FC Liverpool Erst mal eine Woche nach Südspanien

Jürgen Klopp jubelt über den Sieg gegen Bournemouth.

(Foto: REUTERS)
  • Der FC Liverpool gewinnt gegen den AFC Bournemouth mit 3:0 und überwindet damit die kurze Ergebniskrise.
  • Verletzte Spieler wie Kapitän Jordan Henderson und Trent Alexander-Arnold kehren zurück - was Klopp mehr taktische Möglichkeiten eröffnet.
  • Im Trainingslager in Spanien muss der Trainer einen Weg finden, um den gesperrten Abwehrchef Virgil van Dijk zu ersetzen.
Von Sven Haist, Liverpool

Mit dem vorherigen Fußballspiel hatte der Gefühlsausbruch von Jürgen Klopp nichts zu tun. Bei der Verabschiedung der Zuschauer ließ Klopp vor der Fantribüne The Kop die Fäuste fliegen und einen Urschrei los, und die Fans des FC Liverpool bejubelten diese emotionale Einlage wie ein Tor der eigenen Mannschaft. Wobei nicht ganz eindeutig zu verstehen war, ob jetzt Klopp oder Kop lauter gebrüllt hatte - sofern der Trainer und die Kulttribüne nicht längst ein und dasselbe sind.

Dieses große Theater durfte als kleine Teambuilding-Maßnahme gewertet werden, nach innen und nach außen; der Lärm, der im 1200 Kilometer entfernten München vermutlich hörbar gewesen sein dürfte, sollte dem FC Bayern schließlich signalisieren, dass sich Liverpool in Stimmung gebracht hat für das am Dienstag in einer Woche an der Anfield Road anstehende Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League.

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Schon weit vor dem Abpfiff wendeten die Menschen ihre Aufmerksamkeit vom Geschehen auf dem Platz ab, von dieser lässig gelungenen Generalprobe gegen den AFC Bournemouth (3:0). Die Fans wollten sich schon mal einsingen für jene Spiele, in denen das Team auf die Eingebungen aus dem Publikum angewiesen ist. Denn nach dem vorzeitigen Scheitern im FA-Cup kürzlich hat Liverpool nun am kommenden Wochenende spielfrei. Zur Zeitüberbrückung fliegt Klopp mit seiner Mannschaft von Montag bis Freitag ins Trainingscamp nach Spanien, so wie er das in seinen drei Jahren bei den Reds immer gehalten hat, wenn der Spielplan die Möglichkeit bot. Die Kraft der südlichen Sonne soll dem Team als Energiespender dienen.

Im Januar nutzte Liverpool bereits elf freie Tage für einen Kurztrip nach Dubai. Diese Phase der Regeneration ging allerdings über in zwei Remis in der Liga, die von der Öffentlichkeit gleich als Zeichen der Nervosität eingestuft wurden im Titelrennen mit Manchester City.

Die Ausnahmestürmer Mané und Salah treffen erneut

Liverpools 3:0 gegen Bournemouth dürfte klar gemacht haben, dass diese These zu diesem Zeitpunkt der Saison falsch ist. Durch den Sieg bleibt Liverpool punktgleich im Duell mit Manchester City - allerdings hat ManCity durch das 6:0 am Sonntagabend gegen den FC Chelsea (Tore: Aguero 3, Sterling 2, Gündogan) ein Spiel mehr bestritten. "Ich kann vom Charakter des Teams nicht genug schwärmen", sagte Klopp, "die Mentalität der Spieler ist der Grund, dass wir da sind, wo wir sind." Die Auseinandersetzung mit dem nicht zu unterschätzenden Bournemouth diente Liverpool zur Überprüfung der eigenen Form, und beim Durchgehen der Checkliste konnte Klopp hinter die wichtigsten Themen zufrieden einen Haken setzen: dem Ergebniszwang standgehalten, die Verletzungsmisere gestoppt, den Angriff gestärkt und den Aktionsradius nach oben gefahren.

Neben den Toren der beiden Ausnahmestürmer Sadio Mané (24.) und Mohamed Salah (48.) - Letzteres eingeleitet durch einen Hackentrick von Roberto Firmino - erzielte auch Mittelfeldmann Georginio Wijnaldum per feinem Lupfer einen Treffer (34.). Das war insofern bemerkenswert, weil dieses Tor nach 14 vorangegangen Treffern das erste war, das nicht auf das Konto der vordersten Reihe um Salah, Firmino und Mané ging. Erfreulich für Klopp auch, dass die Rückkehr des Kapitäns Jordan Henderson und des Rechtsverteidigers Trent Alexander-Arnold den Spielraum für die nächsten Partien wieder vergrößern. Der Aushilfsjob für den offensiveren James Milner in der Viererkette rechts hinten hat sich damit erst mal erledigt, ebenso wie die dauerhaften Improvisationen im Mittelfeld.

Fast in Bestbesetzung wird Liverpool daher gegen die Bayern antreten können - wenn nicht der niederländische Abwehrchef Virgil van Dijk wegen einer Gelbsperre im Hinspiel passen müsste. In dieser Saison hat van Dijk sowohl in der Premier League als auch der Champions League bis auf 35 Minuten jedes Spiel komplett absolviert. Im Ligaduell gegen Southampton zwang ihn in der Hinrunde eine Rippenblessur zur Auswechslung, aber da stand es bereits 3:0 für Liverpool.

Einen Testlauf ohne van Dijks Expertise bei der Organisation der Defensive gab es in Pflichtspielen bloß in den beiden englischen Pokalwettbewerben, in denen die Reds jeweils auch prompt verloren. Sollte der kroatische Routinier Dejan Lovren nicht rechtzeitig einsatzfähig sein, wird Klopp wohl an der Seite des früheren Schalkers Joël Matip auf Fabinho setzen, der als Abwehrspieler gegen Brighton bereits seine Arbeit verrichtete.

Wenn es nach Liverpool geht, wird die Defensive allerdings sowieso überschätzt - weil der Angriff in einem Heimspiel im Europapokal immer noch die beste Verteidigung ist. Und so darf sich der FC Bayern darauf gefasst machen, dass die Reds am 19. Februar darauf aus sein werden, ordentlich aufs Tempo zu drücken, um mit ein paar Treffern schnell den Einzug ins Viertelfinale anzubahnen. Auf eine Zitterpartie beim Rückspiel in München hat der FC Liverpool nämlich keine Lust.

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