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Manipulations-Vorwürfe gegen Gattuso:Dutzende Polizisten im Morgengrauen

Seit 2010 ermittelt die Staatsanwaltschaft in Cremona zu Schiebereien in den italienischen Profi-Ligen, gegen 120 Personen wurden Verfahren eröffnet, 54 wurden festgenommen. Rund 30 Spiele sollen zwischen 2009 und 2013 manipuliert worden sein, die Italiener arbeiteten angeblich gemeinsam mit Osteuropäern im Auftrag einer Wett-Zentrale in Singapur.

Prominente Profis wurden im Laufe der Ermittlungen schon verhaftet. Giuseppe Signori, ehemals Spieler bei Lazio Rom und Bologna, wurde ebenso festgenommen wie der Lazio-Kapitän Stefano Mauri. Dieser verbrachte im Mai 2012 Wochen in Untersuchungshaft, wurde aber erst im Oktober 2013 vom Sportgericht für neun Monate gesperrt.

Anklage gegen Mauri wurde in der ganzen Zeit überhaupt noch nicht erhoben - und damit wären wir beim Hauptproblem der breit angelegten Ermittlungen von Cremona: ihrer mangelnden Effizienz. Wie so viele Verfahren in Italien droht auch die Arbeit der Staatsanwälte in Cremona im Sande zu verlaufen; hinzu kommt noch, dass manche Kollegen die Ermittlungen durchaus kritisch sehen.

Da gab es den Fall Domenico Criscito. Wenige Tage vor der EM 2012 erhielt der Abwehrspieler von Zenit St. Petersburg im Trainingslager der italienischen Nationalmannschaft einen Ermittlungsbescheid und wurde von Cesare Prandelli umgehend aus dem Kader befördert.

Die gesamte Squadra Azzurra war schockiert von einer Aktion, die ganz offensichtlich zum Ziel hatte, die Arbeit der Juristen in Cremona ins Zentrum des Medieninteresses zu rücken. Normalerweise werden Ermittlungsbescheide per Einschreiben an der Privatadresse des Verdächtigen zugestellt, diesmal rückten ein Dutzend Polizisten im Morgengrauen bei der Nationalmannschaft an. Im September 2012 ersuchte die Staatsanwaltschaft in Genua, das Verfahren wegen Criscito einzustellen - wegen Mangels an Beweisen. Doch Cremona pochte auf Verlängerung.

Gegen den Spieler wird weiter ermittelt, ob er bei der WM in Brasilien dabei sein kann, ist ungewiss. Jedenfalls hat die Staatsanwaltschaft Cremona schon einmal vorsorglich darauf hingewiesen, dass auch bei der kommenden Weltmeisterschaft Spiele verschoben werden könnten, nicht nur von Italienern.

Bis die grauen Haare wachsen

Gennaro Gattuso wird also vermutlich lange darauf warten müssen, bis er entweder angeklagt oder rehabilitiert wird. Und falls dann tatsächlich ein Prozess eröffnet wird, dürfte er darüber endgültig graue Haare bekommen: Am Mittwoch entschied ein Berufungsgericht in Neapel über Luciano Moggi, den ehemaligen Generaldirektor von Juventus Turin, der im Jahr 2006 im Zentrum eines Manipulationsskandals um italienische Schiedsrichter stand.

Damals wurden Juventus Turin zwei Meistertitel aberkannt, der Rekordmeister wurde zudem in die zweite italienische Liga relegiert. Nun, Moggi bekam jetzt zwei Jahre und vier Monate Haft aufgebrummt, wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ein Teil der ihm vorgeworfenen Vergehen war unterwegs verjährt, ins Gefängnis muss der Mann mit seinen 77 Jahren sowieso nicht mehr. Moggi hat umgehend Revision gegen das Urteil angekündigt.

© SZ vom 19.12.2013/jkn

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