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Mont Ventoux bei der Tour de France:"Setzt mich wieder auf das Rad"

Tom Simpson

Der britische Radrennfahrer Tom Simpson ließ 1967 am Mont Ventoux sein Leben.

(Foto: dpa)

Wenn die Fahrer der Tour den Teufelsberg Mont Ventoux besuchen, werden sie keinen Blick haben für die Gedenktafel kurz vor dem Gipfel. Der Brite Tom Simpson starb hier 1967 - aufgeputscht mit einem Drogencocktail. Aus der Tragödie hat der Sport sehr wenig gelernt.

Es ist jetzt wieder richtig heiß, der Sommer hat sich endlich eingerichtet in Frankreich. Die Provence glüht, so wie damals, als sie zu einem traurigem Symbol des Sports wurden. Der Berg, der Mont Ventoux. Und Tom Simpson.

Ihre Geschichte, die in Wahrheit eine Tragödie ist, ist nicht neu. Zum 15. Mal seit der Premiere 1951 besucht die Tour de France an diesem Sonntag den Mont Ventoux, zum neunten Mal ist er das Ziel einer Bergankunft. Das ist recht wenig für das vielleicht stärkste Symbol, das diese Veranstaltung zu bieten hat, die sehr lange eine fatale Romantik beschwor, viel zu lange: bis heute.

Man könnte fast meinen, das Rennen habe häufig verschämt einen Bogen gemacht um den Koloss, diese 1900 Meter über dem Meer gelegene Geröllhalde, die der Mistral umweht und die aus der Ferne so friedlich aussieht. Aber beim Jubiläum, bei der 100. Tour gehört ein Symbol dazu, obwohl die Organisatoren sicherlich bei der Streckenplanung die faszinierenden Bilder sich verausgabender Fahrer im Sinn haben und weniger die schaurige Todesfratze von Tom Simpson.

Die Profis werden keinen Blick haben für die Gedenktafel, die an Tom Simpson gemahnt; sie steht 1,5 Kilometer vor dem Gipfel, dort, wo er am 13. Juli 1967 sein Leben ließ: der erste und bis heute einzige Drogentote der Tour. Im offiziellen Streckenplan der 15. Etappe von Givors zur 1882 errichteten Wetterstation ist die "Stele Tom Simpson" nicht vermerkt. Aber vielleicht werden die Veranstalter, wird der stets geschäftige Tour-Direktor Christian Prudhomme seine rote Limousine kurz am Wegesrand parken und Blumen niederlegen, wie neulich im Portet-d'Aspet, wo der Italiener Fabio Casartelli 1995 bei der Abfahrt zu Tode stürzte. Jahre später führte der Radsport, auch wegen des Symbols Casartelli, die Helmpflicht ein.

Im heißen Tourjuli 2013, in dem ja weiterhin Misstrauen vorherrscht, jetzt gerade besonders gegenüber einem Landsmann von Simpson, dem Gesamtführenden Christopher Froome, gibt es da aber immer noch diese Frage: Wofür starb Tom Simpson? Wenn doch mit ihm endgültig auch die Mär starb von den tollen Männern, die sich allein mit Muskelkraft und Wasser durchs Hochgebirge kämpfen -und der Betrug weiterhin floriert, wie anzunehmen ist, nur etwas unsichtbarer?

Der 13. Juli 1967, ein Donnerstag. 42 Grad im Schatten maßen die Statistiker. Nur, am Mont Ventoux gibt es keinen Schatten, nirgends. Wenn die Hitze Südfrankreich erfasst, verwandelt sich die aus duftenden Pinien- und Zedernwäldern emporragende Mondlandschaft in einen Glutofen; eine zynische Laune der Natur, deren Asphalt die Hitze potenziert, auf 20,8 Kilometern, bei 7,5 Prozent Steigung.

Der Franzose Jean Mallejac verlor hier schon 1955 das Bewusstsein, auch er voll mit Aufputschmitteln. Wie Simpson. Der witzige Engländer, Sohn eines Bergmanns, galt als Hasardeur, als jemand, der alles tun würde für Siege und Ruhm. An diesem Tag attackierte er, aber sie holten ihn wieder ein, und bald offenbarte sich, was Simpson aufs Spiel gesetzt hatte. Ein Menschenleben von 29 Jahren.

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