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MMA:Ronda Rousey lebt den Schmerz

Feb 25 2016 Albany NY USA MMA Ronda Rousey Mixed Martial Arts Champion Ronda Rousey PUBLICAT; Ronda Rousey

Von den Amerikanern geliebt: MMA-Kämpferin Ronda Rousey.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Früher schlief sie im Auto, heute ist MMA-Kämpferin Ronda Rousey Multimillionärin. Was lieben die Amerikaner so an ihr?

Es macht einfach "Plopp" - und der Ellenbogen flutscht raus aus dem Gelenk. Manche Dinge muss man nicht fühlen, um zu begreifen, wie unangenehm sie sind und wenn Ronda Rousey über ihre härteste Waffe spricht, reicht schon dieses eine Wort. Rousey kennt den Schmerz, vor allem aber kennen ihn ihre Gegnerinnen. "Es fühlt sich an, wie wenn man von einem Truthahnbraten einen Schenkel abreißt", weiß die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin. Nach dem "Plopp" wird es definitiv nicht besser.

Ronda Rousey war 2015 die drittmeist gesuchte Person bei Google, noch vor Donald Trump. Sie hat vier Millionen mehr Instagram-Follower als Serena Williams, ist Multimillionärin und der größte Star der Ultimate Fighting Championship Serie (UFC), die erst vor ein paar Monaten für vier Milliarden US-Dollar den Eigentümer gewechselt hat.

Nach über einem Jahr außerhalb des Käfigs gibt sie nun ihr Comeback, am Freitag will sie sich den Gürtel im Bantamgewicht zurückholen, der ihr Ende 2015 völlig überraschend entrissen wurde. Ronda Rousey ist ein Phänomen, das die Menschen vor allem in den USA bewegt. Manche begeistert sie im Guten, manche im Schlechten.

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So wie einst Mike Tyson

Mit ihrem Armhebel hat sich Rousey schon so mancher Gegnerin entledigt. In neun ihrer 13 Kämpfe als MMA-Sportlerin verdrehte die 29-Jährige den Arm der Kontrahentin so, dass es "Plopp" machte und der Kampf beendet war. Im November 2015 hat es nicht "Plopp" gemacht, es hat gekracht. Zum ersten Mal in ihrer Karriere wurde Rousey besiegt, vor 56 000 Zuschauern in Melbourne erlebte sie ihren Mike-Tyson-Moment: So wie der Schwergewichtler 1990 völlig überraschend Buster Douglas unterlag, gab es für Rousey den ersten K.o. ihrer Karriere. Holly Holm, ebenfalls US-Amerikanerin, hatte der Unbesiegbaren in der zweiten Runde einen Kopftritt verpasst und danach mit Schlägen das Gesicht malträtiert. Rousey kauerte auf dem Boden. George Foreman, der einst gegen Muhammad Ali verloren hatte, twitterte: "Down goes Muhammad, Frazier & Foreman. RONDA ROUSEY we all came back so will you."

Man muss kein Fan von Kampfsport sein, um eine Begeisterung für Ronda Rousey zu entwickeln. Sie hat sich Lebensträume erfüllt, die sich viele gar nicht getraut haben zu träumen. UFC-Präsident Dana White sagte noch 2011, er würde niemals Frauen in seiner Kampfserie antreten lassen. Nur ein Jahr später machte er Rousey zur ersten Frau mit UFC-Vertrag und WM-Gürtel. "Kämpfen ist keine Männer-Sache, es ist eine Menschen-Sache", sagt Rousey.

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Eine Frau als Gesicht des brutalsten Kampfsports? Tatsächlich steht Ronda Rousey für Errungenschaften ihres Geschlechts: Sie hat mit ihrer Stärke den mächtigsten Mann in ihrem Sport überzeugt, sich doch an eine Frauen-Sparte heranzutrauen. Ihre Biographie "Zum Kämpfen geboren" könnte genauso gut als Lebensratgeber für Hartgesottene taugen. Aufstehen, fokussieren, hart arbeiten, niemals auch nur ans Aufgeben denken - es ist diese Einstellung, die sie in Amerika lieben und im Leistungssport propagieren. "Lieber sterben oder gelähmt werden als verlieren", solche Sätze stehen dann da. Die Supermarkt-Kette Wal-Mart weigerte sich, das Buch in seinen Läden zu verkaufen, weil der Inhalt zu gewalttätig sei. Einmal hat Rousey einen Freund verprügelt, weil er heimlich Nacktfotos von ihr gemacht hat.

Als Rousey acht Jahre alt war, nahm sich der Vater das Leben. Ein Unfall beim Schlittenfahren zerstörte sein Rückgrat, er wurde nicht mehr gesund und verzweifelte daran. Für Rousey begann damals das Leben als Kämpferin: Ihre Mutter war einst Weltmeisterin im Judo geworden, als erste Amerikanerin überhaupt. Und so ging es auch für Rousey auf die Matten. "Wenn ich ein Turnier gewonnen hatte, fragte sie, wieso ich nicht sämtliche Kämpfe durch Ippon gewonnen habe", erinnert sich Rousey.