Leichtathletik:Usain Bolt: Leistung, Lässigkeit und negative Dopingtests

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London Anniversary Games Preview Press Conference

Usain Bolt bei einer Pressekonferenz in London.

(Foto: REUTERS)

Der Jamaikaner liefert die Waren, die die Leichtathletik braucht. In Rio peilt er seine Olympiasiege sieben bis neun an. Zum Ausschluss Russlands hat er wenig zu sagen.

Von Johannes Knuth, London

Am Ende ging es wieder um Fußball, natürlich, zum Fußball lässt sich Usain Bolt ja immer etwas entlocken. Bolt mag den Fußballklub Manchester United, er würde gerne einmal für sie spielen, hat er vor ein paar Jahren mal gesagt, das Thema ist ziemlich abgestanden. Aber zum Fußball sagt Usain Bolt eben immer was. Und deshalb war es am Donnerstag, vor Bolts Auftritt beim Diamond-League-Meeting in London, von großem Nachrichtenwert, ob Bolt schon einen Anruf von José Mourinho erhalten hatte, dem neuen Aufseher seines Lieblingsklubs. "Nein", sagte Bolt, "aber er wartet sicher erst die Olympischen Spiele ab." Hahaha. Dann musste Bolt noch ein paar Takte zu Englands EM-Aus sagen. "Ich bin echt enttäuscht", sagte Bolt also, er kicherte, "ihr habt die beste Liga der Welt, die besten Spieler, aber keine Titel. Es ist echt traurig."

Bolt will gewinnen - 2017 soll mit der Karriere Schluss sein

Auf Usain Bolt, 29, aus Kingston/Jamaika, kann man sich halt verlassen. Die üblichen Wortspenden reichen, um die Massen zu unterhalten, Bolt ist ja schon ein Spektakel, wenn er nur da ist, mehr noch: Wenn er fast da ist. Vor seiner Presserunde am Donnerstag huschten Sicherheitsleute auffällig unauffällig über den Hotelflur, drei Dutzend Fernsehteams waren gekommen, die plötzlich auf den Parkplatz stürmten. Bolt schlurfte dann bald auch auf den Parkplatz, er ähnelte vor der Kameratraube einem Staatschef, der etwas Wichtiges zu verkünden hat. Aber Bolt hatte nichts zu verkünden. Er malte zwei Tanzgesten in die Luft, dann schlurfte er zurück ins Hotel. "Bisschen enttäuschend", sagte ein Kameramann, sein Kollege fragte: "Was soll er auch sonst machen?"

Bolt erfüllt in diesen Tagen routiniert seine Dienste und Pflichten als Spaßsprinter, das muss reichen. Gut, er hat sich Anfang Juli bei den nationalen Meisterschaften am Oberschenkel verletzt, am Freitagabend muss er in London über die 200 Meter noch einmal seine Wettkampfhärte nachweisen. Nur dann darf ihn sein Verband nach Rio mitnehmen, streng genommen. Aber diese Unsicherheit moderierte er am Donnerstag lässig weg. "Mir geht es wieder gut", sagte er. "Ich saß zuletzt nur einmal im Startblock, aber wir Jamaikaner warten bis zur letzten Minute, ehe wir etwas erledigen." Na und? Seine Form sei viel besser als vor einem Jahr, als Bolt den Amerikaner Justin Gatlin bei der WM über 100 und 200 Meter gerade noch abfing. In Rio werde er schon seine Goldmedaillen erwirtschaften, sagte Bolt, es wären die Olympiasiege sieben bis neun. Und seine Weltrekorde von 2009 seien auch drin, klar.

Rekorde, Superstars, Bolts Sternendeuter-Geste, das war jahrelang das Angebot, mit dem die (hochkorrupte) alte Führung des Weltverbands die Leichtathletik bewarb. Bolt liefert diese Waren auch im Spätherbst seiner Karriere an; 2017 soll ja Schluss sein. Allzu viel mehr hat er nicht zu bieten, klar, kein Sportler ist vertraglich dazu verpflichtet, sich zu Doping, Klimaerwärmung oder dem Gaza-Konflikt zu äußern (zu Letzterem wurde Bolt schon abgefragt). Aber so bleiben seine Auftritte eben ein wenig blutleer. Was er davon halte, dass Russlands Leichtathleten für Olympia ausgesperrt bleiben? "Das ist eine starke Botschaft, denke ich, um Betrüger abzuschrecken", sagte Bolt, das Dopingproblem in der Leichtathletik sei zuletzt ja "echt schlimm" geworden. "Aber ich mache mir darüber nicht zu viele Gedanken. Ich überlasse das den Leuten da oben, die Entscheidungen zu treffen." Es ist seine Standard-Antwort für alles, was ins Sportpolitische schwappt. "Das sind alles Nebenschauplätze", fügte er an, "wenn du dich damit zu sehr beschäftigst, dann verlierst du deinen Fokus."

Ein Reporter fragte Bolt nach Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Bolts Hausarzt aus München. "Er hat nach der Verletzung seine Magie wirken lassen", sagt Bolt. Das klang unfreiwillig verfänglich, zumal manche von Müller-Wohlfahrts Behandlungen umstritten sind, Actovegin etwa, ein im Sport (noch) erlaubtes Mittel. "Ich werde ständig getestet, erst heute Morgen wieder", sage Bolt, er hielt seinen linken Arm in die Kameras, aus dem sie offenbar Blut abgezapft hatten. Was leider wenig Wert besitzt in einem Anti-Doping-Kampf, der häufig testet aber wenig von den Schnellmachern findet, die auf dem Markt sind.

Vielleicht hat Usain Bolt ja irgendwann doch mehr zu seinem Sport zu sagen, nach dem Karriereende zum Beispiel. Was er danach eigentlich machen werde, wurde er noch gefragt. "Irgendwas mit Leichtathletik", sagte Bolt.

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