Karim Bellarabi bei Bayer Leverkusen Wehmut vor dem Spiel gegen Werder

Beim SV Werder Bremen, der sich am Freitag als nächster Gegner in Leverkusen vorstellt, gibt es beim Blick auf den Leverkusener Kader schon vor der Partie Anlass zu ein wenig Katerstimmung. Sowohl Bellarabi als auch das 18-jährige Leverkusener Spitzentalent Julian Brandt gingen Werder in jungen Jahren verloren.

Der Kreiszeitung Syke erzählte Brandt jetzt davon, wie er als Junge in der Fankurve des Weserstadions gestanden hatte und wie ihm einmal Frank Rost seine Torwarthandschuhe vermachte ("Die waren so groß wie mein ganzes Bein"). Anstatt zum SV Werder ging er zum VfL Wolfsburg, bis er sich im Alter von 17 Jahren den Leverkusenern anschloss, bei denen er die exzellenten Prognosen prompt bestätigte. Am Freitag allerdings fehlt er verletzt.

Schwere Zeit in Braunschweig

Der in Bremen aufgewachsene Bellarabi gehörte sechs Jahre der Werder-Jugend an, er durfte Marco Bode und Ailton ins Weserstadion geleiten, doch dann zog er Eintracht Braunschweig vor, wo ihm Torsten Lieberknecht ein strenger Lehrherr war. Nicht immer ging es harmonisch zu - "Der Trainer nimmt seine Arbeit sehr ernst", sagte Bellarabi mal -, im Vorjahr schickte Lieberknecht seinen gefährlichsten Stürmer mitten in der spannendsten Phase des Abstiegskampfes nach Hause, weil er drei Minuten zu spät zum Mannschaftsfrühstück gekommen war.

Auch wegen solcher Geschichten heißt es jetzt in Leverkusen öfter, Bellarabi gehöre zur Sorte der schwierigen Spieler, doch da widerspricht Völler energisch: "Das täuscht! Im Gegenteil: Er ist sogar total einfach. Karim ist ein ganz lieber Junge." Außerdem besitzt er mit seinen Tempodribblings, seinem technischen Geschick und seiner Einsatzfreude die idealen Eigenschaften für Roger Schmidts anspruchsvolles Offensivpressing. Bellarabi habe das System "von Anfang an verinnerlicht", lobt Schmidt: "Er hat aus unserer Spielidee seine Spielidee gemacht und hat gemerkt, dass er nicht nur mit Ball schnell ist, sondern auch gegen den Ball, und dass er viele Bälle erobern kann. Dadurch macht er mit Mitte 20 noch einmal einen richtigen Sprung."

Völler und Schmidt hätten es sich nicht schöner ausmalen können. Damals bei Kaffee und Käsekuchen.

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