bedeckt München 26°

Schwimm-WM:"Heute lag er viel zu tief drin", analysiert Trainer Berkhahn: "Da kam kein Rutsch."

Wellbrock war am Dienstagmorgen im Vorlauf über 800 Meter dran gewesen. Er blieb dort in 7:53,75 Minuten zehn Sekunden über seiner Bestzeit aus dem April - und verpasste als 17. das Finale am Mittwoch, in dem er ursprünglich mit einer Medaille geliebäugelt hatte. Wortlos verschwand Wellbrock im Ausschwimmbecken, kein Wort zu den Medien. Stattdessen versuchte sich später sein Trainer Bernd Berkhahn an einer Erklärung.

Berkhahn ist keiner, der die Komplexität des Schwimmers auf knackige Parolen reduziert. Aber in dem Fall, sagt er, "war mir das auf der ersten Bahn klar. Normalerweise legt sich Florian aufs Wasser und dann gleitet er. Aber heute lag er viel zu tief drin. Da kam kein Rutsch". Aber wie kann das sein? Haben die 10 Kilometer zu viel Kraft gekostet? Oder ist Wellbrock doch nicht so ein harter Knochen wie er sich gerne darstellt? Prallen doch nicht all die Erwartungen an ihm ab, dass er jetzt bitte derjenige sein muss, der das darbende deutsche Schwimmen rettet? Eher letzteres, glaubt Berkhahn. Alle Leistungsparameter seien im Grunde gut, bloß "jetzt hat er grad das Gefühl, er kann nicht schwimmen". Weil Wellbrock das aber nachweislich kann, schwimmen, besteht zumindest die Hoffnung, das Problem bis zu seinem 1500-Meter-Start in den Griff zu kriegen.

Köhlers Silbermedaille - und da verschränken sich die beiden Einzelgeschichten jetzt wieder - hilft da durchaus. Nicht nur, weil Wellbrock sich am Abend auf der Tribüne mitfreuen konnte. Sondern auch bei der Ursachenforschung: weil beide mit Berkhahn fast den gleichen trainingsmethodischen Weg gegangen sind. Fünf Wochen lang waren sie in zwei verschiedenen Höhentrainingslagern, erst in der Sierra Nevada, dann auf geringerer Höhe in den Pyrenäen. "Das war methodisch außerordentlich erfolgreich", sagt Berkhahn. Sie haben danach bei allen, die dabei waren, eine Analyse gemacht, "um Hämoglobin und Blutvolumen zu messen, das waren enorme Entwicklungen. Daraus resultieren auch die Erfolge im Freiwasser". Köhler hatte in Yeosu ebenfalls eine Goldmedaille gewonnen: in der Mixed-Staffel.

Und nun war es also wiederum an Berkhahn, der in Gwangju auch der Teamchef der deutschen Schwimmer ist, Köhler auf ihr Rennen am Abend einzustimmen - ohne dass sie die gleiche unerklärliche Blockade befällt wie ihren Freund. Besonders schwierig war das offenbar nicht. "Jeder ist seines Glückes Schmied", das hat sich Sarah Köhler auf den Arm tätowieren lassen. Florian Wellbrock ist auch in der Hinsicht weniger diplomatisch. Bei ihm steht auf der Brust: "Genieß dein Leben ständig, du bist länger tot als lebendig."

Schwimmen "Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit"

Schwimm-WM

"Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit"

Deutschlands Athleten unterstützen den Protest des Australiers Mack Horton gegen den chinesischen Schwimmer Sun Yang. DSV-Mannschaftssprecher Jacob Heidtmann appelliert an den Weltverband.   Von Claudio Catuogno