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Hernández beim FC Bayern:Manege frei für den 80-Millionen-Mann

25 Minuten können reichen, um das Potenzial anzudeuten: Lucas Hernández.

(Foto: AFP)
  • Lucas Hernández ist wieder fit - und deutet gegen Leipzig an, dass er den Bayern richtig helfen kann.
  • Er könnte Teil der neuen Bayern-Viererkette mit Pavard, Alaba und Davies werden.
  • Weniger euphorisch ist die Stimmung rund um Winter-Zugang Álvaro Odriozola.

Am Morgen des Spiels hat Jérôme Boateng seinem Trainer signalisiert, dass er sich nicht ganz wohlfühlt. Die Mediziner haben aber nichts gefunden, und im Spiel hat sich Boateng dann immerhin so wohl gefühlt, dass er einmal in höchster Not rettete. In der Halbzeit hat Boateng seinem Trainer aber erneut sein Unbehagen hinterbracht, und 20 Minuten später hat Hansi Flick ihn dann erlöst. Er hat Boateng ausgewechselt, aber das war nicht die Geschichte. Die Geschichte war auch nicht, dass Boateng immer noch in München ist, obwohl er so oft schon weg wollte und die Bayern ihn so oft schon weg haben wollten. Dass Boateng den Rekord als sicherster Transfer, der nie zustande kommt hält, daran hat man sich gewöhnt.

Die Geschichte war, dass Lucas Hernández für ihn kam. Und auch, dass Álvaro Odriozola draußen blieb.

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Beim FC Bayern haben sie viel über Transfers diskutiert, im Sommer schon und im Winter erneut, immer ging es grob gesagt darum, ob die neuen Spieler es wert sind. Darf Lucas Hernández, 23, tatsächlich die vertraglich verabredeten 80 Millionen Euro kosten, oder ist das eine obszöne Summe für einen Verteidiger, der zwar schon sehr gut, aber auch noch sehr wild ist? Und ist Odriozola, dritter Ersatz-Rechtsverteidiger von Real Madrid, stark genug, um ein Bayern-Spieler zu sein?

Nach den bisherigen Eindrücken und konkret nach dem Leipzig-Spiel lautet die Antwort auf beide Fragen: Man weiß es nicht. Aber man ahnt etwas.

Bringt Hernández die Wünsche von Trainer und Sportchef in Einklang?

Transferfragen sind immer auch innenpolitische Fragen. Trainer wollen ihre Wünsche berücksichtigt wissen und bemessen ihre interne Wertschätzung an der Erfüllung dieser Wünsche; Verantwortliche bestehen darauf, dass der Klub die Entscheidungen trifft und nicht der Trainer; und Sportchefs hätten es halt schon gerne, dass sie für ihre tollen Transfers gewürdigt werden. So gesehen ist die Personalie Lucas Hernández eine der spannendsten Personalien, die der FC Bayern zu bieten hat: Sportchef Hasan Salihamidzic hat im Sommer die spektakulären 80 Millionen anweisen lassen und damit Bayerns Transferrekord mal eben verdoppelt; nun würde es ihm aus nachvollziehbaren Gründen gut gefallen, wenn sein Wunderknabe auf dem Rasen endlich die vorgesehenen Wunder vollbringen dürfte. Ebenso nachvollziehbar ist aber, dass der Trainer noch auf Zeit spielt und auf die jüngste Krankenakte des Franzosen verweist. Hernández kam mit einer schweren Innenbandverletzung in München an, er war 178 Tage raus, bevor er beim FC Bayern endlich eingreifen konnte; kaum dabei, riss ihm im Oktober das Innenband im Sprunggelenk, wieder fiel er drei Monate aus. Flick hätte ihn ohne Boatengs Krankmeldung kaum gebracht, er würde Hernández gerne noch etwas aufbauen, bevor er ihn in die Manege lässt.

Vielleicht haben die 25 Minuten gegen Leipzig aber doch gereicht, um die Wünsche von Trainer und Sportchef in Einklang zu bringen. Hernández habe "Stabilität rein gebracht", sagt Flick anerkennend, "seine Kompromisslosigkeit hat uns sehr gut getan". Vielleicht lässt er ihn nun doch schon früher richtig ran, und vermutlich hat sich hier auch Bayerns Abwehr für die Restsaison angedeutet, mit Pavard, Alaba, Hernández und Davies (und ohne Boateng). Zwei Linksfüße (Alaba, Hernández) würden dann in der Innenverteidigung stehen, das hatten sie bei Bayern noch nicht, das müsste Flick erst mal ausbalancieren.

Dagegen wird Álvaro Odriozola Bayerns Stammabwehr wohl kaum angehören. Er war nicht krank, sein Innenband war intakt, Trainingsrückstand hat er keinen. Aber für einen Platz in der Manege reicht das derzeit nicht.

© SZ vom 11.02.2020/ebc
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