf dem Eis.

SZ: Stimmt es, dass Sie sich wegen des Lärms oft per Handzeichen verständigen?

Kapp: Ja, klar, manchmal hört man sich einfach nicht. Allerdings macht das überhaupt nichts, es gibt manchmal auch Turniere, bei denen man keine Stimme mehr hat, weil man schon so viel geschrieen hat, dann muss man das auch per Handzeichen machen.

SZ: Was schreien Sie da eigentlich?

Kapp: "Ziag fescht", also "zieh fest" auf allgäuerisch. Das ist sozusagen der maximale Wischbefehl. "Hoo" heißt Stopp, "Sauber" bedeutet Bahn sauber machen, also Wischen ohne Druck. Und "Ganz weg" heißt gar nicht wischen. Dann gibt es noch "Alles!", das ist noch mehr als "Ziag fescht", das heißt, alles reinlegen ins Wischen, was geht. Und die Jungs ackern da schon was weg, die üben 30 bis 50 Kilo Druck auf den Besen aus. Das hört sich jetzt blöd an, aber Sie brauchen nur mal in der Küche 20 Minuten durchzuwischen, das ist anstrengend.

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