Neuer Trainer beim VfB Stuttgart rechnet ab - und holt Zorniger

Auf seine Ideen bauen sie in Stuttgart: Alexander Zorniger.

(Foto: dpa)
  • Nach der knappen Rettung vor dem Abstieg zieht VfB-Sportdirektor Robin Dutt kritisch Bilanz.
  • Die sportlichen Geschicke sollen endlich von Kontinuität geprägt sein.
  • Dafür kommt mit Alexander Zorniger ein Coach, der eine eigene Spielphilosophie mitbringt.

Der Jahrhundertretter Huub Stevens ist weg, der neue Architekt Alexander Zorniger da - und eine beispiellose Zäsur voll im Gange. Nach dem gerade noch vermiedenen Abstiegs-GAU zieht Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart die Konsequenzen aus einer desaströsen Spielzeit und will sich auch mit zahlreichen Personalien ganz neu erfinden - quasi zum VfB 2.0 werden.

Auf einer Pressekonferenz am Pfingstmontag legten Präsident Bernd Wahler, Sportvorstand Robin Dutt sowie die designierten Vorstände Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing und Vertrieb) schonungslos die Defizite offen und kündigten eine Strukturrevolution an. "Wir sind nochmal von der Schippe gesprungen, aber noch immer auf der Intensivstation", sagte Dutt mit Blick auf das erlösende 2:1 beim SC Paderborn am vergangenen Samstag, und fügte an: "Jetzt müssen wir unsere Identität zurückholen."

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Nichts soll deshalb beim VfB bleiben wie es war, der Verein wird einmal auf links gedreht - und im Zentrum aller Rochaden steht Zorniger. Der Ex-Coach von RB Leipzig und gebürtige Württemberger erhält einen Dreijahresvertrag bis 30. Juni 2018. Seine Verpflichtung war über Monate das am schlechtesten gehütete Geheimnis in der schwäbischen Metropole und ein stetiger zusätzlicher Störfaktor im Abstiegskampf.

Als Dutt nun endlich auch offiziell den Namen des 47-Jährigen aussprach, schickte er die größtmögliche Überzeugung hinterher. "Es passt wunderbar zusammen für diesem Aufbruch. Er ist mit seiner Spielidee ganz nahe an dem, was wir uns vorstellen", sagte Dutt, und verdeutlichte: "Der Trainer ist die wichtigste Person." Am 29. Juni soll Zorniger dann erstmals selbst auftreten.

Auch auf der Trainerposition hatte es in der jüngeren Vergangenheit keine Kontinuität gegeben, auch deshalb wurde Huub Stevens zweimal als Retter engagiert. Überhaupt scheint das schwäbische Motto "Schaffe, schaffe, Häusle baue" in den zurückliegenden Jahren ein vergessenes Relikt beim VfB gewesen zu sein, jedenfalls wenn man den Ausführungen von Wahler und Dutt Glauben schenkt.

Schon Wahlers Analyse wurde zur Bankrotterklärung mindestens seines Vorgängers Gerd E. Mäuser: Fehlende Strategie, kein wirklicher Plan, zu langes Festhalten an einzelnen Personen, keine Konzeption im sportlichen Bereich - all das attestierte der Präsident. Der Klub habe sich entfremdet. "Die Fans unterstützen die Mannschaft, nicht den Verein", sagte er. Der VfB habe in Passivität auf "einen Heilsbringer, einen Messias" gewartet.

Was Dutt nachlegte, dürfte dessen Vorgänger Fredi Bobic womöglich die Zornesröte ins Gesicht treiben. Dutt erörtete ein Versagen auf allen Ebenen der sportlichen Verantwortung. Die Kaderplanung der Profis, das Scouting, der Nachwuchs seien falsch gelaufen bzw. vernachlässigt worden. Viele der Spieler, die jetzt aussortiert werden, seien nur schwer auf dem Transfermarkt vermittelbar, so Dutt. "Das ist in einer Transferperiode nicht zu bereinigen", sagte er über die Zusammensetzung der Mannschaft, deren Stützen er möglichst halten will.

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Das dürfte nicht in allen Fällen gelingen. Nationalspieler Antonio Rüdiger soll nach Informationen der Stuttgarter Zeitung von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen. "Wir werden keine acht Rüdigers verkaufen", entgegnete Dutt dazu, der in Zukunft auch bei Transfers auf Teamentscheidungen setzen will. "Er wird keine One-Man-Show mehr geben", machte der 50-Jährige klar, und verkündete als ersten Zugang für das neue Spieljahr den talentierten Außenverteidiger Philip Heise (23/1. FC Heidenheim).

Am neuen VfB sollen überdies mitwirken als Co-Trainer St.Pauli-Legende André Trulsen, der erfahrene Sportpsychologe Philipp Laux von RB Leipzig, Weltmeister und VfB-Ikone Guido Buchwald im Scouting und eine Reihe weiterer neuer Gesichter. Zudem ist offenbar Thomas Hitzlsperger ein Kandidat für den Aufsichtsrat. "Der VfB darf kein warmer Ofen sein, jeder muss den Ofen selbst anheizen", sagte Dutt, der kein zweites Mal eine Saison wie die gerade abgelaufene sehen möchte: "Wir wollen nicht wieder zittern, sondern einen gesicherten Mittelfeldplatz."