bedeckt München

Bundesliga:DFL argumentiert: Anderswo ist es noch schlechter

Dazu muss man sagen, dass die Europa-League-Teilnehmer bisher am Sonntag eigentlich ganz gut spielen konnten und zwei Tage Regeneration zwischen zwei Spielen durchaus zumutbar sind. Den Amateurfußball als Begründung zu nennen, wirkt ein wenig unglaubwürdig, weil DFL und Deutscher Fußball-Bund (DFB) über geheime Zusatzvereinbarungen im sogenannten Grundlagenvertrag den Amateuren vermutlich Millionen von Euro vorenthalten haben. Selbst die Staatsanwaltschaft Frankfurt stellte fest, dass da Absprachen "zu Lasten des Amateurfußballs" getroffen wurden. Und die drei Spiele weniger? Da kommt es auf den Vergleichszeitraum an. Es stimmt, im vergangenen Jahr gab es drei Englische Wochen. In der Saison davor aber nur zwei.

Die Aussage, dass kommerzielle Gründe nicht entscheidend seien? Nun, wenn es kein Geld bringen soll, warum macht man es dann?

Vor Kurzem erschien eine sehenswerte Dokumentation in der ARD mit dem Titel "Ultras". Darin interviewen die Filmemacher unter anderem Ultra-Fans von Dynamo Dresden und vom VfB Stuttgart, aber auch DFL-Chef Christian Seifert kommt zu Wort. Er sagt: "Wir sind die Top-Liga in Europa mit den wenigsten Anstoßzeiten". Das stimmt. In Spanien gibt es für zehn Spiele zehn verschiedene Anstoßzeiten. Aber in dieser Doku hört sich die Argumentation schon anders an. Da sagt Seifert nicht: Wir tun euch was Gutes. Sondern: Seid froh, anderswo ist es noch schlechter.

Damit hat er gleichwohl recht. Überhaupt muss man sagen, dass die DFL natürlich nicht der Bösewicht ist, sondern schlicht der Dachverband, der die Interessen der Klubs vertritt. Und Christian Seifert hat keinen leichten Job. Auf der einen Seite mit der Premier League mithalten wollen und auf der anderen Seite Fan-Interessen bewahren - das ist nicht so einfach. Aber der DFL-Chef sagt in der Dokumentation auch: "Dreimal hintereinander die Champions League gewinnen oder Messi und Ronaldo sind schon bessere Verkaufsargumente, als zu sagen: Bei uns sind aber auch die Choreographien schön."

Und damit zurück zu den Fanprotesten. Denn das Montagsspiel ist ein Symbol für die Richtung, die der Fußball nimmt. Und die Richtung nimmt auf den Ultra-Fan wenig Rücksicht. Wenn man sehr zynisch wäre, könnte man fragen: Warum auch? Ein Auswärtsfan bringt kaum Geld, weil er Stehplatzkarten kauft. Im Gegenteil, er kostet Geld, weil die Bundespolizei ihn in Zügen durch die ganze Republik begleiten muss. Eine eigene Meinung hat er auch noch. Und wenn er die kundtut, dann passt das nicht in das Vermarktungskonzept. Da ist der Fernsehzuschauer schon angenehmer.

Die Ultras sehen diese Entwicklung und wehren sich dagegen. Sie sind die Verlierer in diesem Spiel. Sie argumentieren mit der Stimmung, mit der Gemeinschaft, mit der Fußball-Kultur, mit ihrer integrativen Arbeit. Das sind gute Argumente, aber eben auch Argumente, die schlecht monetarisiert werden können. Die Entscheidung, wie sich der Fußball in Deutschland in Zukunft entwickelt, ist auch eine Entscheidung zwischen Fernseh-Geld und Fan-Liebe. Und man hat so eine Vermutung, wie sie ausfallen wird.

© SZ vom 18.02.2018/jbe
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema