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Golden State Warriors in der NBA:Wie tasmanische Teufel

2019 NBA Finals - Game Four

Stephen Curry von den Golden State Warriors musste bis jetzt einiges alleine schultern.

(Foto: AFP)
  • Die Golden State Warriors liegen in der Finalserie der NBA mit 1:3 hinten, haben aber den Glauben an eine Wende noch nicht aufgegeben.
  • Dabei spielen die Raptors - angeführt von einem beeindruckenden Kawhi Leonard - überlegenen Basketball.

Und wenn die Wade von Kevin Durant nicht mehr zwickt und er bereits zur fünften Partie der NBA-Finalserie im Kader der Golden State Warriors steht? Wenn der Oberschenkel von Klay Thompson wegen der beiden spielfreien Tage am Samstag und Sonntag ausreichend heilt, dass er am Montagabend die komplette Partie durchhält? Wenn sich Dauerläufer und Scharfschütze Steph Curry ein paar Tage ausruhen kann? Sollten die Warriors dann nicht ein Comeback schaffen, diese Serie gegen die Toronto Raptors gewinnen und zum dritten Mal nacheinander Meister werden?

Es herrscht eine eigenartige Stimmung gerade in der NBA, seit die Raptors am Freitagabend auch die zweite Partie in Oakland (105:92) gewonnen haben. Sie führen nun in der Best-of-seven-Serie mit 3:1, zwei der verbleibenden Partien würden in heimischer Halle stattfinden. Toronto ist noch einen Sieg davon entfernt, als erster kanadischer Verein die Meisterschaft in der besten Basketballliga der Welt zu gewinnen - und dennoch darf zum Beispiel Curry sagen, ohne dass es nach Durchhalteparole klingt: "Es ist noch nicht vorbei. Jeder von uns glaubt daran, dass wir das noch schaffen können."

Was da gerade los ist, lässt sich am besten mit diesem einen Wort beschreiben, das Joel Embiid bei Twitter veröffentlicht hat. "Regret", schrieb der Center der Philadelphia 76ers, der nach seiner Karriere als Basketballspieler ohnehin eine Laufbahn als Twitter-Komiker anstreben sollte, nach der vierten Partie. Er bereut, dass sein Verein die spannende Viertelfinalserie gegen die Raptors verloren hat, durch einen Wurf in letzter Sekunde der entscheidenden Partie - bei dem der Ball in nur für Physikprofessoren verständlichen Richtungen über dem Korb tanzte, eher er durch den Ring tropfte.

Die Warriors haben den besten Kader der Liga

Embiid schreibt noch ein bisschen mehr: "One hand wash away lmao" - er lacht sich also kaputt darüber, dass er seiner Meinung nach nur ein Händewaschen vom NBA-Titel entfernt gewesen ist. Embiid hatte eine Erkältung geplagt, und seine Einträge implizieren nun zum einen: Wäre ich gesund gewesen, dann hätten die 76ers die Raptors und danach auch die Milwaukee Bucks bezwungen. Und zum anderen: Gegen diese angeschlagenen Warriors würde Philadelphia nun auch 3:1 führen.

"Wir haben das schon mal erlebt, auf der falschen Seite allerdings - warum sollten wir diese Geschichte nicht andersrum schreiben? Wir müssen drei Spiele nacheinander gewinnen, das ist uns schon gelungen", sagt Flügelspieler Draymond Green, auch bei ihm klingt es weniger nach Verzweiflung denn nach Herausforderung, und es stimmt schon: Die Warriors haben den besten Kader der Liga, wenn alle Spieler gesund sind - und deshalb kursieren nun sogar schon Karma-Theorien durch die sozialen Medien: Im Jahr 2016 haben die Warriors im Halbfinale einen 1:3-Rückstand gegen Oklahoma City Thunder (damals noch mit Durant) aufgeholt, dann aber in der Finalserie einen 3:1-Vorsprung gegen die Cleveland Cavaliers verspielt.

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Was wäre das für eine Geschichte, würde Kevin Durant die Warriors zum Comeback führen. Sie glauben daran bei den Warriors, auf unheimliche Weise sind diese Comebacks ein Alleinstellungsmerkmal der Warriors, auch im Mikrokosmos einzelner Spiele: Sie lagen in dieser Saison gegen Ende der ersten Halbzeit häufig deutlich im Rückstand, dann schafften sie vor der Pause ein paar gelungene Aktionen in der Defensive und einige Drei-Punkte-Würfe, kamen aus der Umkleidekabine wie tasmanische Teufel - und führten plötzlich. Beim zweiten Spiel dieser Finalserie zum Beispiel lagen sie 5:16 Minuten vor der Halbzeit mit zwölf Punkten zurück, zur gleichen Zeit im dritten Viertel führten sie mit zwölf.