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Champions League gegen Real Madrid:Gladbach ist anfällig, je länger ein Spiel dauert

Borussia Mönchengladbach - Real Madrid

Toni Kroos gegen Jonas Hofmann: Die Gladbacher schlugen sich gut gegen den großen Gegner.

(Foto: dpa)

Zidane reagiert gereizt, die Königlichen wirken geschockt: Das 2:2 der Borussia gegen Real offenbart viel Positives - doch wieder erlebt die Rose-Elf eine schwierige Schlussphase.

Von Uli Hartmann, Mönchengladbach

Mit Lilian Thuram als Nationalmannschaftskollege ist Zinedine Zidane 1998 im französischen Trikot Weltmeister geworden. 22 Jahre später hätte Thurams Sohn Marcus den Trainer Zidane am Dienstagabend in Mönchengladbach in der Champions League mit zwei Treffern beinahe ins Unglück gestürzt. Zwei Minuten waren in der Nachspielzeit absolviert, da lag Zidanes Real Madrid in Mönchengladbach noch mit 1:2 im Rückstand.

Es wäre das erste Mal gewesen, dass Real die ersten beiden Spiele einer Champions-League-Saison verliert. Doch in der 93. Minute glich Casemiro für die Madrilenen zum 2:2 (0:1)-Endstand aus. Zidane blieb der Alptraum erspart, und doch saß er hinterher in der Pressekonferenz, als wäre ihm ein Gespenst erschienen.

Die teils erschrockenen, teils gefühlsarmen Ausführungen des 48-Jährigen waren eine subtile Hommage an den stoischen Fußball seiner Mannschaft, denn genauso kalt, wie die Madrilenen ihren 0:2-Rückstand in der 87. (Karim Benzema) und 93. Minute ausgeglichen hatten, so kühl analysierte Zidane die Leistung seiner Mannschaft. "Wir haben ein gutes Spiel gezeigt", sagte er, "wir haben bis zum Ende gekämpft und Charakter bewiesen - ich bin ruhig und davon überzeugt, dass wir es in dieser Gruppe schaffen werden."

Konfrontiert mit der Frage eines irritierten, spanischen Journalisten, der nicht verstehen konnte, wie Zidane seine Mannschaft für diese Leistung so loben konnte, reagierte Zidane gereizt. Ohne auch diesmal eine Miene zu verziehen, beklagte er die skeptische Frage und antwortete, dass er sich nicht provozieren lasse. "Das einzige, was uns gefehlt hat, war ein früheres Tor."

Die beiden früheren Treffer an diesem Abend hatte Thuram erzielt: in der 33. Minute auf Vorlage des Franzosen Alassane Plea und in der 58. Minute als Rebound nach einem Torschuss von Plea. Die beiden Franzosen im Gladbacher Team schockten Reals französischen Trainer - doch am Ende mussten sich die Borussen wie schon sechs Tage zuvor bei Inter Mailand mit einem 2:2-Unentschieden zufrieden geben. Auch in Mailand hatten sie spät den Ausgleich kassiert: in der 90. Minute.

Nimmt man die späten Ausgleichstreffer in der Bundesliga von Union Berlin (80. Minute zum 1:1-Endstand) und dem VfL Wolfsburg (85. Minute zum 1:1-Endstand) hinzu, dann fällt auf, dass die Gladbacher für Gegentreffer anfälliger werden, je länger so ein Spiel dauert. Nach dem 1:1 gegen Wolfsburg hatte der Trainer Marco Rose dies auch moniert und gefordert, man müsse mit einer Führung so spät im Spiel "auch mal humorlosen dazwischengrätschen" - doch nach dem 2:2-Remis gegen Real, in dem Gladbachs späte Anfälligkeit kulminierte, wollte er seiner Mannschaft mit Blick auf die Qualität des Gegners keine Vorwürfe machen. "Heute mache ich da kein großes Thema draus", sagte er, "deswegen mache ich den Jungs heute keinen Vorwurf."

Schreckliches Déjà-Vu

Und doch erlebten die Gladbacher eben ein schreckliches Déjà-Vu: zwei Mal hatten sie eine der besten Mannschaften Europas am Rande der Niederlage, doch beide Male mussten sie sich ganz am Ende mit einem Unentschieden begnügen. Das rief zwei Mal spontanen Frust hervor mit der gleichzeitigen Erkenntnis, dass man mit der Leistung und auch dem Ergebnis - mit ein bisschen emotionalem Abstand - zufrieden sein könne.

"Ich sehe die positive Leistung der letzten halben Stunde in Mailand und bis in die Schlussphase gegen Madrid", sagte Rose, "wir können aus beiden Spielen viel Positives mitnehmen." Vor allem die taktische Disziplin beim Pressing gegen ballversiertere Gegner und die große Effektivität beim Toreschießen angesichts einer überschaubaren Zahl guter Chancen waren Gladbachs herausragende Stärken.

In der Vierergruppe - unmittelbar nach der Auslosung als "Hammergruppe" bezeichnet zwecks Kennzeichnung limitierter Achtelfinal-Aussichten - stehen den Gladbachern weiterhin alle Möglichkeiten offen. Am kommenden Dienstag gastieren die Borussen (zwei Punkte) beim Gruppenersten Schachtar Donezk (vier Punkte), während Real (ein Punkt) gegen Inter Mailand (zwei Punkte) spielt. Gladbach könnte sich mit einem Sieg zum Ende der Hinrunde tatsächlich an die Gruppenspitze setzen. "Wir sind da! Wir sind angekommen!", war dann auch Roses wichtigste Erkenntnis aus den ersten beiden Champions-League-Spielen mit vielen europapokal-unerfahrenen Spielern.

Einer davon ist Marcus Thuram. "Wir werden aus den Fehlern lernen und weiter unseren Fußball spielen", sagte der 23-Jährige nach dem Real-Spiel. Es klang wie eine Ansage Richtung Donezk, Mailand, Madrid. Gladbach ist auf den Geschmack gekommen und willens, erstmals seit 1978 ins Achtelfinale der europäischen Königsklasse einzuziehen. Und Thuram hätte keine Bedenken, dem alten Kumpel seines Vaters im Rückspiel vielleicht auch noch einmal richtig weh zu tun.

© SZ/jbe
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