Eishockey in der DEL:Debatten im Haie-Becken

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Kölns Trainer Uwe Krupp ist seinen Job bei den Haien los. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Der traditionsreiche Kölner DEL-Klub steckt sportlich fest. Trainer Uwe Krupp muss nach dem Aus in den Pre-Playoffs gehen, die Sport-Führung ist ratlos - außerdem missfällt vielen Fans die politische Haltung des Investors.

Von Ulrich Hartmann, Köln

Es war bloß in einer Hinsicht eine gute Saison für die Kölner Haie: Mit im Schnitt 16 827 Zuschauern in 28 Heimspielen hat der Eishockey-Klub einen Europarekord aufgestellt. Mit solcher Unterstützung wären die Kölner zwar gerne ins Playoff-Viertelfinale eingezogen und hätten sich auch nicht ungern dem Endspiel angenähert, allerdings haben sie beides im verlorenen Pre-Playoff gegen Ingolstadt schnöde versäumt. Weil es sportlich eine enttäuschende Saison war, hat sich der Klub nach vier Jahren von Trainer Uwe Krupp, 58, getrennt. "Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen", steht in einer Mitteilung. Zu Krupp und dem Trainerteam habe eine "enge Bindung" bestanden. Der ehemalige Bundestrainer ist gebürtiger Kölner und war bereits zum zweiten Mal Trainer der Haie.

Man könnte jetzt einen massiven Umbruch bei den Haien erwarten. Aber der Kader für die kommende Saison steht in weiten Teilen, und die Neuaufstellung fällt womöglich gar nicht so gewaltig aus. Von größter Wichtigkeit ist die Suche nach dem neuen Trainer. Der Sportliche Leiter Matthias Baldys spielt dabei eine zentrale Rolle.

Zuletzt im Finale stand Köln 2014, den bislang letzten Titel feierte der achtmalige Meister 2002

Sportliche Vertröstungen auf die nächste Saison oder umso höhere Ambitionen erspart man sich. "Wir sortieren uns jetzt erst mal", sagt der Geschäftsführer Philipp Walter, "das ist gerade nicht die Zeit für Kampfansagen." Die Haie wecken in der Stadt und der Branche ohnehin jedes Jahr Erwartungen. Mit diesem Druck hat man im Klub zwar umzugehen gelernt, die immer längere Durststrecke macht die Sache aber nicht gerade leichter. Letztmals im Endspiel stand Köln 2014. Den letzten Titel für den achtmaligen Meister gab es 2002.

Im August 2022 feierten die Haie groß ihren 50. Geburtstag. Auf einer Gala wurde dem Hauptgesellschafter Frank Gotthardt der "Ehren-Hai" verliehen. An jenem Abend verriet Gotthardt auf der Bühne, dass er davon träume, binnen drei Jahren mit den Haien einmal Meister zu werden. 2023 wurde das nichts und 2024 wieder nicht.

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Als wäre die Enttäuschung darüber nicht genug, gibt es seit etwa einem Monat ein öffentliches Geraune um die Person Gotthardt. Der 73 Jahre alte Selfmade-Milliardär aus der Nähe von Koblenz ist seit 2010 Hauptgesellschafter der Haie und neuerdings Unterstützer und Mitfinanzierer des wutbürgerlich anmutenden, rechts-konservativen Internetportals Nius mit dem ehemaligen Bild-Chef Julian Reichelt an der Spitze. Mitte Februar hat Gotthardt in einem Podcast über die politische Ausrichtung von Nius gesprochen ("Wir sind rechts von der Mitte."). Ein paar Tage später hat ein besorgter Haie-Fan namens Michael Schulze einen offenen Brief an die Haie gemailt. Er stellte darin etliche Fragen, beispielsweise, wie sich die politische Positionierung des Haie-Besitzers wohl auf die Zukunft und das Image der Haie auswirke.

Der Klub antwortete mit einer öffentlichen Stellungnahme, in der es unter anderem heißt: "Die Integrität und Handlungshoheit der Kölner Haie wird auch in Zukunft unberührt bleiben. (...) Es wird keine Marketingmaßnahmen von Nius bei den Haien geben. (...) Als gesamte Haie-Familie lehnen wir politischen Extremismus entscheidend ab. Alle unsere Gesellschafter bekennen sich zu unseren Werten."

Gotthardt sagte in dem Koblenzer Podcast "Rund ums Eck", er engagiere sich bei Nius "aus staatsbürgerlicher Verantwortung". Das Portal sei für die deutsche, in seinen Augen "eher links zu verortende Medienlandschaft eine Ergänzung im konservativen Bereich".

In Regenbogen-Trikots zu spielen, dürfte dem Haie-Hauptgesellschafter missfallen

Die Positionierung des Besitzers seines Lieblings-Eishockeyklubs nagt an Dauerkarteninhaber Schulze. Im Deutschlandfunk sagte er: "Die Werte passen nicht zusammen." Er meint die vermeintlichen Werte Gotthardts und die Werte der Haie, die schon mal in Regenbogentrikots spielen, einen "Diversity Day" veranstalten und kroatische Flüchtlinge in die Arena einladen. Schulze weiß aber um die finanzielle Abhängigkeit der Haie vom Gesellschafter. Mit privatem Geld hat Gotthardt den Klub 2010 vor der Pleite gerettet. Seitdem zieht er gewiss keinen Profit aus seiner 96-prozentigen Beteiligung. Dem Vernehmen nach hat er in den vergangenen 14 Jahren vielmehr einige Millionen hineingepumpt. Profi-Eishockey gilt in Deutschland als Zuschussgeschäft. Fan Schulze sagt: "Ich sehe bei den Haien die Problematik, dass man einen Mehrheitsgesellschafter nicht so ohne Weiteres austauschen kann." Ohne Gotthardt oder einen adäquaten Ersatz wäre eine Lizenz für die höchste Liga kaum zu stemmen.

Das wissen auch die Fans. Außer dem offenen Brief und ein paar besorgten Mails hat es keinen kollektiven Aufschrei gegeben; keine Petition von Fanklubs, keine gemeinsamen Erklärungen, keine Drohgebärden. Ein Fan hat demonstrativ seine Dauerkarte zurückgegeben. Das "Dilemma", in dem manche Medien die Haie durch die Rolle Gotthardts wähnen, ist im Klub nicht zu spüren. Man hat mit der Aufarbeitung einer enttäuschenden Saison und der Suche nach einem Trainer momentan allerdings auch genug zu tun.

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