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Leichtathletik-WM:Warholm und Stahl triumphieren

17th IAAF World Athletics Championships Doha 2019 - Day Four

Jubelpose: Karsten Warholm über 400 Meter Hürden.

(Foto: Getty Images for IAAF)

400 Meter Hürden, Männer: Karsten Warholm aus Norwegen hat bei der Leichtathletik-WM in Doha seinen Titel über 400 m Hürden erfolgreich verteidigt. Der 23-Jährige setzte sich im Finale in 47,42 Sekunden vor dem US-Amerikaner Rai Benjamin (47,66) und Lokalmatador Abderrahman Samba (48,03) durch, der unter großem Jubel die erste Medaille für Gastgeber Katar holte.

Vor Warholm hatten nur Legende Edwin Moses (1983/1987) und dessen US-Landsmann Kerron Clement (2007/2009) sowie Felix Sanchez aus der Dominikanischen Republik (2001/2003) den Doppelschlag geschafft. Den 27 Jahre alten Weltrekord von Kevin Young aus den USA (46,78) verfehlte Warholm deutlich. Der Norweger hatte sich in diesem Jahr auf 46,92 gesteigert und ist damit zweitschnellster Hürdenläufer der Geschichte. Luke Campbell (Frankfurt/Main) war bei seiner WM-Premiere im Halbfinale ausgeschieden, der deutsche Meister Constantin Preis (Sindelfingen) war nicht über den Vorlauf hinausgekommen.

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Diskuswurf, Männer: Der deutsche Diskus-Meister Martin Wierig hat im Finale der WM in Doha einen guten achten Platz belegt. Beim Sieg des schwedischen Jahresweltbesten Daniel Stahl (67,59) in einem packenden Wettbewerb kam der 32 Jahre alte Magdeburger auf 64,98 m und erreichte nach Rang vier 2013 in Moskau sein zweitbestes WM-Ergebnis. "Ich kenne mein Leistungsniveau, das war heute von mir eine gute Leistung", sagte Wierig im ZDF: "Es war toll, nochmal sechs Versuche zu haben. Wenn das einer nach dem letzten Jahr gesagt hätte, dem hätte ich vielleicht selbst nicht geglaubt."

Hinter Stahl holte der Jamaikaner Fedrick Dacres (66,94) Silber. Als Dritter gewann Lukas Weißhaidinger (66,82) die erste Männer-Medaille für Österreich bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften überhaupt und das erste Edelmetall der Alpenrepublik seit Stephanie Grafs 800-m-Silber 2001 in Edmonton. Rio-Olympiasieger Christoph Harting (Berlin) und David Wrobel (Magdeburg) waren in der Qualifikation am Samstag gescheitert. Hartings Bruder Robert war der letzte deutsche Diskus-Weltmeister, der zurückgetretene London-Olympiasieger hatte 2009, 2011 und 2013 triumphiert.

Hochsprung, Frauen: Hochspringerin Imke Onnen (Hannover) hat bei der Leichtathletik-WM in Doha eine vordere Platzierung verpasst. Die 25-Jährige übersprang im Finale 1,89 m und wurde Neunte. In der Qualifikation hatte Onnen noch 1,94 m gemeistert. Topfavoritin Marija Lassizkene (26) aus Russland sicherte sich mit 2,04 m in einem spannenden Duell mit der erst 18 Jahre alten höhengleichen Jaroslawa Mahutschich aus der Ukraine als erste Hochspringerin zum dritten Mal WM-Gold. Mahutschich, die einen U20-Weltrekord aufstellte, ist die jüngste Medaillengewinnerin der Geschichte im Hochsprung. Bronze ging an Vashti Cunningham aus den USA (2,00).

Lassizkene, die sich dreimal vergeblich an 2,08 m versuchte, holte den zweiten WM-Titel für die neutralen Athleten, nachdem Anschelika Sidorowa 24 Stunden zuvor Stabhochsprung-Gold gewonnen hatte. Der russische Verband RUSAF ist seit November 2015 wegen des Dopingskandals gesperrt. Christina Honsel (Dortmund) war in der Qualifikation ausgeschieden. Die deutsche Meisterin und EM-Dritte Marie-Laurence Jungfleisch (Stuttgart) hatte ihre Saison wegen Achillessehnenproblemen vor den Titelkämpfen in Katar abgebrochen.

800 Meter, Frauen: Halimah Nakaayi aus Uganda hat bei der Leichtathletik-WM in Doha die Nachfolge von Caster Semenya als 800-m-Weltmeisterin angetreten. Nakaayi holte am Montag in 1:58,04 Minuten Gold und verwies die beiden US-Amerikanerinnen Raevyn Rogers (1:58,18) und Ajee Wilson (1:58,84) auf die Plätze zwei und drei.

Die zweimalige Olympiasiegerin Semenya war in Doha nicht am Start - wegen einer von der IAAF neu eingeführten Testosteron-Regel. Diese fordert von Athletinnen mit intersexuellen Anlagen, ihren Testosteron-Wert mit Medikamenten unter einen bestimmten Wert zu senken, um über Strecken von 400 m bis zu einer Meile international starten zu dürfen. Semenya verweigert eine Behandlung und verzichtete auf einen Start. Vize-Weltmeisterin Francine Niyonsaba (Burundi) ist von dieser Regelung ebenfalls betroffen und lief in Doha nicht. Eine Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts über die Regel steht noch aus. Die deutsche Meisterin Christina Hering war im Vorlauf ausgeschieden, für Katharina Trost (beide München) kam das Aus im Halbfinale.

5000 Meter, Männer: Titelverteidiger Muktar Edris aus Äthiopien hat bei der Leichtathletik-WM in Doha erneut Gold über 5000 m gewonnen. Der 25-Jährige setzte sich in einem schnellen Rennen in 12:58,85 Minuten vor seinem Landsmann Selemon Barega (12:59,70) durch. Es war der erste Doppelsieg über die zwölfeinhalb Stadionrunden in der WM-Geschichte und das erste Gold für Äthiopien bei den Wettbewerben in Katar.

Bronze ging an den Kanadier Mohammed Ahmed (13:01,11). Die drei norwegischen Ingebrigtsen-Brüder gingen leer aus, als bester kam Europameister Jakob Ingebrigtsen auf Platz fünf (13:02,93). Kenias Topläufer Michael Kibet und Daniel Simiyu durften in Doha nicht starten. Die Läufernation steht unter besonderer Doping-Beobachtung, alle Athleten müssen vor der WM dreimal außerhalb der Wettkämpfe getestet worden sein, um starten zu dürfen. Kibet und Simiyu konnten dies nicht nachweisen. Richard Ringer (Rehlingen) und Sam Parsons (Frankfurt) waren im Vorlauf ausgeschieden.

Speerwurf, Frauen: Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong ist bei der Leichtathletik-WM in Doha ganz souverän ins Finale eingezogen. Die 25-Jährige aus Zweibrücken übertraf mit 65,29 m die geforderten 63,50 m im ersten Versuch. Annika Marie Fuchs aus Potsdam schied hingegen mit 58,16 m in der Qualifikation aus. "Das war das Ziel. Direkt beim Abwurf wusste ich, der geht weit", sagte Hussong: "Das gibt viel Selbstbewusstsein, aber morgen geht es wieder bei Null los, da bringen mir die 65 gar nichts." Als Beste den Einzug in die Entscheidung am Dienstag (20.20 Uhr MESZ) schaffte die Chinesin Lyu Huihui, Zweite der WM 2015 in Peking, mit 67,27 m. Nur sie und Hussong sicherten sich mit Würfen über die vorgegebene Qualifikationsmarke das Finalticket, das Feld für die Medaillenentscheidung wurde mit den zehn Nächstbesten aufgefüllt. Auch die bereits 38 Jahre alte Titelverteidigerin Barbora Spotakova aus Tschechien, die auch 2007 und 2011 Gold geholt hatte, erreichte dadurch das Finale.

Hussong hatte vor dem Wettkampf selbstbewusst ihre Ambitionen im Titelkampf unterstrichen. "Es gibt sicher acht Leute, die um Gold mitwerfen - aber ich zähle mich dazu", sagte sie. Hussong liegt mit den 66,59 m von ihrem Diamond-League-Sieg in Lausanne an Position fünf der Jahresweltbestenliste. Vier Werferinnen hatten vor Doha in der laufenden Saison die Siegesweite Spotakovas von der WM 2017 (66,76) übertroffen, an der Spitze die Chinesin Lyu (67,98).

200 Meter, Frauen: Die beiden deutschen Sprinterinnen Tatjana Pinto und Lisa Marie Kwayie sind bei der Leichtathletik-WM in Doha über 200 Meter ins Halbfinale gelaufen. Die Paderbornerin Pinto verbesserte im Vorlauf am Montag ihre persönliche Bestzeit auf 22,63 Sekunden. Auch die Berlinerin Kwayie lief in 22,77 Sekunden schneller als jemals zuvor. Das Halbfinale wird am Dienstag (20.35 Uhr/MESZ) ausgetragen.

400 Meter, Frauen: Die nigrische 400-m-Läuferin Aminatou Seyni, mit einer Zeit von 49,19 Sekunden drittschnellste Athletin in diesem Jahr, darf bei der WM in Doha wegen der umstrittenen Testosteron-Regel nicht über ihre Paradestrecke antreten. Das gab die 22-Jährige am Montag nach ihrem 200-m-Vorlauf, den sie in Landesrekord von 22,58 Sekunden vor Tatjana Pinto (Paderborn) gewann, bekannt. "Ich darf keine 400 m laufen. Ich muss wegen der neuen Regularien über die 200 m antreten. Es ist wie bei Caster Semenya", sagte Seyni. Seit einigen Monaten hat der Weltverband IAAF die umstrittene Testosteron-Regel eingeführt. Athletinnen mit intersexuellen Anlagen müssen ihren Testosteronwert medikamentös unter einen bestimmten Grenzwert senken, um über die Strecken zwischen 400 m und einer Meile international starten zu dürfen.

Die zweimalige 800-m-Olympiasiegerin Semenya hatte erfolglos vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Regel geklagt. Eine Entscheidung des Schweizer Bundesgerichtes steht noch aus. Die Südafrikanerin weigert sich allerdings, ihren Testosteronwert zu senken oder auf eine andere Strecke auszuweichen und ist in Doha nicht am Start.

Marathon, Frauen: Äthiopiens früherer Wunderläufer Haile Gebrselassie sieht die extremen Bedingungen bei der Leichtathletik-WM in Doha als lebensgefährlich an. Deshalb hätten die Titelkämpfe nie an Katars Hauptstadt vergeben werden dürfen. "Gott bewahre, aber Menschen, die bei solchen Wetterbedingungen laufen, hätten sterben können", sagte der 46-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur AP. "Es war ein Fehler, die Weltmeisterschaften bei solch heißem Wetter in Doha auszutragen, besonders das Marathonrennen. Als jemand, der so lange in diesem Sport aktiv war, finde ich das inakzeptabel", meinte der mehrmalige Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler.

Angesichts dieser Extreme im Golfstaat Katar hätte man nach Meinung Gebrselassies auf die Marathonrennen ganz verzichten müssen - oder auf Halbmarathonwettbewerbe ausweichen können. Beim Frauen-Marathon wurden nachts 32,7 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 73,3 Prozent gemessen. Die Siegerzeit der Kenianerin Ruth Chepngetich war die schlechteste in einem WM-Marathon. Nur 40 der 68 gestarteten Teilnehmerinnen kamen nach 42,195 Kilometern ins Ziel. Der Männer-Marathon findet erst in der Nacht zum Sonntag statt.

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