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Neues Basketball-Team in Hamburg:"Das ist kein FC Rosenkohl"

BASKETBALL: Press Conference Hamburg Towers; Basketball Hamburg Towers

Pascal Roller (li.) und Marvin Willoughby: Wollen Bundesliga-Basketball nach Hamburg bringen

(Foto: Henning Angerer)

Die Hamburg Towers wollen für die kommende Saison mit einer Wildcard in die Basketball-Bundesliga. Vom Projekt FC Bayern grenzen sich die Verantwortlichen allerdings ab. Statt mit Geld eines Großsponsors wollen es die Hamburger mit Jugendarbeit und Emotionen versuchen.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Als Jan Pommer fertig ist, erschrickt er selbst. Wer so schwärmt, könne sich ja "gleich als Pressesprecher der Stadt Hamburg" bewerben, murmelt er. Zuvor hat Pommer die Hansestadt gepriesen, als Tor zur Welt, als kreative, junge und weltoffene Metropole, mit dem Hafen, der Kaufmannstradition, der großen Sportbegeisterung. Da wäre ein Basketball-Erstligist mit Sitz in Hamburg für den Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) eine große Nummer. Neben all den Tübingens, Quakenbrücks und Ludwigburgs, den kleinen Städten eben.

Seit Donnerstag steht fest, dass dies ein realistisches Szenario ist. Die Hamburg Towers haben zu ihrer ersten Pressekonferenz geladen, im Bürgermeistersaal des Rathauses. Der erste Mann der Stadt ist zwar nicht da, dafür der Innensenator Michael Neumann. Außerdem Pascal Roller, 36, und Marvin Willoughby, 35, die sportlichen Köpfe hinter dem Projekt, und die anderen vier Gesellschafter.

Rollers Augen strahlen, seine charakteristische Glatze blitzt. "Es geht endlich los", sagt er. Läuft alles gut, hat Hamburg ab der Saison 2014/15 einen eigenen Basketball-Erstligisten. Erstmals seit zwölf Jahren, als die BC Tigers in der Versenkung verschwanden und alle Versuche, ein neues Team aufzubauen, krachend scheiterten.

Rückblende: Anfang Februar, draußen war es knackig kalt. Roller saß in der Lobby eines Hamburger Hotels und sprach über seine Pläne. Er hatte zu den besten Basketballern gehört, die Deutschland je hatte, ein Aushängeschild für die gesamte Sportart. Nach seinem Karriereende hatte er viel Zeit damit verbracht, Partner zu finden, Gespräche zu führen, mit Investoren, auch mit der Stadt Hamburg. Positive Signale hatte er erhalten, überall. In Hamburg sei gewiss Platz für ein prominentes Basketball-Team, neben Fußball, Handball, Eishockey und all den anderen Sportarten. "Die Frage ist, wann das Projekt kommt. Nicht, ob es kommt", hatte Roller damals gesagt.

Seitdem ist viel geschehen. Eine GmbH wurde gegründet, der Verein angemeldet. Die Towers haben eine eigene Homepage, sogar eine Pressestelle, die hübsche Bewerbungsmappen verteilt. Vieles ist so gekommen, wie Roller es skizziert hatte. Standort der Hamburg Towers soll der südliche Stadtteil Wilhelmsburg sein, wenige S-Bahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Die "Blumenhalle" der Internationalen Gartenausstellung (IGS) wird ab Herbst in eine Basketballarena umgebaut. Ein Hauptsponsor wird noch gesucht, doch der Mindestetat von etwa 1,5 Millionen Euro, um in der Liga seriös mitspielen zu können, stehe bereits. Er könnte auf drie bis vier Millionen Euro anwachsen.

"Wir wollen keine Zuschauer, sondern Fans"

Ein Retortenklub wollen die Hamburg Towers nicht sein. Nicht bloß ein Konzept, das mit viel Geld in eine Stadt verpflanzt wird, nur weil dort gerade eine Halle frei ist. Wilhelmsburg hat eine eigene Basketballtradition samt Stadteilprojekt. Unter der Leitung von Willoughby wurde hier ein Nachwuchs-Bundesligateam aufgebaut, auch gründete er den Verein "Sport ohne Grenzen". Um den Ambitionen Nachdruck zu verleihen, wurde nun Willoughby als zweiter sportlicher Leiter neben Roller installiert. "Das eigentliche Problem ist nicht, ein Bundesligateam zu gründen, sondern es in der Stadt zu halten", sagt Willoughby, auch Roller nickt. Beide kennen sich aus der Nationalmannschaft, sind befreundet. Zehn Prozent des Etats soll künftig in Sozialprojekte und die Jugendarbeit fließen.

Krösus werden die Towers mit diesem Konzept nicht, sicher auch nicht binnen zwei Jahren deutscher Meister. Anders als in München, wo der große FC Bayern viel Geld in den raschen Aufstieg seiner Basketballabteilung steckt. Der Etat könnte dort in der kommenden Saison den zweistelligen Millionenbereich erreichen, der Klub will mit allen Mitteln Meister werden. Für viele in der Liga taugen die Bayern damit automatisch zum bekämpfenswerten Feindbild.

Die Towers haben keinen strahlenden Geldgeber. Der Start-Etat dürfte sich im Liga-Mittelfeld befinden, die Halle gehört - wenn sie fertig umgebaut ist - mit 3500 Zuschauern nicht gerade zu den Tempeln der BBL. Die Stadt soll sich mit den Basketballern identifizieren, viel soll über die Emotion erreicht werden. "Wir wollen keine Zuschauer, sondern Fans", sagt Neumann, der Innensenator, der das Towers-Projekt fördert, wo er kann. Die Spitze an den FC Bayern wurde registriert. Neumann legte später gar nach: "Es ist ein geerdetes Engagement, wächst von unten nach oben. Das ist ja kein Profiraumschiff, das irgendwo landet, kein FC Rosenkohl."

Erst muss die Wildcard her

Pommer, der BBL-Mann, muss die Euphorie natürlich bremsen, das ist sein Job. Eine Wildcard, wie sie die Towers anstreben, gebe es nicht zu verschenken, sagt er. Wird ein Platz frei, etwa weil ein Team sein Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen kann, muss sich Hamburg bewerben, wie jeder andere Klub auch. Wird kein Platz frei, haben die Towers keine Chance. Dann müsste das Team sein Glück zunächst in der Pro A versuchen, der zweiten Spielklasse, wenn nicht gar in der Pro B. Ende Mai 2014 soll Gewissheit bestehen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass zuletzt immer ein oder zwei Vereine aus finanziellen Gründen zurückstecken müssen. Für den Fall würde sich die übrige Liga zusammensetzen und Wildcards vergeben. Klar ist: Die BBL will weiter wachsen, rein in die großen Städte, wo die Zuschauer sind. Hamburg würde perfekt ins Konzept passen, Pommer lächelt. Wird schon klappen, verraten seine Augen. Nur laut sagen darf er das nicht.

© Süddeutsche.de/ebc/bavo

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