Nowitzki-Kinofilm "Der perfekte Wurf" Ewiger Azubi

Sein nahezu perfekter Wurf hat Dirk Nowitzki berühmt gemacht - am 18.9. kommt nun ein Film über den Würzburger in die Kinos.

(Foto: dpa)

Eine Doku über den Basketballer Dirk Nowitzki, der sich selbst für "langweilig" hält? Aber ja doch. Der Film von Regisseur Sebastian Dehnhart erzählt die erstaunliche Heldengeschichte eines Ausnahmesportlers, der seine Berühmtheit noch immer nicht ganz fassen kann.

Von Jonas Beckenkamp

Irgendwann zielt Dirk Nowitzki dann doch mal daneben. Sein nahezu perfekter Wurf prallt von einer wackeligen Korbanlage ab. Der Mann, der sonst im Glitzerlicht der NBA tausendfach Bälle versenkt, versucht es immer wieder. Plong, Zong, Boing. Die Decke ist so niedrig, dass gar keine richtige Flugkurve möglich ist, der Ball knallt gleich elf Mal in Serie vom Ring zurück. Der Schauplatz könnte skurriler nicht sein: eine winzige Turnhalle in einer Schule in Würzburg und lauter Türen, durch die der 2,13-Meter-Riese kaum hindurchpasst.

"Alles genau wie damals", wundert sich Nowitzki - und wenn Filmaufnahmen Gerüche transportieren könnten, würde man merken: Es müffelt streng nach Jungsumkleide in diesen vier Wänden. Die Kamera begleitet den gebückten Basketballer beim Besuch in seiner alten Schule, hier war er bestimmt seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Möglich gemacht hat die Visite der Regisseur Sebastian Dehnhart (bekannt durch einen Klitschko-Film von 2011), der sich mit seinem Team zwei Jahre lang an Nowitzkis Fersen geheftet hat.

Barack Obama sorgt für Lacher

Entstanden ist mit "Der perfekte Wurf" eine Kino-Doku, die eine erstaunliche Heldengeschichte erzählt: Wie es ein dürrer Lulatsch mit einer "goofy" Frisur (O-Ton Barack Obama - ja, auch Mr. President himself hat einen kurzen Part) zum weltweit bekanntesten, aktiven Sportler dieses Landes brachte.

Die größte Schwierigkeit bestand für die Filmemacher darin, Nowitzki überhaupt für ihr Projekt zu gewinnen. Der 36-Jährige aus Würzburg ist kein Typ für Homestorys oder Promigekasper, solche Auswüchse an öffentlicher Privatheit sind ihm suspekt. Regisseur Dehnhart sagt: "Er hat zunächst zurückhaltend reagiert, weil er überhaupt nicht verstehen konnte, dass jemand einen Film über ihn machen will."

Basketball Berlin statt Kiew
Neuvergabe der Basketball-EM 2015

Berlin statt Kiew

Das gab es zuletzt 1993: Berlin wird 2015 die Spiele einer Gruppe der Basketball-EM austragen. Die Ukraine hatte sich als Veranstalter zurückgezogen, nun erhalten auch Kroatien, Lettland und Frankreich die Zugabe. Dirk Nowitzki könnte wieder ins Nationaltrikot schlüpfen.

Er sei doch eher "langweilig", hat Nowitzki schon öfter wissen lassen, er gehe in die Halle und spiele Basketball, dann ginge er wieder nach Hause. Warum also eine Kinoproduktion, eine Betrachtung seines ordinären Lebens als Trainingsbesessener? Die Antwort: Weil er damit natürlich untertreibt. Uninteressant wirkt sein Werdegang für die Zuschauer bei weitem nicht - und so ist dem Filmteam hoch anzurechnen, dass man den zurückhaltenden Schlaks überhaupt zum Mitmachen überreden konnte. Eine Schlüsselrolle spielte dabei sein Mentor Holger Geschwindner. Er war es letztlich, der für einen ausgiebigen Blick hinter die Sportkulisse mehrere Alltagstreffen in Kamerabegleitung einfädelte.

Überhaupt, Geschwindner. Der Mann, der Nowitzki als Basketballer und Persönlichkeit formte, nimmt in der ersten Hälfte der Geschichte fast mehr Raum ein als sein einst jugendlicher Schützling. Aus den eigenen Erfahrungen des 69-Jährigen stammt die Erkenntnis: "Basketball ist Jazz." Untermalt werden solche Verrücktheiten von alten Aufnahmen, die den herrlich aus der Zeit geplumpsten Guru im Holzfällerhemd zeigen, umgeben vom dribbelnden Nowitzki. In einer dieser miefigen Turnhallen - und aus einem Ghettoblaster dudelt tatsächlich Jazzmusik, die den Rhythmus vorgibt.

Geschwindners große Rolle

Später werden Wegbegleiter erzählen, dass Geschwindner "drüben" anfangs wie ein "verrückter Professor" daherkam. Dass er jedoch schon nach kurzer Zeit durch die Hochsicherheits-Welt der NBA-Hallen flanierte, ohne je eine Akkreditierung zu besitzen. Nowitzkis Weg dorthin lässt sich kaum ohne seinen Lehrmeister nachempfinden, und es gelingt der Doku verblüffend gut, die Beziehung zwischen dem Tüftler und dem Talent zum Leben zu erwecken. Die beiden verbinde so etwas wie "Telepathie", wundert sich sogar Nowitzkis Ehefrau Jessica, die aus dem Privatleben ihres Mannes berichtet.

Basketball

Dircules' größte Momente

Zu den Stärken von "Der perfekte Wurf" zählen genau diese Erzählungen von Familienmitgliedern (Eltern, Schwester, Cousin), Freunden, ehemaligen Mitspielern (u. a. Vince Carter, Michael Finley, Jason Kidd) und Trainern, aus denen durchweg riesige Anerkennung spricht. Voller Vertrauen stellen die Protagonisten unabhängig voneinaner fest, was "der Dirk" für ein feiner Kerl ist. Und man muss es ihnen irgendwie glauben. Eine sympathischere Berühmtheit von globalem Rang wird auf diesem Planeten kaum zu finden sein - auch das vermittelt dieser Film.