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Mario Gomez beim VfB:Wie jetzt? Kein Abseits?

Mario Gomez

Die Befreiung: Mario Gomez schießt ein Tor, das zählt.

(Foto: dpa)
  • Mario Gomez führt den Zweitligisten VfB Stuttgart zu einem wichtigen Sieg gegen Nürnberg.
  • Beim verdienten 3:1 wirkt der Stürmer verblüffend verjüngt - auch, weil Trainer Walter ihm plötzlich vertraut.
  • Hier geht es zur Zweitliga-Tabelle.

Mario Gomez lief hinaus zur Eckfahne, er jubelte testhalber mal ein bisschen, und dann gesellten sich ein paar Mitspieler dazu, die ebenfalls ein bisschen jubelten. Die Menschen auf der Tribüne warfen ihre Arme auch noch eher vorsichtig in die Höhe, aber der Stadionsprecher klang schon überzeugt. "Tor für den VfB .... " rief er, und aus einem Reflex heraus riefen die Leute: " ... Stuttgart!"

Aber konnte das stimmen? Wollte wirklich niemand dieses Tor aberkennen?

Die Anzeigetafel zögerte noch, aber als der Sprecher auch noch den Torschützen bebrüllen ließ ("unsere Nummer 27 heißt Mario ..."), begannen die Leute an das Wunder zu glauben. Sie werden es ihren Enkeln erzählen, sie werden T-Shirts von diesem Moment drucken lassen, sie waren dabei: Mario Gomez hatte ein Tor geschossen. Und was wirklich verrückt war: Es galt.

Wie ein ironischer Kommentar zum vorvergangenen Wochenende

"Haben wir das Spiel wirklich 3:1 gewonnen oder kommt gleich noch der nächste #VAR?", twitterte Thomas Hitzlsperger, der Vorstandschef des VfB Stuttgart, am späteren Abend, was aus Stuttgarter Sicht ein gutes Zeichen war. Das vorangegangene Fußballspiel hatte es den Verantwortlichen leicht gemacht, jenen Teil ihres Humors wiederzufinden, den sie vor einer Woche in den dunkleren Ecken eines Kölner Kellers verloren hatten. Der 3:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg wirkte wie ein ironischer Kommentar zum vorvergangenen Wochenende, als der VfB in Sandhausen trotz dreier Gomez-Tore 1:2 verlor. Alle drei Tore waren wegen Abseits annulliert worden, zwei davon nach Eingriffen des Videoreferees (VAR) aus Köln.

Dieser irre Hattrick war mutmaßlich eine Art Weltrekord, der allerdings eine ernsthafte Debatte auslöste, die bis in höchste Kreise reichte. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin regte zum Thema "Videobeweis/Abseits" eine neue Regelauslegung an: Er erwägt, eine Art 20-Zentimeter-Toleranz einführen zu lassen, die dem guten, alten Grundsatz "im Zweifel für den Angreifer" folgen soll.

Für Gomez, 34, endete mit dem Sieg gegen Nürnberg eine Woche, die seinen Wortschatz wohl für immer verkleinert hat. Die Adjektive "hauchzart" und "hauchdünn" wird Gomez vermutlich nie mehr verwenden, so sehr haben sie ihn zuletzt genervt. Hauchzart oder wahlweise hauchdünn sei Gomez in Sandhausen dreimal im Abseits gestanden, war überall nahezu wortgleich zu hören und zu lesen, und es war schon recht gemein, dass sich das schräge Schauspiel gegen Nürnberg fortzusetzen schien.