Magdalena Neuners Karriereende Kein Spaß am Berühmtsein

Für das beste Zitat, das beste Foto, haben sie, sagt Zahler, ihre Selbstbeherrschung verloren: "Sie haben Kinder über den Haufen gerannt, eine Frau ist hingefallen, dann sind welche auf die Leute von der Musikkapelle drauf gestürzt, und dann hat ein Security-Mann die Magdalena genommen und da rausgezogen."

Gold zwischen Gamsbärten: Magdalena Neuner beim Empfang in der Heimat mit ihren Olympia-Medaillen von den Spielen in Vancouver.

(Foto: dapd)

Da bekommt die Lust am Berühmtsein einen Dämpfer. Genauso, wie wenn man endlich Olympia erlebt, aber vor lauter Terminen seine Eltern nicht treffen kann, geschweige denn irgendetwas mitkriegt vom sagenumwobenen "Olympic Spirit".

Oder wenn man abends um zehn aus seinem Haus tritt, aus einem einfachen, im ersten Stock holzgetäfelten Haus, das jene Fans unter den Wandertouristen, die keine Distanz kennen, mit großem Aufwand suchen müssen, weil in Wallgau alle Häuser gleich aussehen - wenn man also vor die Tür tritt, um den Müll hinauszubringen, und dann steht da in der Dunkelheit ein Mann. Aber letztlich ist die Prinzessin nicht nur von den Enttäuschungen und Auswüchsen der großen weiten Welt zurückgetrieben, sondern auch vom Kaff Wallgau wieder angezogen worden.

Nicht umsonst hat sie schon immer im Sommer am liebsten zu Hause trainiert, bei ihrem Heimtrainer Bernhard Kröll, oben, auf dem Truppenübungsplatz der Mittenwalder Gebirgsjäger. Kröll ist etwas stolz, wenn er den Platz vorführt, er verkündet mit leicht offiziellem Ton, es gelte das Wort der früheren Biathletin Martina Beck: "Die landschaftlich schönste Trainingsstätte Deutschlands." Warum, wird einem an einem sonnigen Tag sofort klar, egal ob man die Berge liebt oder nicht. Was sich in knapp 1200 Metern Höhe auftut, ist atemberaubend.

Kröll erklärt feierlich die Gipfel: "Links die Zugspitze, rechts davon das Estergebirge mit dem Wank davor, dann über Wallgau die Soierngruppe und ganz rechts das westliche Karwendel." Und dann sagt er: "Die Magdalena genießt das." Zum Training zählt ja auch das Bergsteigen, also das schnelle Aufwärtslaufen mit Stöcken im so genannten "Skigang".

Krölls Trainings-Bergsteigen ist zwar sportlich, aber es ist eben auch echtes, also wertungsfreies Bergsteigen, nicht zuletzt wegen der Wünsche seiner berühmtesten Schülerin. Die bestehe darauf, bis zum Gipfelkreuz hinaufzulaufen, das Gipfelbuch aus dem Schutzkasten zu nehmen und ihren Namen einzutragen. Danach wird gerastet und die mitgebrachte Brotzeit gegessen.

Magdalena Neuner

Glamourgirl, Vorbild, Freigeist