Tennisprofi Gaël Monfils:Der Schmerzensmann versucht es wieder

Tennisprofi Gaël Monfils: Bewegt sich wie wenige: Der Franzose Gaël Monfils ist ein Ausnahmeathlet, nur leider sehr verletzungsanfällig.

Bewegt sich wie wenige: Der Franzose Gaël Monfils ist ein Ausnahmeathlet, nur leider sehr verletzungsanfällig.

(Foto: Kareem Elgazzar/USA TODAY Network/Imago)

Nach langer Leidenszeit präsentiert sich Gaël Monfils bei den Turnieren vor den US Open in guter Form - und gibt Einblicke ins Leben eines Tennisprofis.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Nein, einen Vitas Gerulaitis hat Gaël Monfils dann doch nicht hingelegt beim Tennisturnier in Cincinnati. Im Januar 1980 hatte Gerulaitis, der legendäre Lebemann dieses Sports, nach 16 Niederlagen nacheinander endlich Jimmy Connors besiegt, und er sagte: "Lasst euch das eine Lehre sein: Niemand schlägt Vitas Gerulaitis 17 Mal in Serie!" Am Donnerstag probierte es Monfils zum 19. Mal in seiner Laufbahn, Novak Djokovic zu besiegen, und was wäre das für eine Vorlage für den Franzosen gewesen, hätte er nach einem Sieg sagen können: "Lasst euch das eine Lehre sein: Niemand schlägt Gael Monfils 19 Mal in Serie!"

So weit kam es aber nicht, das Ergebnis: ein lockeres 6:3, 6:2 für Djokovic und damit 19:0 in der Karriere-Wertung.

Monfils, 36, hatte schon mal gegen den ebenfalls 36 Jahre alten Djokovic gewonnen, vor mehr als 19 Jahren, 6:4, 6:7, 6:2 bei einem Futures-Turnier in Italien. Die Partie zählt aber nicht zur offiziellen Wertung, die erste Partie der beiden gegeneinander deshalb: US Open 2005, erste Runde, Djokovic gewann 7:5, 4:6, 7:6, 0:6, 7:5. Wer sich nun ein paar Szenen von damals ansieht, der weiß: Schon die erste Partie der beiden war Tennis vom Feinsten, es folgten viele weitere; das Duell in Cincinnati war dann eher eine klare Angelegenheit.

Die Veranstaltung im US-Bundesstaat Ohio ist Masters- und damit höchste Kategorie unter den Grand Slams; die Akteure nutzen das Turnier, die Form vor den US Open zu überprüfen - und deshalb hoben nicht wenige Beobachter am Donnerstag die Augenbrauen: Ach, guck mal, besiegt Alexander Zverev New-York-Favorit Daniil Medwedew (Russland) in drei packenden Sätzen und meldet sich nach dem schrecklichen 1:6, 2:6 in Toronto gegen Alejandro Davidovich-Fokina (Spanien) zurück. Hubert Hurkacz (Polen) besiegt Stefanis Tsitsipas (Griechenland); bei den Frauen verloren die Favoritinnen Jessica Pegula (4:6, 0:6 gegen Marie Bouzkova), Maria Sakkari (3:6, 6:2, 3:6 gegen Karolina Muchova) und Jelena Rybakina (gab beim Stand von 4:6, 2:5 gegen Jasmin Paolini auf). Es war ordentlich was los vor dem letzten Grand Slam des Jahres.

Niemand dürfte bei den US Open gerne gegen Monfils spielen wollen

Was die Leute auch sahen: besondere Auftritte besonderer Akteure wie Stan Wawrinka, Caroline Wozniacki, Venus Williams - und eben Monfils. Der wird mittlerweile auf Platz 211 der Weltrangliste geführt, er hat sich nach zwei Fuß-Verletzungen und einer am Handgelenk (wegen der er nach einem Fünf-Satz-Sieg in der ersten Runde der vergangenen French Open aus dem Turnier aussteigen musste) zurück auf die Tour gekämpft - und gab in dieser Woche ein bisschen Einblick in die Psyche von Tennisprofis.

Er kommt immer locker rüber mit den eingesprungenen Schmetterbällen, verrückten Stopps und donnernden Vorhand-Gewinnschlägen, nun aber präsentierte er eine andere Seite: "Die Leute sehen nur die guten Momente. Das Lachen, die Show, das Charisma, die Siege; Follower, schöne Fotos. Sie sehen nicht, wie hart man arbeitet oder wie einen der Trainer im Regen anbrüllt. Den Schmerz, den man seinem Körper bei einem Comeback zumutet, die Disziplin, die es dafür braucht, die mentalen Aspekte."

Was derzeit zu sehen ist: das Resultat dieser Qualen. In Toronto hatte Monfils erst Tsitsipas besiegt und dann im Viertelfinale dem späteren Turniersieger Jannik Sinner (Italien) eine packende Partie geliefert; in Cincinnati warf er den an 13 gesetzten Cameron Norrie (England) raus. Sicher ist deshalb: Niemand dürfte bei den US Open gerne gegen Monfils spielen wollen; wahrscheinlich noch nicht einmal Djokovic. Nicht, dass der Franzose am Ende noch sagen wird: "Lasst euch das eine Lehre sein: Niemand schlägt Gael Monfils 20 Mal in Serie!"

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