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Nachwuchsakademie in Salzburg:Jedes Training wirft Daten ab

"Es fehlt den Spielern hier an nichts", sagt Rangnick. Er führte am Wochenende Journalisten durch das Gebäude, durch Zimmer, Krafträume, Erholungsbäder. Immer wieder betonte er, dass all der Schnickschnack, all die modernste Technik, nicht ausschlaggebend sei. "Entscheidend sind die Menschen", sagte er. Im Hintergrund schien Sonnenlicht durch das Glasdach auf einen Pinienbaum im Treppenhaus. Jugendliche schlenderten in Trainingsanzügen aus der verglasten Kantine über den Parkettboden im Flur, feixten. Nach Fabrik soll es hier nicht aussehen. Aber wie nennt man es sonst, wenn ein Unternehmen Millionen ausgibt, um zu produzieren, was die Zukunft seines Kerngeschäfts werden soll?

Nein, um Marketing ginge es Dietrich Mateschitz nicht, sagt Rangnick. Der studierte Fußballlehrer hat am Wochenende auch die Beweggründe seines Chefs erklärt, für das Projekt in Liefering rund 50 Millionen Euro zu bezahlen, laufende Kosten ausgenommen: "Herr Mateschitz will jungen Menschen eine Top-Ausbildung ermöglichen. Wenn er ein paar Dosen mehr verkaufen wollte, würde er es anders machen."

Kein Marketing also. Dabei geht es Dietrich Mateschitz, dem geheimnisvollen Herrscher des Brause-Imperiums, eigentlich immer und ausschließlich um Marketing: 1,5 Milliarden Euro hat der Konzern aus Fuschl am See zuletzt dafür ausgegeben, knapp eine Milliarde Euro im Sport. Marketing ist längst die Disziplin, für die Red Bull den Großteil seiner Ressourcen bereitstellt.

Viermal im Jahr wird über Zukunft entschieden

Die Akademie ist natürlich eine Investition in die Zukunft vieler Jugendlicher, die in Salzburg perfekte Bedingungen vorfinden. Doch die Jugendlichen sollen vor allem zu neuen Brausemarkenbotschaftern werden, zur sportlichen Elite, mit roten Bullen auf der Brust.

Dabei wird nichts dem Zufall überlassen: Bevor ein Spieler aufgenommen wird, muss er neben sportlichen auch psychologische Tests bestehen, außerdem wird das familiäre und soziale Umfeld durchleuchtet. Wer einmal da ist, wird ständig evaluiert, jede Trainingseinheit wirft Daten ab. Viermal im Jahr soll eine Leistungsdiagnostik stattfinden, danach wird in Absprache mit den Trainern entschieden, ob Sportler und Unternehmen noch eine gemeinsame Zukunft haben.

"Wenn man Leistung entwickeln will, geht das nur mit Informationen", sagt Rangnick: "Wir können gar nicht genug Informationen haben." Dass Informationen viel Geld kosten, spielt keine Rolle. In Leipzig wird gerade die nächste Akademie gebaut, für rund 35 Millionen Euro.

© SZ vom 09.09.2014/ska/odg
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