Schiedsrichter Manuel Gräfe:Aussagen mit Sprengkraft

Lesezeit: 2 min

Schiedsrichter Manuel Gräfe: Manuel Gräfe, mittlerweile ZDF-Experte.

Manuel Gräfe, mittlerweile ZDF-Experte.

(Foto: Nordphoto/Imago)

Der ehemalige Bundesliga-Referee Manuel Gräfe zieht wegen Altersdiskriminierung gegen den DFB vor Gericht - zudem kritisiert er den Verband grundsätzlich beim Umgang mit Schiedsrichtern.

Von Thomas Gröbner

Es gibt eine alte Regel im Fußball: "Der beste Schiedsrichter ist der, über den niemand spricht." Nach diesem Spruch ist Manuel Gräfe gerade ein ziemlich schlechter Schiedsrichter. Denn in einem Interview im Zeit Magazin macht Gräfe gerade ziemlich von sich reden. "Altersdiskriminierung" wirft er dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor. Mit 47 wurde Gräfe zusammen mit seinen beiden Kollegen Guido Winkmann und Markus Schmidt zwangsweise in Rente geschickt - nach einer speziellen DFB-Regel, die es so im Ausland nicht gibt und obwohl die halbe Liga sich für Gräfe einsetzte und um eine Gnadenfrist bat. Ungewöhnlich warm sprachen Spieler und Trainer über den Schiedsrichter, die sich ja sonst oft unmanierliche Dinge anhören müssen von der Bank und den Rängen, wo jeder zweite wissen will, wo er sein Auto geparkt habe.

Nun, alle guten Worte nützten nichts. Der Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich wollte wohl keine Eifersüchteleien riskieren unter den Schiedsrichtern und keine Ausnahme machen für den populären Berliner. Bloß keine "Lex Gräfe" riskieren, so schien das Kalkül. Das könnte ziemlich danebengehen. Denn genau das will der Unparteiische dem DFB nun aufzwingen. Gräfe hat wegen Altersdiskriminierung geklagt, der DFB bestätigte den Eingang der Klageschrift am Donnerstagabend. Das sieht jetzt wieder blöd aus für den Verband, der sich sonst so gerne als Vorkämpfer gegen Rassismus und Diskriminierung sieht. "Leider ändern in diesem Verband Argumente nichts, sondern nur die Steuerfahndung oder Richter", so fasst Gräfe seine Erfahrungen mit dem DFB zusammen.

Selber pfeifen will er aber nicht mehr, selbst wenn seine Klage Erfolg haben sollte, Gräfe sieht sich lieber als Vorkämpfer für die Jugend. Und die entgangenen finanziellen Ansprüche möchte er auch geltend machen; Schiedsrichter seines Kalibers verdienen im Jahr eine sechsstellige Summe.

Manuel Gräfe sagt über sich selbst, leiser als andere Schiedsrichter zu pfeifen. Doch dafür verpasst er dem DFB und der Zunft einen ziemlichen Anpfiff, und legt dabei eine zünftige Mängelliste vor: eklatanter Niveauverlust bei den Männern in Schwarz, die deutschen Schiedsrichterei sei längst nicht mehr erstklassig im internationalen Vergleich. Beim DFB gehe es nicht immer nach Leistung, Paragraphen seien wichtiger als Qualität, wer gefördert werde und wer zurückbleibe, das sei schwer nachvollziehbar. Über seinen ehemaligen Kollegen Felix Zwayer sagt er: "Wer einmal Geld angenommen und Hoyzers Manipulation ein halbes Jahr verschwiegen hat, sollte keinen Profifußball pfeifen." Gräfe war damals maßgeblich an der Aufdeckung der Affäre Hoyzer beteiligt.

Immerhin, ein gutes hat die Altersgrenze für Gräfe dann doch. "Mir bleibt es nun immerhin erspart, mich mit diesen Themen rumzuschlagen."

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