Fußball-Bundesliga Dasselbe in Grün

Ist er bald wieder weg? Mario Gomez dürfte beim VfL Wolfsburg bislang nicht glücklich geworden sein.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der VfL Wolfsburg leidet unter einem Standort-Nachteil: An keinem Ort der Liga ist der Erfolg für die Zufriedenheit der Spieler so wichtig wie hier. Bleibt der Erfolg aus, macht sich das an der gebremsten Leidenschaft der Spieler bemerkbar.

Kommentar von Christof Kneer

Es ist vermutlich nur Geschmackssache, welche aktuelle Nachricht man aus Sicht des VfL Wolfsburg für die bedenklichste hält. War es das 0:5 in München? War es der Auftritt des selbst unter Druck stehenden Managers Allofs, der versuchte, dem Trainer Ismaël seine Unterstützung zuzusagen, ohne ihm seine Unterstützung zuzusagen? War es die Kapitalvernichtung im Fall Julian Draxler, der wertmindernd aus dem Kader verbannt worden war? Oder war es die geradezu lächerliche Tatsache, dass gegen Wolfsburg inzwischen schon Leute Tore schießen, die sonst nie Tore schießen (Thomas Müller)?

So weit die Geschmackssache. Geschmacksübergreifend am bedenklichsten dürfte aber zweifellos sein, dass sich nun der Trainer Mirko Slomka ins Gespräch gebracht hat, und zwar mit einem Ton, den man nur anschlägt, wenn man Mirko Slomka ist oder der Gegner sich eh' nicht mehr wehren kann. Die Bilanz von Ismaël sei "nicht so stark, dass man unbedingt an ihm festhalten" müsse, sagte Slomka in Übertretung aller Branchenregeln und drängte sich selbst mit einem streng fachlichen Argument als Nachfolger auf; er sei "Niedersachse".

Demnächst geht Draxler, folgt bald auch Gomez?

Der Standort Wolfsburg sei noch mehr vom Erfolg abhängig als andere Standorte, hat der langjährige VfL-Trainer Dieter Hecking gerade gesagt; selten war ein kleiner Satz so wahr. Der VfL wirbt zurzeit weniger für die Automarke, die Stadt und Klub zugrunde liegt - der VfL wirbt im Moment für sein eigenes Vorurteil. Dieses Vorurteil besagt, dass Berufsfußballer ihren Job in Wolfsburg weniger leidenschaftlich ausüben als in Dortmund, Schalke oder Gladbach. Auch das hat Hecking ja erklärt: dass es Spielern schwer falle, sich zu Wolfsburg zu bekennen, wenn der VfL Achter sei. Im Moment ist der VfL Fünfzehnter.

Den Traditionalisten wird es gefallen, dass sich abstrakte Werte wie Atmosphäre, Identifikation oder Fan-Zuspruch manchmal eben doch in der Tabelle messen lassen; jedenfalls gerät ein Klub, bei dem diese Werte vermisst werden, in die Gefahr, als Mittel zum Zweck missbraucht zu werden. Wolfsburg ist sexy, solange man dort nicht nur weit über Tarif verdienen, sondern auch Meister, Pokalsieger oder Champions-League-Teilnehmer werden kann. Wenn nicht, setzt die Landflucht ein: Es gingen De Bruyne, Schürrle, Kruse; demnächst folgen Draxler, womöglich Luiz Gustavo, vielleicht Gomez. Es ist immer dasselbe in Grün.

Andere Klubs mit ähnlichen Standortproblemen haben es - siehe Hoffenheim - inzwischen geschafft, wenigstens fußballerisch für etwas zu stehen. In Wolfsburg wird zwar gerade auch darüber diskutiert, ob man künftig mehr auf Talente und weniger auf edle Importe setzen soll, aber der Diskussion geht keine tiefere sportliche Einsicht voraus. Es geht eher darum, ob VW sich weiterhin so viel Geld für prominente Fußballer leisten will, die 0:5 in München verlieren.

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