Premier League Vize-Meister mit nur einer Niederlage

Jürgen Klopp reichen 97 Punkte nicht zur Meisterschaft.

(Foto: dpa)
  • Manchester City verteidigt den Premier-League-Titel dank eines 4:1-Sieges gegen Brighton and Hove Albion.
  • Der FC Liverpool wird mit der Rekordzahl von 97 Punkten Zweiter. Jürgen Klopp kassiert in 38 Spielen nur eine Niederlage.
  • Liverpool wartet damit seit 1990 auf eine englische Meisterschaft.
  • Hier geht es zur Tabelle der Premier League.
Von Max Ferstl

Es war 15:17 Uhr englischer Zeit, als die nächste unwahrscheinliche Geschichte dieser Fußball-Woche ein Stück wahrscheinlicher wurde. Trent Alexander-Arnold, der mit dem Eckball, hatte geflankt, Sadio Mané hatte geschossen und Liverpool führte 1:0 gegen Wolverhampton. Noch wahrscheinlicher wurde diese Geschichte, als etwa zehn Minuten später Brightons Stürmer Glenn Murray nach einer Ecke seine Mannschaft gegen Manchester City in Führung köpfte. Die Fernsehkamera schwenkte auf Citys Trainer Pep Guardiola, er zog seine Jacke aus. Aus Nervosität?

Es wäre am Sonntag die passende Pointe einer Woche gewesen, die auf sämtliche Gewissheiten zu pfeifen schien: Dass Liverpool englischer Meister wird. Dass Manchester seine herausragende Ausgangsposition verspielt, indem es am Tabellen-17. Brighton scheitert. Doch die Woche endete dann doch ziemlich erwartbar. Manchester City gewann souverän 4:1, und feierte die Meisterschaft, wie schon im Vorjahr. Dass Liverpool nach einem weiteren Treffer von Mané 2:0 gegen Wolverhampton siegte, änderte nichts mehr am Ergebnis: Manchester City: 98 Punkte. Liverpool: 97 Punkte.

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"Wir haben nur ein Spiel in der gesamten Saison verloren, wir haben 97 Punkte. Wir werden nächste Saison wieder um den Titel kämpfen", sagte Liverpools Doppeltorschütze Sadio Mane bei Sky Sports. City-Kapitän Vincent Kompany erklärte: "Ich glaube, das war die härteste Premier-League-Saison der Geschichte. Liverpool war außergewöhnlich, sie hatten es eigentlich nicht verdient zu verlieren."

"Heute fühlt es sich nicht so gut an, aber wir haben genügend Zeit, um uns auf das wichtige Spiel in drei Wochen vorzubereiten", sagte Klopp. "Gratulation an Manchester City. Wir haben versucht, es ihnen so schwer wie möglich zu machen, aber offenbar nicht schwierig genug", sagte Klopp, der dennoch "stolz" auf seine Mannschaft war. "Das Team hat viele große Schritte gemacht im vergangenen Jahr", betonte er.

Noch nie haben sich in England zwei Mannschaften auf ähnliche Weise angetrieben wie Manchester City und Liverpool. "Wer auch immer obsiegt - das war der großartigste Titelkampf aller Zeiten", schrieb die Zeitung The Telegraph. 97 Punkte - noch nie hat ein Tabellenzweiter in der Premier League mehr Punkte geschafft als Liverpool in dieser Saison. Auch in den anderen europäischen Spitzenliegen ist dieser Wert unerreicht. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp hatte im Januar zwischenzeitlich sieben Zähler Vorsprung in der Tabelle. Sie hatte während der gesamten Saison nur ein einziges Spiel verloren, 1:2 gegen City. Liverpools Saison war geprägt von enormer Konstanz und Stabilität.

Nur war Manchester eben noch konstanter, noch stabiler. Gerade in der Schlussphase der Saison zeigte Guardiolas Mannschaft keine Schwächen. Wie fast immer: Teams von Pep Guardiola wurden in neun der vergangenen elf Jahre Meister. Im Gegensatz zur Konkurrenz streute seine Mannschaft nicht hin und wieder ein punkteraubendes Unentschieden ein, sondern reihte Sieg an Sieg. City gewann die letzten 14 Spiele der Saison. Das 0:1 durch Brightons Murray war in dieser Phase überhaupt das erste Mal, dass Manchester in Rückstand geriet. Wenn auch nur kurz.

Dann schlängelte sich Sergio Agüero durch die gegnerische Abwehr und traf zum 1:1 (28. Min.). Das hätte noch nicht gereicht, um die in Führung liegenden Liverpooler zu überholen - doch ernsthaft in Gefahr geriet Manchester City nicht. Aymeric Laporte traf vor der Halbzeit nach einer Ecke per Kopfball (38.). Als Riyad Mahrez das Spiel mit einem wuchtigen Schuss vorentschied (63. Min.), ging Guardiola in die Knie, jubelnd natürlich. Ilkay Gündogan traf noch mit einem schönen Freistoß zum Endstand (72.). Am Ende war es Routine.

Wenn man so will, hat Manchester die Woche der absurden Ereignisse selbst eingeleitet: Am vergangenen Montag, als ein 0:0-Unentschieden gegen Leicester und ein Nachteil in der Meisterschaft drohte, schoss Kapitän Vincent Kompany den Ball kurz vor Schluss spektakulär in den Winkel, Manchester gewann 1:0. Am Dienstag holte Liverpool im Champions League-Halbfinale ein 0:3 aus dem Hinspiel gegen Barcelona auf. Am Mittwoch gelangen Tottenham Hotspur gegen Ajax Amsterdam in der zweiten Halbzeit drei Tore, das letzte in der Schlussminute. Es waren Spiele, aus denen Klopp und Liverpool den Glauben zogen, dass es doch noch etwas werden könnte mit der Meisterschaft: "Das war eine Woche voller großer Fußballmomente", hatte der deutsche Trainer gesagt, und damit gemeint, dass gerne noch einer hinzukommen dürfte.

Er kam nicht. Liverpool muss weiter auf seinen erste Meisterschaft seit 1990 warten, und Klopp auf seinen ersten großen Triumph seit dem Gewinn von Pokal und Meisterschaft mit Dortmund 2012. Aber ihnen bleibt ja noch die größte Chance: das Champions League-Finale gegen Tottenham.

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