WM in Katar:Amnesty erhebt erneut Vorwürfe wegen Ausbeutung

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WM in Katar: Innenansicht des Stadions "Lusail Iconic Stadium" in Lusail bei Doha - auf WM-Baustellen kamen viele Arbeiter ums Leben.

Innenansicht des Stadions "Lusail Iconic Stadium" in Lusail bei Doha - auf WM-Baustellen kamen viele Arbeiter ums Leben.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Menschenrechte zählen am Austragungsort der der Weltmeisterschaft im Winter wenig - das mahnt ein neuer Bericht an. Und aus Katar kommt sogar Bestätigung.

Amnesty International hat erneut schwere Vorwürfe gegen das WM-Gastgeberland Katar erhoben. In ihrem jüngsten Bericht prangert die Organisation "schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen" im privaten Sicherheitssektor an, "die teilweise Zwangsarbeit entsprechen". Das katarische Organisationskomitee der Fußball-WM bestätigte die Anschuldigungen und sprach von einem "völlig inakzeptablen" Verstoß gegen die Arbeitsvorschriften.

Laut Amnesty hätten Arbeitsmigranten "gegen ihren Willen und unter Androhung von Strafen Arbeit verrichten" müssen. Demnach mussten einige bis zu 84 Wochenstunden arbeiten, nach Angaben der Menschenrechtsorganisation mit dem Wissen der katarischen Regierung. Mindestens drei Firmen sollen auch Sicherheitspersonal an WM-Projekte und Veranstaltungen des Weltverbandes Fifa ausgeliehen haben, darunter die Klub-WM und der Arab Cup im vergangenen Jahr. Amnesty berief sich auf Gespräche mit dem Personal von acht Sicherheitsfirmen.

"Unsere Erkenntnisse zeigen erneut, dass die katarische Regierung nicht ernsthaft darum bemüht ist, ihre eigenen Gesetze umzusetzen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die sie brechen", sagte Katja Müller-Fahlbusch von Amnesty. Sie fordert eine Entschädigung der von Zwangsarbeit betroffenen Arbeiter durch den Weltverband. Was die Fifa bislang getan habe, "reicht nicht aus".

Auch die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) übte Kritik. "Katars Gesetze zur Arbeitszeit von Sicherheitskräften sind klar, werden aber zu oft verletzt", sagte Max Tunon, ILO-Büroleiter in Doha. Die WM-Organisatoren teilten mit, die Unternehmen seien auf eine "schwarze Liste" gesetzt worden, um zu verhindern, dass sie an künftigen Projekten arbeiten. Zudem seien sie dem Arbeitsministerium gemeldet worden. Dieses erklärte, dass es regelmäßig gegen "skrupellose" Arbeitgeber vorgehe. Katar steht seit Jahren wegen der Ausbeutung von Arbeitsmigranten und Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Die katarische Regierung verweist stets auf Reformen im Land. Die WM findet vom 21. November bis zum 18. Dezember in dem Wüstenstaat statt.

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