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Leichtathletik-WM in Katar:Alle Befürchtungen waren berechtigt

Leichtathletik-WM 2019: Sviatlana Kudzelich aus Weißrussland nach dem Marathon

Sviatlana Kudzelich aus Weißrussland sitzt nach dem Marathon am Boden.

(Foto: Getty Images for IAAF)

Hitze, kollabierende Athleten, ein halbleeres Stadion - das Bild der Leichtathletik-WM in Katar ist verheerend. Das zeigt: Das größte Problem des Sports sind diejenigen, die ihn lenken.

Der Leichtathletik-Weltverband testet bei den Weltmeisterschaften in Doha gerade eine sogenannte Hitzepille für Athleten. Britische Forscher haben sie entwickelt, sie kann geschluckt oder auch wie ein Zäpfchen eingeführt werden und misst neben der Körpertemperatur noch allerhand Daten, die sie digital an ein Handy überträgt. Das funktioniert allerdings nicht in Echtzeit; die Mediziner können also nicht einen überhitzenden Athleten stoppen, bevor er umkippt. Dafür können sie später nun viel besser analysieren, warum er umgekippt ist. Andrew Lichtenthal, der Arzt des deutschen Verbandes, sagte in Doha, er befürworte die Pille unbedingt - man könne so auch Ausschüttungen im Darm messen, die womöglich dafür sorgen, dass Leistungen in extremer Hitze einbrechen. Da gebe es noch eine Forschungslücke.

Sämtlichen Wissenschaftlern sei hiermit ein weiteres Forschungsprojekt empfohlen: die Pille für den Sportfunktionär. Die könnte mit einem Sensor ausgestattet sein, der in den Kanapees am VIP-Büffet versteckt wird. Eingeschleust im Körper misst er allerhand Daten, die Ausschüttung von Endorphinen etwa, wenn dem Funktionär Sponsorenpakete oder goldene Uhren feilgeboten werden. So wird zwar nicht verhindert, dass das nächste Großereignis an den Ausrichter wandert, der das meiste Geld in den Verbandskreislauf pumpt. Aber man versteht besser, warum es so kam. Da gibt es ja auch noch ein paar Forschungslücken.

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"Respektlos" nennen Athleten die Zumutungen der Wüsten-WM

Die Leichtathletik-WM im Wüstenemirat Katar wäre ein erstklassiges Untersuchungsobjekt. Nach dem ersten Wochenende kann man zumindest festhalten: Nahezu alle Befürchtungen, die nach der Vergabe aufkamen, waren berechtigt. Die ersten Wettbewerbe im Freien, der Marathon der Frauen und die 50 Kilometer der Geherinnen und Geher, fanden auf einem Kurs statt, der den Charme eines Flughafenrollfelds versprühte. Zuschauer waren kaum anwesend. Das Klima glich einem Dampfbad: 33 Grad, 73 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Zeiten waren so langsam wie bei keiner anderen WM bislang. Mehr als ein Drittel der Marathonläuferinnen gab auf, einige kollabierten. Der deutsche Geher Carl Dohmann berichtete von Pulsschlägen in "astronomischer Höhe". Die Weißrussin Volha Mazuronak, Fünfte im Marathon hinter Siegerin Ruth Chepngetich aus Kenia, polterte: "Das ist respektlos gegenüber den Athleten. Die Funktionäre vergeben die WM hierhin, jetzt sitzen sie in kühlen Räumen oder schlafen." Kevin Mayer, der Weltrekordinhaber im Zehnkampf aus Frankreich, sprach von einem "Desaster", auch wegen des halb leeren Stadions. Dabei sind dessen 40 000 Plätze schon zur Hälfte abgedeckt.

Die Verantwortlichen stehen längst in Frankreich unter Hausarrest (der ehemalige Weltverbandspräsident Lamine Diack) oder verstecken sich im Senegal (Diacks Sohn Papa Massata), während Strafermittler dubiosen Geldflüssen nachspüren, die rund um die Doha-Vergabe geflossen sein sollen (was die Diacks abstreiten). Die Verantwortlichen sitzen aber auch in den VIP-Logen in Doha. Diacks Nachfolger Sebastian Coe beteuerte zuletzt, man tue alles, um die Athleten vor der Hitze zu schützen, außerdem müsse man den Sport in neue Märkte tragen. Das ist so absurd wie entlarvend: Die Lösung ist ja nicht, dass man Sportlern mehr Wasser spendiert und sie wie Versuchstiere mit Pillen füttert. Sondern dass man eine WM an viele Orte vergeben sollte, aber nicht in einen Backofen.

Die Doha-WM, das steht schon jetzt fest, steht nicht für den Aufbruch in neue Märkte. Sondern als Erinnerung daran, dass das größte Problem des Sports noch immer die sind, die ihn lenken.

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Ein Klima wie in einem Dampfbad, kollabierende Athleten - verheerende Zustände, kommentiert SZ-Autor Johannes Knuth. Das größte Problem seien die Funktionäre, die den Sport um jeden Preis in neue Märkte tragen wollen - ungeachtet der Folgen.