2. Bundesliga:Tabellenführer mit begehrtem Torjäger

Karlsruher SC - SV Darmstadt 98

Badische Heiterkeit: Stürmer Philipp Hofmann lässt sich für seine zwei Treffer beim 3:0 gegen Darmstadt feiern.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Der Karlsruher SC ist plötzlich ganz oben und vermeldet auf allen Ebenen Erfolge. Nur die Torquote von Stürmer Philipp Hofmann bereitet Sorgen - ruft bei ihm noch ein Erstligist an?

Von Christoph Ruf, Karlsruhe

Dass Fußballer keine langen Floskeln benötigen, um ein Spiel zusammenzufassen, bewies nach dem Karlsruher 3:0-Sieg gegen Darmstadt 98 der Mann des Tages. Philipp Hofmann, der zwei der drei Tore erzielt hatte, erledigte die Analyse per Zirkelschluss: "Wenn ich treffe, dann ist die Mannschaft glücklich. Wenn die Mannschaft gut ist, bin ich glücklich. Das passt momentan ganz gut."

Tatsächlich endete der Samstag für Hofmann und fürs Team mit Spitzenpositionen: Der Stürmer ist in der Zweitliga-Torschützenliste mit drei Treffern oben, der KSC in der Tabelle nach zwei Siegen ebenfalls. Beides sagt nach einem Siebzehntel der Saison wenig aus, reicht aber, um im Badischen für gute Laune zu sorgen. Minutenlang ließen 10 000 Zuschauer, die entfesselt ihre Rückkehr in den Wildpark zelebriert hatten, den "Spitzenreiter" hochleben.

Hofmanns starker Saisonstart wird allerdings auch mit Skepsis beobachtet. 30 Tore gelangen dem Mann, der zu den wenigen überragenden Zweitliga-Stürmern zählt, schon in den letzten beiden Spielzeiten. Nun dürfte mancher Erstligist überlegen, den 28-Jährigen doch mal anzurufen. Einen Wechsel innerhalb der Liga schließt Hofmann aus, dazu fühlt er sich beim KSC, wo er allseits beliebt und das System auf ihn zugeschnitten ist, zu wohl. Doch wenn ein Erstligist werben würde, sähe die Sache anders aus, auch daran hat "Hoffi" nie einen Zweifel gelassen. Allerdings hat Sportdirektor Oliver Kreuzer zu einem Wechsel Nein gesagt ("er bleibt auf jeden Fall"). Ob es für den KSC, der einen der kleinsten Etats der Liga hat, nicht doch eine Schmerzgrenze gäbe, dürften die nächsten Wochen zeigen.

Trainer Christian Eichner würde Hofmann am liebsten bis zum Ende der Transferfrist festketten. Denn auch mit einem siebenstelligen Erlös gäbe es keine Gewähr, auf die Schnelle noch einen Stürmer zu finden, der eine Torquote wie Hofmann herbeizaubern könnte. Um die Erwartungen zu erden, hat Eichner betont, dass man die sechs Punkte erst mal gut brauchen kann, um erneut die Klasse zu halten. Und tatsächlich erwartet das traditionell anspruchsvolle Karlsruher Publikum keine Wunderdinge wie einen Aufstieg. Die langen Jahre seit dem Erstliga-Abstieg 2009 haben für Bescheidenheit gesorgt.

Trainer Eichner verpasst einer limitierten Elf eine Offensivstrategie

Es ist aber nicht zu übersehen, dass Eichner bei seiner ersten Station als Cheftrainer exzellente Arbeit leistet und ohne größere Ausgaben aus einer nicht nur spielerisch limitierten Elf ein Team mit einer Offensivstrategie geformt hat, die nicht mehr nur auf der Qualität von Spielern wie Mittelfeldchef Jérôme Gondorf oder Hofmann beruht. Und auch rund um den Platz entsteht etwas. Das neue Stadion ist zur Hälfte fertig und macht was her, die Namensrechte sind vergeben. Ein neuer Hauptsponsor, ein Immobilienunternehmen, wurde ebenfalls dingfest gemacht. Und während dessen in Karlsruhe aufgewachsener Chef in Berlin eine umstrittene Großspende an die CDU tätigte und in Leipzig von Gentrifizierungs-Gegnern angefeindet wird, kommt im Badischen kaum Kritik an dem bestens vernetzten Unternehmen auf.

Überhaupt ist es erstaunlich ruhig um die langjährige Skandalnudel KSC, die noch vor kurzem Gerichte beschäftigte, um mit Stadt oder Vermarkter einig zu werden. Seit Holger Siegmund-Schultze, einer der wenigen Intellektuellen der Branche, Präsident ist, entstehen Strukturen, die über Jahrzehnte fehlten. Kaum zu glauben: Demnächst könnte der KSC sogar ein zweitligataugliches Scoutingsystem haben. Dass der Klub mitten in der Corona-Krise lauter Erfolgsmeldungen produziert, findet Siegmund-Schultze gar nicht so verwunderlich: "Wir erklären es uns auch damit, dass wir aus einer inneren Krise gekommen sind, die weit vor Corona vorlag. Wir waren aufgrund der eigenen Verfassung schon im Krisenmodus, so dass der Schock für uns nicht so groß war. Das ist in etwa so, wie wenn Sie leichtes Fieber haben, das dann allmählich steigt."

Eine hohe Betriebstemperatur hatte Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht, dessen Elf ohne neun Spieler antreten musste - sieben fielen wegen Corona oder Quarantäne aus. Dass die ungleiche Partie stattfand, weil weder das Gesundheitsamt noch die DFL Mitleid zeigten, empörte Lieberknecht: "Du erfährst keinerlei Rückendeckung. Du wirst aufgefressen, aber das interessiert kein Schwein." Entsprechend leichtes Spiel hatte der KSC. Neben Hofmann (9./79.) traf Kyoung-rok Choi (76.). Eichner stieß nur eine schwache Phase zwischen Minute 45. und 70 sauer auf: "Da fangen wir plötzlich an, Circus Krone zu spielen."

Es ist noch nicht lange her, da hatte der KSC ganz andere Sorgen.

© SZ/mok/fse
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