Karim Bellarabi bei Bayer Leverkusen Lieber Junge

Leverkusens Karim Bellarabi ist eine der Entdeckungen des Saisonstarts.

(Foto: AP)

Flügelstürmer Karim Bellarabi von Bayer 04 Leverkusen passt ideal in das Offensivkonzept seines Trainers Roger Schmidt. Bereits nach zwei Spieltagen wecken seine Leistungen weltweit Begehrlichkeiten.

Von Philipp Selldorf, Leverkusen

Es gab Kaffee und Käsekuchen, und auch das Kaffeehaus als solches ist Rudi Völler in angenehmer Erinnerung geblieben. Roger Schmidt hatte es aus gutem Grund für das Treffen gewählt - es gehört seinem damaligen Chef, dem bekanntlich recht wohlhabenden Getränkefabrikanten Dietrich Matteschitz, "dem ja wohl die halbe Stadt gehört", wie Völler witzelt. Als also vor ein paar Monaten der seinerzeit noch amtierende Trainer von Red Bull Salzburg und der Sportchef von Bayer Leverkusen so gemütlich beisammensaßen und über die Mannschaft sprachen, die Schmidt in der nächsten Saison betreuen sollte, da kam die Rede auch auf Karim Bellarabi.

Der 24-jährige Flügelstürmer würde zur neuen Spielzeit aus seinem Leih- Engagement in Braunschweig nach Leverkusen zurückkehren, das stand fest. Aber ob er auch für Leverkusen spielen würde, stand nicht fest. Es gab eine Reihe von Angeboten für ihn, "wie das bei einem Spieler mit seinen Eigenschaften üblich ist", so Völler. Schmidt wusste nicht allzu viel über Bellarabi. "Schau ihn dir erst mal zehn Tage im Training an. Ich glaube, du wirst Gefallen an ihm finden", empfahl Völler.

Keiner der beiden hatte zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass es mit dem harmlosen Begriff "Gefallen" schon bald nicht getan sein würde. Derzeit bewegt Bellarabi mit seinem aufregenden Stil nicht nur die Bundesliga-Gemeinde, auch in Marokko und Ghana ist Interesse entstanden und in dessen Folge eine gewisse Hektik.

Am Donnerstag meldete eine spanische Sportzeitung unter Berufung auf Quellen im marokkanischen Fußballverband, dass sich der Nationaltrainer Badou Zaki schleunigst auf den Weg nach Deutschland machen wolle, um Bellarabi rechtzeitig vor dem im kommenden Januar in Marokko stattfindenden Afrika Cup für sein Team zu gewinnen.

Das dürfte Unruhe im ghanaischen Verband hervorrufen, wo ebenfalls der Wunsch besteht, den schnellen Leverkusener zu vereinnahmen. Bellarabis Vater stammt aus Marokko, die Mutter aus Deutschland, aber es gibt auch einen ghanaischen Stiefvater. Geboren ist Bellarabi in Berlin, zuletzt spielte er für die U21 des DFB. Der Bundestrainer hat sich zu dem Thema noch nicht geäußert. Doch auch beim DFB redet man über Bellarabi.

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Völler sieht es gelassen. "Das muss er selbst entscheiden", sagt er, "Karim befindet sich in einer komfortablen Situation." Erst mal, so meint der Bayer-Sportchef, geht es ohnehin darum, die überschwänglichen Kritiken zu rechtfertigen, die einerseits Bellarabi und andererseits Bayer 04 zuletzt erhalten haben. Nicht, dass Völler der Sache nicht trauen würde. Aber die fünf Siege zum Saisonstart haben ihn in Anbetracht der Gegner in Pokal, Liga und Champions-League-Qualifikation nicht überrascht - mit Ausnahme des 2:0 in Dortmund, "da haben wir verdient gewonnen, das waren keine Glückspunkte".