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Markus Schopp über den neuen Bayern-Trainer:"Es war keine Überraschung, dass er ein guter Trainer wird"

Passt Pep Guardiola vom Typ her gut zu den Bayern?

Ich war schon etwas überrascht, als ich davon gehört habe, denn einer seiner größten Waffen als Trainer liegt in der Kommunikation mit den Spielern. Wenn man in ein Land kommt, in dem man die Sprache nicht spricht, dann ist das eine Beeinträchtigung. Deshalb hat er auch sofort die deutsche Sprache gelernt. Es war schon überwältigend, wie er sich bei seiner Vorstellung auf der Pressekonferenz auf Deutsch präsentiert hat.

Sie sind 2001 in der gleichen Woche in die italienische Serie A zu Brescia gewechselt. Wie haben Sie ihn als Spieler in Erinnerung?

Wie er auf dem Platz das Spiel lesen konnte, war einfach unglaublich. Seine Pässe waren an Präzision und Genauigkeit nicht zu überbieten. Für mich war es keine Überraschung, dass er ein guter Trainer wird, denn er hat sich schon immer viele Gedanken über die Organisation auf dem Platz gemacht.

Guardiola wird oft als der "beste Trainer der Welt" bezeichnet. Ist er das wirklich?

Es gibt viele sehr gute Trainer. Er ist auf jeden Fall ein toller Mensch, der immer gewusst hat, wie er zu erden ist. Wie er sein Leben und für den Sport lebt, ist toll. Wichtig ist, wenn du die Erfolge einmal nicht feierst, dass du zumindest Stil bewahrst, das tut er. Er spricht die Menschen an und kann sie begeistern, das hat man auch bei der Pressekonferenz am Montag gesehen. Fußball ist mittlerweile so ein wichtiges Instrument, da ist es für den Sport nur förderlich, wenn du als Bayern so einen Vorzeigetypen präsentieren kannst.

Eine schwierige Zeit erlebte Guardiola 2001, als bei ihm Spuren von Nandrolon nachgewiesen wurden. Die FIFA hat ihn deshalb wegen Dopings für vier Monate gesperrt. Wie sehr hat ihn das mitgenommen?

So wie ich das damals miterleben durfte, war er sehr überrascht, dass so etwas überhaupt passieren konnte. Damit hat er nicht gerechnet. Die Wahrheit ist aber, dass er 2009 von allen Vorwürfen freigesprochen wurde, ich habe daran nie gezweifelt. Pep war ein absoluter Vorzeigeprofi außerhalb und innerhalb der Kabine. Das finale Urteil war nur eine Bestätigung dessen. Es geht im Leben nicht immer nur nach oben und so wie ihn kennenlernen durfte, hat er im Innenleben sehr gelitten.

Sie haben ihn während Ihrer Trainerausbildung mehrmals in Barcelona besucht. Von Graz nach München wäre es jetzt näher. Wann werden Sie bei ihm vorbeischauen?

Beim FC Barcelona hat er für viele seiner ehemaligen Mitspieler eine offene Tür gehabt. Jetzt ist er beim FC Bayern, einer der besten Adressen derzeit im Fußball. Ich weiß aber, wie es zu Beginn eines neuen Jobs ist. Da ist man rund um die Uhr beschäftigt. Daher würde es mir nicht in den Sinn kommen, ihn im nächsten halben Jahr zu besuchen.

© Süddeutsche.de/cko

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