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Nationalelf vor der Fußball-WM:Ausnahme für Sami Khedira

Und das ist ja auch das Signal, das von der überraschenden Nominierung des Debütanten-Quartetts Lasogga (HSV), Hahn (Augsburg), Ginter (Freiburg) und Mustafi (Sampdoria Genua) für das Chile-Spiel ausgehen soll: Kandidaten gibt es genug, Löw ist auf kaum jemanden angewiesen. "Die Uhr tickt", sagt er, "und nur der, der sie hört, wird eine Chance haben. Die Zeit bis zum Turnier wird für die Spieler mindestens genauso hart wie das Turnier selbst."

Um dies deutlich zu machen, habe er auch noch einmal mit den meisten telefoniert, die gegen Chile nicht dabei sind. Dazu zählt durchaus Prominenz, die unter Nutzung des General-Arguments der Schonung derzeit nicht im Kader steht: Hummels, Reus, Gomez, Draxler, Höwedes, Adler, Kruse. Auch der Leverkusener Lars Bender fällt wegen einer Muskelverhärtung aus und wurde von Löw am Montag zurück zu seinem Klub geschickt. Jeden, der nach Brasilien wolle, habe er aufgefordert, "vermehrt an sich zu arbeiten". Er erwarte, dass jeder alles für seine persönliche Fitness tue, sagt er und fügt in bester Herbergsvater-Tonlage an: "Ich erwarte auch eine professionelle Lebensführung!" Offenbar hat Löw in punkto Freizeitgestaltung zuletzt einiges missfallen, seine Andeutungen präzisierte er nicht, allerdings: "Ich werde die Spieler auch ein bisschen überwachen!"

Pressekonferenz mit Joachim Löw

Energisch in Stuttgart: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Vom Primat der uneingeschränkten Fitness hat sich Löw unter dem Bereit-wie-nie-Poster am Mittwoch allerdings offiziell verabschiedet. Namentlich gilt die Ausnahme aber nur für Sami Khedira. Der hatte sich im November im Länderspiel gegen Italien (1:1) einen Kreuzbandriss zugezogen, der ihm soeben erst wieder den Einstieg ins Lauftraining erlaubt. "Wir brauchen Spieler, die hundertprozentig fit sind. Es gibt aber auch Spieler, die 80 oder 90 Prozent fit sind, und trotzdem einen Mehrwert für die Mannschaft bringen."

Eine Hintertür, wie Löw sie für Khedira, den Zentralspieler von Real Madrid, offen hält, würde er nur wenigen öffnen, wohl aber auch dem derzeit in München langsam wieder Tritt fassenden Bastian Schweinsteiger oder einem Veteranen wie Miroslav Klose. Der steht schon allein deshalb unter Artenschutz, weil er zur seltenen Spezies der klassischen Mittelstürmer zählt. Am Sonntag hat er für Lazio Rom passen müssen, die Bauchmuskulatur ist gereizt, trotzdem ist Klose nach Stuttgart angereist.

Aufs erste Bereit-wie-nie-Poster hat es der 35-Jährige nicht geschafft, die Werber beschwören im Bild den Sturm und Drang der Jugend. Ein Freifahrtschein, das hat Löw deutlich gemacht, ist das nicht. Wer es aufs Poster geschafft hat, ist noch längst nicht in Brasilien.