Novak Djokovic:Es gilt 1G

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Novak Djokovic: Wäre auch in New York ein Favorit auf den Titel gewesen: Novak Djokovic.

Wäre auch in New York ein Favorit auf den Titel gewesen: Novak Djokovic.

(Foto: Javier Rojas/dpa)

Novak Djokovic verpasst die US Open, weil er ungeimpft nicht in die USA einreisen darf. Die Regelungen sind zwar mindestens fragwürdig - aber trotzdem ist es richtig, keine Ausnahme zu machen.

Kommentar von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Novak Djokovic wird nicht an den US Open teilnehmen; er darf nicht in die USA einreisen, weil er nicht gegen Corona geimpft ist. Es ist, wie es ist; und es wird heftig debattiert darüber, warum es ist, wie es ist. Am besten fasst es vielleicht ein Twitter-Eintrag von John Millman zusammen. Der australische Tennisprofi ist geimpft gegen Corona, er durfte kürzlich in den USA landen. Dort infizierte er sich, auch wegen, wie er fand, der laxen Regeln bei Abstand und Masken. Er sagte seine Teilnahme am Turnier im mexikanischen Los Cabos ab, im amerikanischen Winston-Salem war er wieder dabei: "Ich weiß, dass es Gesetze gibt", schrieb er, "aber bitte helft mir, das zu verstehen."

Es klingt tatsächlich kompliziert, und deshalb ist wichtig festzustellen, dass sich Djokovic tadellos verhält. Er stehe zu seiner Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, er akzeptiere die daraus resultierenden Konsequenzen, sagte er, auch wenn er gerne dabei gewesen wäre in New York.

Tennisspieler sind Handlungsreisende, sie müssen sich Gesetzen des Landes unterordnen, in dem sie Geld und Weltranglistenpunkte erwirtschaften wollen - wobei sich vortrefflich über Gesetze und Regeln debattieren lässt. So wie man diskutieren konnte, ob es richtig war, russische Tennisprofis nicht in Wimbledon spielen zu lassen. In New York sind sie dabei: anderes Turnier, wenngleich auch ein Grand Slam, andere Regeln. Das führt zurück zu Djokovic.

Es wäre fragwürdig, gäbe es nur für Djokovic eine Ausnahme

Die Amerikaner lassen Ungeimpfte derzeit nur dann ins Land, wenn sie Staatsbürger oder Green-Card-Besitzer sind. Getestet oder genesen - das ist irrelevant; was zählt, ist dieses 1G, und das ist nicht ungerecht Djokovic gegenüber. Viele Staaten haben unterschiedliche Regeln für die Einreise von Staatsbürgern und Ausländern, gerade während der Corona-Pandemie, und mit welcher Begründung ließe sich eine Ausnahme für Djokovic rechtfertigen? Die Belarussin Wiktoria Asarenka konnte kürzlich nicht in Toronto antreten, weil sie kein Visum für die Einreise nach Kanada erhalten hatte. Debatten? Gab's nicht.

Ja, es klingt komisch, dass die geimpfte Green-Card-Inhaberin Asarenka auch dann in die USA hätte einreisen dürfte, wäre sie nicht geimpft; und dass der infizierte Millmann nach kurzer Quarantäne munter durch die USA (Atlanta, Cincinnati, Winston-Salem, New York) kreuzt, während der offenbar kerngesunde Djokovic nicht kommen darf. Fragwürdiger wäre aber, gäbe es nur für Djokovic eine Ausnahme. Man kann über den Sinn dieser Regelung eigentlich nicht streiten - sie wirkt, um es ganz klar zu sagen, unsinnig -, aber es gibt sie nun einmal.

"Wir müssen uns an Regeln halten", sagt Rafael Nadal, "sonst ist die Welt ein Chaos."

Der US-Verband hätte Djokovic spielen lassen, wäre er ins Land gekommen - ohne Impfnachweis und ohne Test. Das war in Wimbledon ähnlich: Der italienische Tennisprofi Matteo Berrettini hätte sich nicht testen müssen - er tat es trotzdem wegen Symptomen und zog zurück. Aus der US-Open-Regel aber eine Einreisegenehmigung für die USA ableiten, wäre naiv und töricht.

Alle Beteiligten haben sich an die Regeln gehalten; es ist niemandem ein Vorwurf zu machen. Der treffendste Satz dazu stammt von Rafael Nadal: "Wir müssen uns an Regeln halten, sonst ist die Welt ein Chaos." Auch wenn es schade ist, dass einer der Besten aus anderen als nur sportlichen Gründen nicht an einem Saison-Höhepunkt teilnehmen darf. Es ist, wie es ist.

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